Das Mekka-Abkommen und die Huthi

Beistand gegen die Huthi? Die Unterzeichnung des Mekka-Abkommens zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan
Die Unterzeichnung des Mekka-Abkommens zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan (© Imago Images / APAimages)

Saudi-Arabien steckt in Schwierigkeiten, da die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen nun die Meerenge von Bab al-Mandab kontrollieren – und Hilfe aus der Türkei und Pakistan bleibt aus.

Sarah N. Stern

Saudi-Arabien steckt in Schwierigkeiten. Im vergangenen Monat hat sich das Land als weitaus schwächere Kraft erwiesen als die im Jemen ansässige Terrorgruppe der Huthi. Nach einer Blitzoffensive haben die vom Iran unterstützten Terrormilizen die gesamte jemenitische Küste am Roten Meer eingenommen. Damit haben die Huthi die Kontrolle über die Meerenge von Bab al-Mandab übernommen und blockieren nun aktiv die saudischen Schifffahrtsrouten. Diese Entwicklung hat die Saudis dazu veranlasst, ihre Ölexporte umzuleiten, was die geostrategische Lage in der Region grundlegend verändert hat.

Die Huthi eroberten zudem die strategisch bedeutende Hafenstadt Mokka, die Küstenstadt Dhubab sowie die im Roten Meer gelegene Insel Perim. Das bedeutet, dass die Terrormilizen nur zwanzig Kilometer von der afrikanischen Küste Dschibutis und Eritreas entfernt sind, was ihnen direkten Einfluss auf die Meerenge von Bab al-Mandab verschafft.

Bislang bloße Rhetorik

Die Auswirkungen sind gravierend. Aufgrund des amerikanischen Krieges gegen den Iran hat Saudi-Arabien faktisch die Kontrolle über seine wichtigste Öltransportroute durch die Straße von Hormus verloren. Nun wird auch seine Ausweichroute durch das Rote Meer abgeschnitten. Folglich muss sich das Land ausschließlich auf den Suezkanal verlassen, ergänzt durch Marineeskorten und verdeckte Transportoperationen.

Das ist nicht nur besorgniserregend, sondern auch ironisch, denn am 7. August unterzeichneten die Saudis das »Mekka-Verteidigungsabkommen« mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif. Ähnlich wie der NATO-Verteidigungspakt besagt es, dass ein Angriff auf eine Partei ein Angriff auf alle Parteien ist. Bislang sind jedoch weder die Türkei noch Pakistan gegen die Huthi vorgegangen.

Am 24. September traf sich der saudische Außenminister Faisal bin Farhan am Rande der UN-Generalversammlung mit seinem pakistanischen Amtskollegen Ishaq Dar und dem türkischen Außenminister Hakan Fidan. Sie erörterten Möglichkeiten, Saudi-Arabien militärisch zu unterstützen, verurteilten die Angriffe der Huthi und versuchten, einen Rahmen für eine Reaktion auszuarbeiten. Dies war das erste Mal seit der Unterzeichnung des Pakts, dass dessen Verteidigungsklausel herangezogen und ernsthaft in Betracht gezogen wurde. Bislang ist dies jedoch bei bloßer Rhetorik geblieben.

Bereits am 23. August zitierte das libanesische Medienunternehmen Al Mayadeen die iranische Quelle Mehdi Rahimi mit der Aussage, der Teheran sei eingeladen worden, dem Mekka-Abkommen beizutreten. Rahimi stellte dies so dar, als handele es sich dabei um eine Art iranischen Triumph. Allerdings wurden seine Aussagen weder von den Saudis noch von den Pakistanern, den Türken oder dem iranischen Außenministerium bestätigt. Teheran ruderte später sogar zurück, doch sind die Iraner offensichtlich weiterhin bestrebt, einem regionalen Sicherheitspakt beizutreten.

Mit der zweitgrößten Armee der NATO, einer gut entwickelten Rüstungsindustrie und beträchtlicher strategischer Tiefe stärkt die Türkei das Mekka-Abkommen erheblich und festigt dessen militärisch-industrielle Kapazitäten. Die NATO-Mitgliedschaft der Türkei wirft jedoch erhebliche Fragen hinsichtlich potenzieller Konflikte mit ihrer Rolle im Mekka-Abkommen auf. Darüber hinaus unterhält Ankara regen Handel mit Teheran und möchte keine inneren Rivalitäten in der Region. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum sie den Saudis bislang nur rhetorische Unterstützung angeboten hat, nicht jedoch Waffen oder militärische Hilfe, die sie in Konflikt mit dem Iran bringen würden.

Sunnitische Achse?

Pakistan verfügt seit 1998 über Atomwaffen und besitzt schätzungsweise etwa 170 Sprengköpfe – ungefähr genauso viele wie Indien. Seine Mitgliedschaft im Mekka-Abkommen könnte Saudi-Arabien und der Türkei daher eine gewisse Form der nuklearen Abschreckung bieten. Pakistan hat zudem erwogen, nukleares Fachwissen an Saudi-Arabien weiterzugeben.

Für Israel sind nach dem Sturz des langjährigen syrischen Diktators Baschar al-Assad neue Rivalitäten entstanden. Erdoğan, der die Kräfte unterstützt hatte, die Assad gestürzt haben, hat die internationale antiisraelische Rhetorik angeheizt, indem er schwerwiegende Vorwürfe gegen den jüdischen Staat und dessen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erhob. Der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa hat Erdoğan oft als starkes Vorbild angepriesen, und die Türkei hat ihre militärische Präsenz in Syrien ausgebaut.

Deshalb haben sowohl der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett als auch Netanjahu nicht nur vor der schiitischen Achse zwischen dem Iran und den Huthi gewarnt, sondern auch vor einer sich rasch ausbreitenden sunnitischen Achse. Bennett hat erklärt, dass es einen sunnitischen »Würgegriff« um Israel geben könnte, der sich von Syrien bis zum Gazastreifen erstreckt. Auch andere in der israelischen Regierung haben in der Vergangenheit davor gewarnt, dass die sunnitische Achse Saudi-Arabien, die Türkei, Katar, Pakistan und Syrien umfassen könnte.

Sarah N. Stern ist Gründerin und Präsidentin der Endowment for Middle East Truth (EMET), eines auf den Nahen Osten spezialisierten Thinktanks. Sie ist Autorin des Buches »Saudi Arabia and the Global Terrorist Network«. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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