Die jemenitische Terrororganisation forscht mit vom Iran bereitgestelltem Material und entwickelt eigene Produktionsstätten für den Bau technologisch fortgeschrittener Waffensysteme.
Die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen experimentieren mit neuen Waffen, während sie ihre Fähigkeit zur Kriegsführung im Jemen ausbauen und Angriffe im gesamten Nahen Osten starten. Zu diesen Waffen zählen unter anderem »Loitering-Torpedos« – hybride Unterseewaffen aus unbemanntem Unterwasserfahrzeug und gelenktem Torpedo, die im Zielgebiet lauern oder kreisen können, bis ein Ziel auftaucht. Dies ist angesichts des Huthi-Vorstoßes ans Rote Meer von besonderer Brisanz, wie Rüstungsfachleute erklärten.
Während weit vom Jemen entfernte Raketen- und Drohnenangriffe der Huthi bislang die meiste Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, können die Milizen laut neuen Erkenntnissen von Conflict Armament Research (CAR) auch auf eine Reihe von Nahbereichsdrohnen und Panzerabwehrwaffen zurückgreifen. Die britische Rüstungsforschungsgruppe, deren Team diesen Monat den Jemen besuchte, erklärte, dass der Iran weiterhin eine Schlüsselrolle beim Nachschub der Huthi spiele, die Milizen mittlerweile jedoch auch eigene Forschungen durchführten.
Der CAR-Analyst Fabian Hinz sagte, die Huthi hätten Fortschritte bei ihrem Waffenarsenal sowie bei den »Taktiken, Techniken und Verfahren« gemacht, mit denen diese eingesetzt werden. Ein aktuelles Beispiel sei der »zeitkritische Abschuss einer ballistischen Rakete kurz nach dem Flug einer Überwachungsdrohne. »Während sich die Aufmerksamkeit vor allem auf den Ausbau der Langstrecken-Angriffsfähigkeiten der Huthi konzentriert hat, hat die Gruppe auch eine Vielzahl von Systemen angehäuft, die darauf abzielen, ihre Kampfkraft innerhalb des Jemen zu stärken«, erläuterte Hinz.
Dazu gehören neben der Loitering-Munition auch kleine Drohnen, Artillerieraketen, Kurzstrecken-Raketen und Panzerabwehr-Lenkflugkörper. »Entscheidend ist, dass dies Hinweise auf Experimente der Huthi mit Technologien enthält, deren Besitz bislang bei keiner anderen bewaffneten Gruppe weltweit dokumentiert wurde«, sagte Hinz unter Bezug auf mit den Huthi vergleichbare Milizen und Terrororganisationen. Dazugehören »Navigations- und Antriebsmodule, die in Loitering-Torpedos zum Einsatz kommen könnten, was die Fähigkeit der Huthi, maritime Ziele anzugreifen, erheblich erweitern würde«.
Lieferungen aus dem Iran
Die Huthi geben an, bei ihrem jüngsten militärischen Vorstoß 5.400 Quadratkilometer Land erobert zu haben. Sie haben zudem Angriffe in Saudi-Arabien durchgeführt, darunter einen Drohnenangriff in Richtung Mekka, der die Stadt zwar nicht erreichte, aber in der gesamten arabischen Welt auf breite Verurteilung stieß. Die emiratische Zeitung The National enthüllte die Schlüsselrolle, die der Iran bei dieser Entwicklung spielt. So sind im Zuge der jüngsten Offensive auch Angehörige des Korps der Islamischen Revolutionsgarden im Jemen im Einsatz, da Teheran den dortigen Konflikt als neue Front in seinem regionalen Krieg nutzt.
Um die Versorgungslinien der Huthi abzuschneiden, haben die USA, Großbritannien und regierungstreue Kräfte im Jemen In der Vergangenheit Frachtlieferungen aus dem Iran abgefangen. CAR gab an, einen Teil der Fracht aus einer solchen Beschlagnahme im Juni 2025 analysiert zu haben und dabei »ein beispielloses Ausmaß und einen beispiellosen Umfang an Waffen« entdeckt zu haben.
Die Beweislage deute darauf hin, »dass mit dem Iran verbundene Versorgungsnetzwerke nicht nur komplette Waffen und Bausätze zur lokalen Montage an die Huthi liefern, sondern auch versuchen, die lokale Herstellung bestimmter Systeme innerhalb des Jemen zu ermöglichen«, sagte Forschungsleiter Rob Hunter-Parkins. »Es gibt zudem Hinweise darauf, dass die Huthi nun die vom Iran bereitgestellte technologische Grundlage nutzen, um eigene Forschungs- und Entwicklungsbemühungen voranzutreiben, wie zum Beispiel den Einsatz von Wasserstoffantrieb zur Erhöhung der Reichweite ihrer unbemannten Systeme.«
Bereits im Mai hatte CAR enthüllt, dass die Huthi einen Vorrat an Schiffsabwehr- und Boden-Luft-Raketen sowie Unterwasserwaffen aufgebaut hatten. Die Huthi verfügen nun über mindestens zehn Raketentypen, im Gegensatz zu den veralteten Geschossen aus der Sowjetzeit, die sie im Jahr 2014 bei der Eroberung Sanaas einsetzten.
