Al-Sharaas Armee wird zeigen, wie sein neues Syrien wirklich aussieht

Syriens Armee: Professionelle Streitkräfte oder Dschihadisten in Uniform?
Syriens Armee: Professionelle Streitkräfte oder Dschihadisten in Uniform? (© Imago Images / Anadolu Agency)

Die Frage ist nicht mehr, ob Damaskus seine Armee wiederaufbaut. Die Frage ist, welche Art von Armee Syriens Präsident Ahmed al-Sharaa wiederaufbaut.

Eyal Dror

Der israelische Angriff vom 18. August auf den in der nordwestlichen syrischen Provinz Idlib und unweit der türkischen Grenze gelegenen Militärflugplatz Abu al-Duhur sollte nicht nur als eine weitere Episode in den zunehmend angespannten Beziehungen zwischen Israel und der Türkei betrachtet werden. Vielmehr wirft der eine weitaus bedeutendere Frage hinsichtlich des Staates auf, den der syrische Präsident Ahmed al-Sharaa aufzubauen gedenkt.

Israelische Regierungsvertreter erklärten, der Angriff sei auf Geheimdienstinformationen zurückgegangen, nach denen die Türkei die Stationierung von Militärpersonal, Radar- und Flugabwehrsystemen auf dem Stützpunkt vorbereitet habe. Ankara und Damaskus bestritten, dass eine dauerhafte türkische Stationierung geplant sei, während syrische Regierungsvertreter einräumten, dass eine türkische Delegation die Anlage kurz vor dem Angriff besucht hatte.

Der Streit darüber, was genau die Türkei in Abu al-Duhur stationieren wollte, wird weitergehen. Doch die übergeordnete Entwicklung ist bereits klar: Der militärische Wiederaufbau Syriens ist über die Phase von Reden, Zeremonien und der Einführung neuer Uniformen hinaus. Luftwaffenstützpunkte werden wieder instandgesetzt, die militärische Zusammenarbeit mit dem Ausland wird ausgebaut und die Grundlagen einer neuen syrischen Militärarchitektur nehmen Gestalt an. Die Frage ist also nicht mehr, ob Damaskus seine Armee wiederaufbaut. Die Frage ist, welche Art von Armee al-Sharaa wiederaufbaut. Die dazu verwendete Ausrüstung spielt eine Rolle – ebenso wie die Männer, die sie bedienen werden.

 Armee oder Dschihadisten in Uniform?

Im Juli absolvierten mehr als 1.000 Angehörige der syrischen Luftwaffe ihre Ausbildung an der Luftwaffenakademie auf dem Luftwaffenstützpunkt Khalid ibn al-Walid (ehemals Kweires) östlich von Aleppo. Die Abschlusszeremonie sollte die Wiederbelebung der syrischen Militärluftfahrt nach Jahren des Bürgerkriegs demonstrieren. Doch Bilder von der Veranstaltung zeigten auch uniformierte Soldaten, die einen synchronen Gruß mit erhobenem rechtem Arm ausführten, der stark an faschistische und nationalsozialistische Symbolik erinnerte.

Wochen später kam es zu einer noch stärker beunruhigenden Szene. Syrische Soldaten, die in Formation in der Nähe der Zitadelle von Damaskus standen, wurden dabei gefilmt, wie sie antisemitische Mord- und Vernichtungsdrohungen skandierten, darunter: »Ich komme dich holen, Jude!« und das Versprechen, jüdisches Blut »in Strömen fließen« zu lassen.

Eine Geste allein definiert keine Armee, und ein Sprechchor allein kennzeichnet keinen Staat. Doch Armeen sind Institutionen, in denen Symbolik, Disziplin und Befehlsverantwortung eine enorme Rolle spielen. Wenn solches Verhalten bei uniformiertem Personal einer Armee auftritt, die größtenteils aus Kräften aufgebaut ist, die aus islamistischen und dschihadistischen Bewegungen hervorgegangen sind, kann dies nicht einfach als bloßes Theater abgetan werden. Die Sorge ist nicht, dass jeder Soldat in der neuen syrischen Armee ein Extremist ist. Die Sorge ist, ob al-Sharaa die bewaffneten Bewegungen, die ihn an die Macht gebracht haben, tatsächlich in eine professionelle nationale Armee umwandelt oder ihrer bestehenden Ideologie lediglich eine staatliche Uniform überzieht.

Al-Sharaas Bereitschaft zu ersterem wurde bereits jenseits des Exerzierplatzes auf die Probe gestellt. So kam es im März 2025 zu Massakern an alawitischen Zivilisten – Angehörigen der Minderheitengemeinschaft, der die ehemalige Herrscherfamilie Assad angehört – an der syrischen Mittelmeerküste. Eine Untersuchung von Reuters dokumentierte 1.479 Opfer an Dutzenden von Orten und führte die Morde auf eine Vielzahl von Gruppierungen zurück, darunter auch Einheiten, die mit der Sicherheitsarchitektur der neuen Regierung verbunden waren. Eine anschließende Untersuchung der Vereinten Nationen ergab, dass Kriegsverbrechen wahrscheinlich von mehreren Parteien begangen wurden, nicht allein von der Regierung. Diese Erkenntnis vertiefte eher die Frage, wer diese Kräfte tatsächlich kontrolliert, als sie zu klären. Al-Sharaa verurteilte die Morde und versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Dann kamen die Auseinandersetzungen in Suwayda, der mehrheitlich von Drusen bewohnten Provinz im Süden Syriens. Die Gewalt dort war komplexer, und schwere Übergriffe wurden von verschiedenen Akteuren begangen, darunter auch bewaffnete drusische Gruppen. Doch diese Komplexität ändert nichts an den dokumentierten Morden und Hinrichtungen drusischer Zivilisten durch Regierungstruppen und deren Verbündete.

Diese Vorfälle beweisen nicht, dass al-Sharaa Gräueltaten angeordnet hat, aber sie werfen eine andere und letztlich wichtigere Frage auf: Kann er die Kräfte kontrollieren, die in seinem Namen operieren? Das ist der wahre Test für einen Staat. Ein damit verbundener Test für die Souveränität des Landes zeichnet sich nun im Süden Syriens ab. Am 22. August griff Israel einen Kämpfer in Beit Jinn an, etwa sechs Meilen von der israelischen Grenze entfernt. Die IDF erklärten, die Zielperson habe Terroranschläge vorangetrieben, die sich in der Endphase der Vorbereitung befanden und eine unmittelbare Bedrohung für israelische Truppen darstellten.

Es gibt keine Beweise dafür, dass Damaskus die Terroraktivitäten gelenkt hat, und es wäre falsch, etwas anderes zu behaupten. Doch genau das ist der springende Punkt. Eine Regierung, die als souveräne Autorität Syriens anerkannt werden will, muss letztendlich nachweisen, dass bewaffnete Akteure keine Angriffe von Gebieten aus organisieren können, die sich unter ihrer angeblichen Kontrolle befinden. Souveränität ist nicht nur eine Flagge über Damaskus; sie ist die Fähigkeit, ein Gewaltmonopol zu etablieren und durchzusetzen.

Deshalb ist auch Abu al-Duhur von Bedeutung. Die Türkei hat jedes Recht, Beziehungen zur syrischen Regierung aufzubauen, und Syrien hat jedes Recht, militärische Partner zu suchen. Doch es kommt darauf an, welche Art von militärischen Beziehungen aufgebaut wird. Die Ausbildung syrischer Soldaten ist eine Sache. Der Aufbau einer Infrastruktur, die ausländische Radar- und Flugabwehrsysteme oder eine dauerhafte türkische Militärpräsenz in Syrien unterstützen könnte, ist strategisch gesehen etwas ganz anderes.

Kein Interesse an einem gescheiterten Staat

Diese Entwicklungen stellen al-Sharaa vor drei Herausforderungen. Die erste betrifft das Personal: Wer wird rekrutiert, befördert und an die Spitze des neuen syrischen Militärs berufen? Die zweite betrifft die Militärkultur: Welches Verhalten wird bestraft, welche Rhetorik wird toleriert und welche Ideologie wird durch Ausbildung und Befehlsstrukturen vermittelt? Die dritte betrifft die strategische Ausrichtung: Wird das syrische Militär zu einer Institution, die sich der Verteidigung und Stabilisierung des syrischen Staates verschreibt? Oder wird es zu einem Instrument, durch das dschihadistische Ideologien und die Ziele ausländischer Mächte formelle staatliche Kapazitäten erlangen?

Diese Fragen sind weitaus wichtiger als al-Sharaas Garderobe, seine Interviews mit westlichen Medien oder die Diplomaten, die bereit sind, ihm die Hand zu schütteln. Die internationale Gemeinschaft hat verständlicherweise die Möglichkeit begrüßt, dass Syrien endlich aus der Phase der Diktatur, des Bürgerkriegs und der Zersplitterung herauskommen könnte. Ein funktionierender syrischer Staat wäre dem permanenten Chaos vorzuziehen. Auch Israel hat kein grundsätzliches Interesse an einem gescheiterten Staat an seiner nordöstlichen Grenze.

Ein stärkeres Syrien ist daher nicht automatisch ein gefährlicheres Syrien. Doch ein stärkeres Militär ist nicht gleichbedeutend mit einem professionelleren Militär. Wenn Syriens neue Streitkräfte diszipliniert auftreten, der zivilen Autorität Rechenschaft ablegen, Minderheiten schützen und in der Lage sind, unabhängige dschihadistische und terroristische Netzwerke zu zerschlagen, dann könnte ihre Entwicklung ein Beweis dafür sein, dass al-Sharaa das Land tatsächlich verändert.

Wenn die ehemaligen dschihadistischen Strukturen jedoch lediglich institutionalisiert werden; wenn antisemitische Drohungen in den Reihen toleriert werden; wenn Zivilisten aus Minderheiten ohne nennenswerte Rechenschaftspflicht ermordet werden können; und wenn strategische militärische Infrastruktur zu einer Plattform für mit dem Staat konkurrierende ideologische und ausländische Agenden wird, dann würde Syrien seine Staatsmacht wiederaufbauen, ohne die Kräfte, die sie derzeit innehaben, wirklich zu verändern. Das wäre eine weitaus folgenreichere Entwicklung, als es jede einzelne Rede oder jedes diplomatische Abkommen sein könnten.

Ahmed Al-Sharaa möchte, dass die Vereinigten Staaten, Europa und die Region ihn als Führer eines neuen syrischen Staates beurteilen. Das ist eine vernünftige Forderung. Um ihr gerecht zu werden, sollte er aber auch als Staatsbildner beurteilt werden. Er sollte also nicht danach beurteilt werden, was er über das Land sagt, das er schaffen will, sondern nach den Institutionen, die er tatsächlich aufbaut. Und keine Institution wird mehr über die Zukunft von al-Sharaas Syrien verraten als die Armee, die er aufbaut.

Eyal Dror gründete und leitete die »Operation Good Neighbor« an der israelisch-syrischen Grenze. Der Autor von »Embracing the Enemy: The Inside Story of Israel’s Secret Humanitarian Mission to Rescue Syrian Civilians From Civil War« hält Vorträge zu den Themen Sicherheit, Naher Osten, humanitäre Hilfe, Führung und gesellschaftliche Resilienz. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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