Mokka ist eine Warnung: Die Huthi haben es auf den Bab al-Mandab abgesehen

Der Hafen von Mokka nach der Eroberung der jemenitischen Stadt durch die Huthi
Der Hafen von Mokka nach der Eroberung der jemenitischen Stadt durch die Huthi (Quelle: JNS)

Wie der Iran die Geografie des Roten Meeres, strategische Schlüsselpunkte und bewaffnete Netzwerke in einen regionalen Machtvorteil verwandelt.

Habtom Ghebrezghiabher

Die Vorzeichen bestanden schon seit Jahren. Die Einnahme von Mokka, einer Hafenstadt an der jemenitischen Küste des Roten Meeres, ist die Folge davon, dass diese Vorzeichen nicht ausreichend beachtet wurden. Die Antwort auf diese Herausforderung muss regional und territorial ausgerichtet sein und darauf abzielen, die militärische Maschinerie der Huthi zu zerschlagen und das dahinterstehende Netzwerk zu demontieren.

Die Einnahme von Mokka durch die Huthi, ihre Kontrolle über die Insel Perim – ein Stück Land mitten in der Meerenge des Bab al-Mandab selbst – und ihr Sieg über die von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Streitkräfte sind nicht einfach nur eine weitere Entwicklung im Krieg im Jemen. Sie sind ist das jüngste Ergebnis einer Strategie, die es einer vom Iran unterstützten islamistischen bewaffneten Miliz ermöglichte, sich von einer kleinen Rebellenbewegung zu einer territorialen und militärischen Macht entlang der jemenitischen Küste am Roten Meer zu entwickeln.

Der Iran hat diese Strategie geplant und erfolgreich umgesetzt. Durch den Aufbau der Huthi-Militärmaschine hat Teheran eine verbündete Miliz in eine territoriale Macht verwandelt, die in der Lage ist, Einfluss auf den Bab al-Mandab auszuüben. Der Iran verfügt nun über strategischen Einfluss auf beide kritischen Meerengen der Region: die Straße von Hormus und den Bab al-Mandab.

Seit 2015 ist es Saudi-Arabien nicht gelungen, die Huthi zu besiegen. Der 2022 geschlossene Waffenstillstand zwischen Riad und den Milizen in Sanaa fror den Konflikt ein, ohne die militärische Struktur der Huthi zu zerschlagen. Die folgenden Jahre gaben der Terrorgruppe Zeit, ihre Streitkräfte zu stärken und ihr regionales Netzwerk auszubauen.

Der Waffenstillstand zwischen den USA und den Huthi im Jahr 2025 wiederholte den grundlegenden Fehler aus einer anderen Perspektive: Der militärische Druck wurde verringert, ohne die militärische Organisation zu beseitigen, die die Bedrohung im Roten Meer verursacht hatte. Mokka und die Insel Perim verschaffen den Huthi nun eine noch stärkere Position am Bab al-Mandab und größeren Einfluss auf den Seeweg, der das Rote Meer und den Suezkanal mit dem Golf von Aden und damit dem Pazifik verbindet.

Ausweitung auf Afrika

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman soll Berichten zufolge US-Präsident Donald Trump zu US-Luftangriffen gegen die jemenitischen Terrormilizen gedrängt haben, während Washington sich bislang einer direkten militärischen Intervention verwehrte. Die Sicherheitsbedrohung am Roten Meer reicht aber weit über Saudi-Arabien, die Huthi und den Jemen hinaus. Die Lage entwickelt sich zunehmend zu einer einzigen strategischen Misere, in der die Entwicklungen auf der arabischen Seite mit bewaffneten Netzwerken und politischer Instabilität auf der afrikanischen Seite in unmittelbarer Wechselwirkung stehen.

An der Schlacht um Mokka beteiligte Streitkräfte der jemenitischen Regierung haben berichtet, unter den Huthi-Milizen auch Al-Shabaab-Kämpfer gesichtet zu haben. Die Verbindung zwischen der jemenitischen und der somalischen Terrorgruppe umfasst neben solcher Unterstützung durch Kämpfer auch den Transfer von technischem Know-how, Drohnen, Raketen und anderen militärischen Fähigkeiten.

Auch der eritreische Diktator Isaias Afwerki vertritt seit langem eine zutiefst antiisraelische und antiamerikanische Haltung und pflegt gleichzeitig Beziehungen zum Iran und zu den Huthi. Bemerkenswerterweise trat sein Außenminister Osman Saleh – nachdem er jahrzehntelang internationale Interviews gemieden hatte – nach dem Huthi-Sieg öffentlich in Erscheinung, um die Position Asmaras zu verteidigen. Dabei erklärte er, es könne im Jemen »keine militärische Lösung« geben, und griff gleichzeitig die Präsenz und strategische Rolle Israels am Roten Meer an.

Bereits zuvor gewährte Eritrea dem Iran strategischen Zugang zum Roten Meer und gestattete Teheran das Kreuzen seines Militärschiffs Saviz in eritreischen Gewässern. Obendrein hat das Land iranische Operationen rund um den Jemen unterstützt und Diktator Afwerki hat sich wiederholt geweigert, die Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel zu verurteilen.

Auch wurden Tausende somalische Soldaten in Eritrea ausgebildet, von denen sich einige nach ihrer Rückkehr nach Somalia der al-Shabaab angeschlossen haben sollen. Ob Kämpfer, die nun an der Seite der Huthi auftreten, zuvor Ausbildungsprogramme von Afwerki durchlaufen haben, ist eine Frage, die ernsthaft untersucht werden sollte. Auf jeden Fall breitet sich das Huthi-Modell der asymmetrischen Kriegsführung und der Ausweitung bewaffneter Netzwerke mit iranischer Unterstützung und eritreischer Kooperation über das Rote Meer hinweg bis in den Sudan aus.

Die Huthi festigen ihre militärische Macht auf der arabischen Seite. Al-Shabaab knüpft über den Golf von Aden hinweg Verbindungen zu ihnen. Der Sudan bleibt anfällig für islamistische Netzwerke und iranischen Einfluss. Und Afwerkis Eritrea besetzt die Küstenlinie direkt gegenüber dem Jemen. Der Iran übt über die Straße von Hormus Druck auf den Persischen Golf aus. Und nun haben die Huthi die Kontrolle über den Bab al-Mandab und können so Druck auf das Rote Meer ausüben. Zusammen schaffen sie eine strategische Schwachstelle, die sich vom Persischen Golf über die Arabische Halbinsel bis zum Suezkanal erstreckt.

Optionen der Gegenwehr

Das militärische Ziel einer Operation gegen diese Bedrohung müsste territorialer Natur sein und durch regionale Allianzen, Luft-, See- und Bodentruppen gestützt werden: Die militärische Maschinerie der Huthi muss zerstört und ihre Fähigkeit, strategisches Gebiet entlang des Roten Meeres zu kontrollieren, zunichte gemacht werden.

Regionale Streitkräfte jener Länder, die über die Fähigkeit und das strategische Interesse verfügen, die Huthi zu besiegen, sollten die jemenitischen Streitkräfte unterstützen und in die Lage versetzen, Gebiete zu halten. Äthiopien und Eritrea – unter einem anderen Regime – wären ideale Kandidaten. Die Länder am Horn von Afrika gehören zu denen, die der Bedrohung am unmittelbarsten ausgesetzt sind, und für sie steht am Bab al-Mandab fast noch mehr auf dem Spiel als für alle anderen.

In diesem Kontext ist die Zukunft Eritreas strategisch entscheidend. Heute ist das Land unter Diktator Afwerki Teil des Problems. Ein Eritrea nach Afwerki hingegen könnte Teil der Lösung sein. Seine Küstenlage, seine militärgeografische Lage und die Nähe zu Jemen und Sudan könnten das Land zu einem wertvollen Partner in einer zukünftigen Sicherheitsarchitektur für das Rote Meer machen, sofern sich seine strategische Ausrichtung mit dem Ende der Herrschaft Afwerkis ändert.

Saudi-Arabien und die Golfstaaten verfügen über die finanziellen Mittel. Die Vereinigten Staaten und die NATO können nachrichtendienstliche Informationen, Luft- und Seestreitkräfte sowie Koordinierung bereitstellen. Israel wiederum könnte ebenfalls nachrichtendienstliche Informationen und Präzisionsschlagfähigkeiten einbringen, die für die Zerstörung der militärischen Infrastruktur des Iran und der Huthi entscheidend sind.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) können sich keine Rivalitäten im Jemen und im Sudan leisten. Die beiden Staaten müssen sich gegen das expandierende regionale Netzwerk verbünden. Riad darf den potenziell wertvollen Partner am Roten Meer, Somaliland, nicht länger bekämpfen. Darüber hinaus muss es endlich seine feindselige Haltung gegenüber Israel aufgeben.

Für Israel stellt die Situation auch nicht einfach nur ein Problem mit Huthi dar. Das Netzwerk der »Achse des Chaos« kopiert das Houthi-Modell im Sudan und bringt damit eine mit dem Iran verbündete Bedrohung näher an Israel heran. Die Bedrohung betrifft nicht mehr nur die israelische Schifffahrt oder die am Roten Meer gelegene Hafenstadt Eilat. Vielmehr könnte sie das gesamte Land in Reichweite von Raketen und Drohnen bringen, die vom Sudan aus gestartet werden.

Der Vormarsch der Huthi an den Bab al-Mandab ist nicht nur ein saudisches Problem, auch wenn Riad die Verantwortung für viele der strategischen Fehler trägt, die das Anwachsen der Huthi-Bedrohung ermöglicht haben. Er ist ein globales Sicherheitsproblem mit direkten Folgen für Saudi-Arabien, die Golfstaaten, das Rote Meer, das Horn von Afrika und Israel. Sie müssen gemeinsam handeln, um die Militärmaschinerie der Huthi zu besiegen und das regionale Netzwerk zu zerschlagen, bevor es die Kontrolle über das Rote Meer übernimmt und die Region von beiden Ufern aus bedroht.

Habtom Ghebrezghiabher von der Hebräischen Universität Jerusalem ist Experte für geopolitische und sicherheitspolitische Dynamiken am Horn von Afrika und in der Region des Roten Meeres. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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