Könnte der vom Iran unterstützte Vormarsch der Huthi an den Bab al-Mandab eine Eskalation des Golfkonflikts auslösen und einen großen Krieg in die Region bringen?
Als am 28. Februar der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite begann, hätte niemand gedacht, dass sich die Krise sechs Monate später über die Straße von Hormus hinaus bis zum Bab al-Mandab ausweiten würde. Die Meerenge, deren Name auf Deutsch »Tor der Tränen« bedeutet, ist eine strategisch bedeutsame Wasserstraße, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean verbindet. Aufgrund ihrer Lage ist sie eine der verkehrsreichsten und wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für den internationalen Seehandel, insbesondere für Öltanker und Fracht, die vom Persischen Golf und aus Ostasien in Richtung Suezkanal und Europa transportiert werden.
In den letzten Tagen hat die Drohung der Huthi, die Meerenge zu sperren, erheblich an Bedeutung gewonnen, nachdem die vom Iran unterstützte Terrororganisation, die Norden und Westen des Jemens kontrolliert, verkündet hatte, die Kontrolle über die Wasserstraße übernommen zu haben. Wenn die Huthi eine solche Erklärung abgeben, bedeutet dies implizit, dass faktisch nun die Islamische Republik Iran die Wasserstraße kontrolliert, da die Huthi ihre jemenitischen Stellvertreter sind.
Die zentrale Frage ist, warum das US-Militär, das über zwei Flugzeugträger und rund 50.000 Soldaten in der Region verfügt, davon Abstand nimmt, gegen die Huthi vorzugehen. Der Grund dafür ist, dass Präsident Trump in der vorangegangenen Runde eine schwere Niederlage erlitten hat. Damals startete er eine Operation gegen die jemenitischen Milizen, die die Freiheit der Schifffahrt im Roten Meer langfristig sichern sollte, aber letztlich nur zeitweise die Angriffe auf Schiffe verhindern konnte.
Von März bis Mai 2025 griffen die Amerikaner unzählige Ziele des Huthi-Regimes im Jemen an, teilweise in Zusammenarbeit mit Israel. Doch Anfang Mai vergangenen Jahres verkündete Präsident Trump live im Fernsehen, dass seine Regierung eine Vereinbarung mit den Huthi getroffen habe: »Sie schießen nicht auf uns – wir schießen nicht auf sie.« Die Geheimhaltung rund um die Vereinbarung innerhalb der Regierung war so streng, dass sogar das US-Militär erst während der Übertragung erfuhr, dass es die Vorbereitungen für einen weiteren Angriff auf die Huthi einstellen sollte.
Seitdem haben die Huthi die mit Trump getroffene Vereinbarung eingehalten: Sie haben nicht auf amerikanische Schiffe gefeuert, und die Amerikaner haben nicht auf sie geschossen. Die Terrororganisation nutzte diese Zeit – die letzten anderthalb Jahre –, um sich zu erholen und wieder aufzubauen. Unter anderem verbesserte sie ihre Abschusskapazitäten und stellte weitere Raketen her.
Esaklation möglich?
In den letzten Wochen ermutigte das Schweigen der US-Regierung die Huthi jedoch dazu, neue Operationen zur Eroberung von Gebieten an der Westküste des Jemen zu starten. Dies gipfelte gestern schließlich in der Einnahme der Westküste sowie von Inseln im Roten Meer, die zuvor von jemenitischen Streitkräften kontrolliert worden waren, die mit Saudi-Arabien verbündet und Riad treu ergeben sind.
Zudem haben die Huthi kontinuierlich Raketen und Drohnen auf strategische Einrichtungen und saudische Ölanlagen abgefeuert. Auch Pipelines und Raffinerien sind ins Visier genommene Ziele. Riad versuchte erfolglos, die Terrororganisation einzudämmen, die faktisch einen eigenen Staat im Jemen errichtet hat. Zwar führt Saudi-Arabien gelegentlich Angriffe und Operationen durch, doch konnten diese den erheblichen Schaden, den die Huthi der Industrie des Golfkönigreichs zufügen, nicht verhindern.
Mit der Übernahme des Roten Meeres ist Saudi-Arabien nun der Hauptbetroffene, der unter den Folgen zu leiden hat. War seine Fähigkeit zum Ölexport bereits durch die Ereignisse in der Straße von Hormus eingeschränkt, so wird die Übernahme der Straße von Bab al-Mandab durch die Huthi die Ölexporte des Königreichs noch weiter erschweren. Bislang haben die Saudis davon abgesehen, die Iraner direkt für die Geschehnisse vor Ort verantwortlich zu machen. Doch könnte Riad schließlich auch gegenüber Teheran die Geduld verlieren?
Und auch Ägypten wird enorme Verluste erleiden, denn wenn das Rote Meer blockiert ist, wird niemand den Suezkanal passieren und Kairo die damit verbundenen Gebühren zahlen.
Alle – von Amerika bis Asien, mit dem Nahen Osten und Europa dazwischen – sind sich bewusst, dass eine Situation, in der die Huthi die Meerenge von Bab al-Mandab kontrollieren, einen enormen Schlag für die Weltwirtschaft bedeuten würde. Wenn die Terrorgruppe es will, werden Schiffe durchgelassen; wenn nicht, müssen sie den langen Umweg um Afrika nehmen, was die Preise für Waren in die Höhe treibt. Es ist anzunehmen, dass einige Länder bereits darüber nachdenken, den Huthi Bestechungsgelder zu zahlen, um sich die Durchfahrt durch das Rote Meer zu sichern.
Gleichzeitig will sich aber niemand mit den Huthi anlegen. Die Vereinigten Arabischen Emirate erinnern sich noch gut daran, wie die Trump-Regierung vor einigen Jahren ihre gemeinsam mit den Saudis durchgeführten Operationen gegen die Terrororganisation unterband. Auch Riad muss feststellen, dass es trotz wiederholter Bitten an Präsident Trump derzeit im Kampf auf sich allein gestellt ist.
Aus iranischer Sicht hingegen sind die jüngsten Entwicklungen ein bedeutender Erfolg: Teheran setzt die Weltwirtschaft nun von beiden Seiten der arabischen Halbinsel aus unter Druck – und das zu einer Zeit, in der der Preis für eine Gallone Benzin in den Vereinigten Staaten erstmals über sechs Dollar gestiegen ist. Bislang haben die amerikanische Blockade und das eher defensive iranische Vorgehen den Krieg weitgehend in Schach gehalten. Aber könnte das, was der Krieg in Hormus nicht geschafft hat, durch Bab al-Mandab erreicht werden? Könnte der vom Iran unterstützte Vormarsch der Huthi eine Eskalation des Golfkriegs auslösen und einen großen Krieg in die Region bringen?
