Regierungschef Rashad al-Alimi ruft die Jemeniten dazu auf, sich den Streitkräften im Kampf gegen die Huthi anzuschließen, während die UNO vor einer Hungersnot warnt.
Der Regierungschef des Jemen verkündete am Wochenende eine allgemeine Mobilmachung im Kampf gegen die Huthi-Milizen und forderte die Jemeniten auf, sich den Streitkräften anzuschließen und »auf jede erdenkliche Weise« zum Kampf gegen die Terrorgruppe beizutragen. Der Vorsitzende des Präsidialen Führungsrats Rashad al-Alimi erklärte, Huthi-Kämpfern, die ihre Waffen niederlegen, werde Amnestie gewährt.
Al-Alimis Ansprache erfolgte vor dem Hintergrund dringender Hungerwarnungen und einer Prognose der UNO, wonach Millionen von Kindern in den Wirren des Bürgerkriegs von Unterernährung bedroht seien. »Ich rufe die Söhne unseres großartigen Volkes dazu auf, sich an der allgemeinen Mobilmachung und der Erfüllung der nationalen Pflicht zu beteiligen, sich hinter ihre Streit- und Sicherheitskräfte zu stellen, sich über offizielle Kanäle ihren Reihen anzuschließen und auf jede erdenkliche Weise einen Beitrag zu leisten. Das Ziel ist für alle klar: die staatlichen Institutionen wiederherzustellen und ihre Souveränität auf das gesamte Staatsgebiet bis nach Sanaa auszudehnen.«
Nachdem der Konflikt zwischen den jemenitischen Regierungskräften und den vom Iran unterstützten Huthi-Milizen seit dem Abschluss eines Waffenstillstands im Jahr 2022 weitgehend eingefroren war, ist er vor einigen Wochen wieder eskaliert. Dabei kam es zu offenen Kampfhandlungen entlang der alten Frontlinien, als die Huthi an der Küste des Roten Meeres nach Süden vorrückten und de facto die Kontrolle über die Meerenge Bab al-Mandab übernahmen. Die Kämpfe haben zu einer humanitären Krise geführt, in deren Folge mehr als 133.000 Menschen vertrieben wurden, von denen einige über das Rote Meer nach Afrika flohen.
Hungerwarnung
Bis zum Jahresende werden voraussichtlich rund 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren an akuter Unterernährung leiden, teilte UNICEF unterdessen mit. Darunter sind mehr als 500.000 Fälle schwerer akuter Unterernährung, der tödlichsten Form. »Wir sind sehr besorgt über einen deutlich erkennbaren Anstieg der akuten Unterernährung bei Kindern«, sagte der UNICEF-Vertreter Akhil Iyer gegenüber Reportern. »In den vergangenen Wochen war mehr als jedes vierte Kind von fast 2.900 Kindern, die von mobilen UNICEF-Ernährungsteams untersucht wurden, akut unterernährt. Mehr als 200 litten an schwerer akuter Unterernährung.« Die Lage verschärfe sich weiter, da der Zugang zu medizinischer Versorgung und Nahrung unterbrochen ist.
Die UNICEF teilte mit, dass seit dem 3. September mindestens fünfzehn Kinder getötet und vierzehn verletzt worden seien, während drei weitere vermisst würden. Die Kämpfe haben zudem 243 Schulen zur Schließung oder zur Aussetzung des Unterrichts gezwungen, wovon mehr als 137.000 Schüler betroffen sind. Die UNO-Organisation erklärte, sie weite die Nothilfe aus, um bis zu 231.000 Menschen durch mobile Gesundheits- und Ernährungsteams, Wasserversorgung und Kinderschutzprogramme zu erreichen. Gleichzeitig forderte sie alle Konfliktparteien nachdrücklich auf, die Zivilbevölkerung zu schützen und einen sicheren humanitären Zugang zu ermöglichen.
