Damaskus weist Berichte über syrische Truppenentsendung in den Jemen zurück

Gespräche über den Jemen: Der syrische Präsident Ahmad al-Sharaa zu Gast in Saudi-Arabien
Gespräche über den Jemen: Der syrische Präsident Ahmad al-Sharaa zu Gast in Saudi-Arabien (© Imago Images / Anadolu Agency)

Syrien verurteilte die Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien, schloss militärische Hilfe aber aus. Unterdessen geht die Offensive der Regierungstruppen im Jemen voran.

Damaskus wies am Mittwoch Berichte zurück, denen zufolge Riad syrische Truppen zur Verstärkung der von Saudi-Arabien geführten Koalition im Jemen angefordert habe, um diese bei ihren Militäroperationen gegen die mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen zu unterstützen. Die Priorität der Regierung liege weiterhin auf der inneren Stabilität und dem Wiederaufbau des Landes, hieß es aus der syrischen Hauptstadt.

»Die Sicherheit des Königreichs Saudi-Arabien und die Sicherheit der Golfregion sind untrennbar mit der Sicherheit Syriens verbunden«, erklärte der medienpolitische Berater des syrischen Präsidenten am Mittwoch in einer Stellungnahme auf X. Ahmed Muwaffaq Zaidan stellte klar, dass Behauptungen über eine Truppenentsendung nach Saudi-Arabien oder in den Jemen »eine Lüge sind und jeder Grundlage entbehren«.

Auch die Abteilung für ausländische Medien des syrischen Informationsministeriums wies Spekulationen zurück, Damaskus bereite sich auf einen Einstieg in den Konflikt vor. »Syriens Position ist klar: Wir stehen fest an der Seite Saudi-Arabiens gegen Bedrohungen seiner Sicherheit und Stabilität. Gleichzeitig konzentriert sich Syriens Politik in der Region auf Stabilität, Frieden und Zusammenarbeit und nicht darauf, neue Fronten zu eröffnen«, hieß es in einer Erklärung der Abteilung am Mittwoch. Priorität seien der Wiederaufbau des Landes, die Stärkung staatlicher Institutionen und die Verbesserung der Lebensbedingungen.

Die Dementis folgen auf einen Bericht der amerikanischen Nachrichtenseite Axios vom Mittwoch. Dieser hatte unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte US-Beamte berichtet, dass Riad und Damaskus über die mögliche Entsendung syrischer Truppen in den Jemen diskutieren, die sich der Gegenoffensive gegen die Huthi anschließen sollen. Dem Bericht zufolge »erwäge« al-Sharaa den Vorschlag »ernsthaft«, habe jedoch noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Auch Reuters berichtete am Mittwoch unter Berufung auf einen US-Beamten und einen syrischen Militärvertreter, dass Syrien erwäge, Saudi-Arabien militärische Hilfe zu leisten, sei es durch defensive Unterstützung oder durch Truppenentsendung.

Der syrische Präsident war am Dienstag zu Besuch in Riad, wo er sich mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman traf, um die bilaterale Zusammenarbeit und regionale Entwicklungen zu erörtern. Nach Angaben des syrischen Präsidialamtes standen der Wiederaufbau, Investitionen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Mittelpunkt der Gespräche. Seit dem Sturz des vom Iran unterstützten Regimes von Bashar al-Assad ist Saudi-Arabien ein zentraler Unterstützer der syrischen Übergangsregierung.

Mekka-Pakt in Kraft gesetzt

Im Rahmen der Eskalation des Jemen-Konflikts kam es in Saudi-Arabien in letzter Zeit zu einer Reihe von Attacken auf wichtige Infrastruktureinrichtungen. Angriffe auf die saudischen Flughäfen Abha und King Khalid am Dienstag und Mittwoch führten laut der Zivilluftfahrtbehörde des Landes zu drei Toten und 36 Verletzten. Dies zog am Donnerstag eine von der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA veröffentlichte Erklärung Damaskus‘ nach sich, in der Syrien die Angriffe scharf verurteilte.

Die Huthis bekannten sich zu den Angriffen auf beide Flughäfen. Ihr Militärsprecher, Yahya Saree, erklärte, seine Milizen hätten Raketen und Drohnen gegen saudische Ziele eingesetzt. Bereits Mitte September hatten die Huthi eine Drohne in Richtung Mekka gestartet, die über der heiligsten Stadt des Islam abgefangen werden konnte. Zur gleichen Zeit nahmen die Huthi den Bab al-Mandab ein, die strategisch bedeutsame Wasserstraße, die das Rote Meer mit dem Pazifischen Ozean verbindet und zu den weltweit bedeutendsten Seehandelsrouten zählt. Die Kämpfe um die Meerenge haben den internationalen Schiffsverkehr, der bereits durch den Konflikt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten beeinträchtigt war, noch weiter gestört.

Die international anerkannte Regierung des Jemen startete am Sonntag die Militäroperation »Dawn of Yemen«, um die Küste rund um die Meerenge von Bab al-Mandab bis zur Stadt Mokka zurückzuerobern, wie die Regierung mitteilte. Im Zuge dessen will sie die vom Iran unterstützten Huthi mittlerweile aus den meisten Gebieten zurückgedrängt haben, die diese im September erobern konnten.

Der Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Koalition, Generalmajor Turki al-Malki, erklärte am Montag, dass rund hundert Kampfflugzeuge die Offensive der jemenitischen Regierung unterstützten und Hunderte von Zielen der Huthi angegriffen worden seien.   Am Mittwoch gab die Koalition bekannt, 82 militärische Ziele der Huthi in Saada, Hodeidah, al-Jawf und Marib zerstört zu haben, darunter elf Lagerstätten für ballistische Raketen in Saada sowie Kommandozentralen und Waffenlager. Al-Malki erklärte, Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen würden »nicht ungestraft bleiben«.

Saudi-Arabien hat zudem um Unterstützung von regionalen Verbündeten geworben. Am Montag einigten sich die Türkei und Pakistan darauf, Bestimmungen des Mekka-Verteidigungspaktes in Kraft zu setzen, eines im August mit Riad unterzeichneten gegenseitigen Abkommens. Laut einer vom pakistanischen Außenministerium veröffentlichten gemeinsamen Erklärung vereinbarten die drei Länder, Maßnahmen zu ergreifen, um Streitkräfte und militärische Kapazitäten bereitzustellen. Deren raschen Einsatz solle im Rahmen bestehender Vereinbarungen und nationaler Gesetze sichergestellt werden. Reuters berichtete am Mittwoch, dass die Türkei Riad vor allem defensive und technische Unterstützung leiste.

Die jüngste Eskalation im Jemen hat die humanitäre Krise des Landes verschärft. Die Internationale Organisation für Migration teilte am Mittwoch mit, dass seit der Verschärfung der Kämpfe im September mehr als 200.000 Menschen vertrieben worden seien.

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