Ehrung eines gefallenen Soldaten, der an der Befreiung des Kibbuz Nir Am beteiligt war

Jen Airley hält am 7. Oktober 2026 eine Rede bei der Gedenkfeier im Kibbuz Nir Am
Jen Airley hält am 7. Oktober 2026 eine Rede bei der Gedenkfeier im Kibbuz Nir Am (Quelle: Howard Blas, JNS)

Bei der Gedenkfeier für den 7. Oktober erzählte die Familie des Fallschirmjägers Binyamin Meir Airley seine Geschichte und sprach über das zu seinem Gedenken eingerichtete Retreat-Zentrum.

Howard Blas

Bei der Gedenkfeier für den 7. Oktober im Kibbuz Nir Am betrat Jen Airley die Freiluftbühne. Auf der Leinwand hinter ihr war ein Foto ihres verstorbenen Sohnes, Binyamin Meir Airley, zu sehen. Binyamin und seine Fallschirmjägerkameraden landeten am 7. Oktober 2023 mit dem Hubschrauber in Nir Am, um dabei zu helfen, den Kibbuz von Hamas-Terroristen zu befreien, die aus Gaza eingedrungen waren. Im folgenden Monat kam er bei Kämpfen im Norden des Küstenstreifens ums Leben.

Gemeinsam mit dem Kommandeur und einem Kollegen aus Binyamins Einheit, dem 101. Bataillon der 35. Fallschirmjägerbrigade, besichtigte die Familie Airley den Kibbuz Nir Am. Dabei besuchte sie auch den Kindergarten, in dem die Fallschirmjäger auf Matten geschlafen und kindgerechte Toiletten und Waschbecken benutzt hatten. Dort hatte Binyamin auch das Telefon eines Kibbuz-Mitglieds benutzt, um seine Eltern anzurufen. Jen Airley erinnerte sich, dass dies eines der letzten Male war, dass sie von ihrem 21-jährigen Sohn hörten, bevor er am 18. November 2023 im Einsatz getötet wurde.

Vor der großen Versammlung der Kibbuz-Mitglieder erzählte Airley Geschichten über ihren Sohn. Nach der offiziellen Zeremonie gab es in der Kibbuz-Bibliothek noch eine kleine Veranstaltung für rund zwanzig nordamerikanische, südafrikanische und britische Mitglieder der Jewish Learning Initiative on Campus (JLIC). Die JLIC unterstützt Nir Am und hat enge Beziehungen zu den Kibbuz-Bewohnern aufgebaut, seit die Gemeinschaft nach dem Massaker der Hamas für zehn Monate in ein Hotel in Tel Aviv evakuiert worden war.

Feldwebel Binyamin Meir Airley, der am 18. November 2023 bei einem Einsatz im nördlichen Gazastreifen ums Leben kam
Feldwebel Binyamin Meir Airley, der am 18. November 2023 bei einem Einsatz im nördlichen Gazastreifen ums Leben kam (Quelle: JNS, mit freundlicher Genehmigung von Jennifer Averbuch Airley)

»Ein Wunder«

Airley wurde auch von zwei Freundinnen begleitet, mit denen sie täglich jüdische Texte studiert – darunter die Mutter des Armeekommandanten ihres verstorbenen Sohnes. Vor der überwiegend säkularen Kibbuz-Gemeinschaft beschrieb sie Binyamin als einen »lustigen, geselligen, Halbmarathon laufenden, Bier trinkenden, unaufmerksamen Schüler«, der ihr gegenüber die Bereitschaft bekundet habe, sein Leben für die Verteidigung Israels zu geben. »Er war jemand, der sagte: ›Wenn ich für das Land sterben muss, dann muss ich das eben tun.‹«

Vor der Zeremonie traf sich Airley mit Chen Parchi Cohen, der Leiterin für Ressourcen und Partnerschaften in Nir Am, die die Ereignisse im Kibbuz am 7. Oktober als »eine Reihe von Wundern« beschrieb. Sie und ihre vier Kinder überlebten, nachdem sie mehrere Stunden im Luftschutzbunker des Kibbuz verbracht hatten.

Nir Am, das etwas knapp zwei Kilometer vom Gazastreifen entfernt liegt und direkt an Sderot angrenzt, hatte zum Zeitpunkt des Angriffs durch Hamas-Terroristen etwa achthundert Einwohner. Der Kibbuz wurde 1943 gegründet, größtenteils von Einwanderern aus Bessarabien, das teilweise zum heutigen Moldawien gehört. Die Sicherheitstruppe von Nir Am verhinderte mit Unterstützung einer kleinen Gruppe von Grenzpolizisten und Soldaten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), dass die Terroristen im Kibbuz ein Massaker anrichteten. Bei den Kämpfen kamen zwei Soldaten ums Leben.

Airley bedankte sich bei der Gemeinde für die Fürsorge, die ihrem Sohn zuteilwurde. »Danke an alle, die ihn mit Essen versorgt und ihm erlaubt haben, uns von ihrem Zuhause aus anzurufen. Danke, dass ihr euch um ihn gekümmert habt.«

Die in Bet Schemesch lebenden Rob und Jen Airley, die insgesamt sechs Kinder haben, zogen aus den Vereinigten Staaten nach Israel, als Binyamin vier Jahre alt war. Im Gespräch mit der JILIC-Gruppe erzählten Jen und ihr Sohn Yehuda noch weitere Geschichten über Binyamin und beantworteten die Fragen der Teilnehmer. »Es war nicht einfach, einen Jungen wie ihn großzuziehen – er war voller Energie und ging bis an die Grenzen. Er war schon vor dem Krieg ein Kämpfer, schon mit fünf, zehn und fünfzehn Jahren. Das lag in seiner Natur.«

Im Gegensatz zu Yehuda, den sie als jemanden beschrieb, der sich an die Regeln hält, »galt es für Binyamin, Regeln zu brechen«. Sie erinnerte sich daran, wie ihr naturverbundener Sohn einmal seinen Kommandanten um Erlaubnis bat, ein Lagerfeuer für seine Kameraden zu machen, »damit sie singen und tanzen und positive Energie tanken konnten«. Als der Kommandant ablehnte, bat Binyamin um die Erlaubnis, seine Bitte an einen Vorgesetzten weiterzuleiten, der sie genehmigte. »Das war seine Art. Er gab sich nicht mit einem Nein zufrieden. Das Wichtigste war, die Stimmung der anderen zu heben.«

Jen sagte, Binyamin habe unter anderem Soldt werden wollen, um dabei zu helfen, »das Gebiet zu sichern, damit Juden im Süden leben können«, und um israelische Frauen zu verteidigen. Dabei bezog sie sich auf die sexuelle Gewalt, die die Hamas während des Massakers vom 7. Oktober und an Geiseln im Gazastreifen verübt hatte. »Wenn ihr das unseren Frauen antut, werden wir euch töten«, zitierte sie ihn. Doch Binyamin hatte auch eine sanftere Seite. Er liebte Wandern, die Landschaft und die freie Natur. »Er konnte Einkaufszentren und Kinos nicht verstehen und auch nicht, warum Menschen sich drinnen aufhalten.« In Anspielung auf diese Liebe zur Natur sagte sie ergreifend: »Wir haben ihn nicht begraben, wir haben ihn gepflanzt.«

Binyamin Meir Airley bei der Feier seines 21. Geburtstags
Binyamin Meir Airley bei der Feier seines 21. Geburtstags (Quelle: JNS, mit freundlicher Genehmigung der Familie Airley)

Den Schmerz verwandeln

Binyamins Andenken wird auch durch die Gründung des Beit-Binyamin-Retreat-Zentrums in Safed gewahrt, mit dem seine Eltern die Werte ihres Sohnes weiterleben lassen wollen. Jen erzählte, dass sie und ihr Mann bereits zu Lebzeiten von Binyamin überlegt hatten, ein Haus in Safed zu kaufen, um es als Ferienunterkunft zu renovieren.

»Binyamin hatte in Safed die Jeschiwa besucht und kümmerte sich um einen Teil der Bauarbeiten sowie um die Abwicklung mit den Anwälten.« Die Familie erwarb das Anwesen und begann mit den Renovierungsarbeiten, doch dann brach der Krieg aus, und Binyamin kam etwas mehr als einen Monat später ums Leben. »Wir beschlossen, einen anderen Weg einzuschlagen und das Haus für Am Yisrael als Retreat-Zentrum zu nutzen.« Im Zentrum kommen Hinterbliebene, Überlebende des Nova-Musikfestivals, Ehefrauen von IDF-Reservisten, Soldaten und Mütter verwundeter und gefallener Soldaten zusammen.

Mordechai Kaplan, der ein Freund der Familie aus Beit Shemesh ist, fungiert als Geschäftsführer von Beit Binyamin. Der Leiter des Reiseunternehmens »Kaplan Custom Tours« erzählt, dass er während des Krieges, als der Tourismus zusammenbrach, begann, sogenannte »Kriegstouren« zu leiten. Im Zuge dessen lud er oft Rob und Jen Airley ein, um den Besuchergruppen Binyamins Geschichte zu erzählen. Als Rob dabei einmal das Anwesen in Safed erwähnte, das die Familie dem Volk Israel widmen wollte, bot Kaplan seine Hilfe an. Zwei Wochen später erhielt er einen Anruf und begann, für das Erholungszentrum zu arbeiten, das im Mai 2024 eröffnet wurde.

Beit Binyamin bietet Platz für achtzehn Personen. Gruppen bleiben in der Regel von Montag bis Mittwoch oder von Donnerstag bis Samstag. Manche bringen ihre eigenen Berater und Therapeuten mit und nehmen an praktischen Aktivitäten teil. Fast jeden Schabbat, so Kaplan, beherberge das Zentrum Familien, von denen viele von langwierigen Reservisteneinsätzen der IDF betroffen sind.

Jen erinnert sich an eine Rabbinerfamilie, deren Vater gerade seinen siebten Reservisteneinsatz absolviert hatte, was ihn und seine Angehörigen enorm belastete. Sowohl der Soldat als auch seine Frau hätten von ihrem Aufenthalt profitiert, und seine Kameraden hätten danach eine positive Veränderung bei ihm bemerkt. »Wir bieten ihnen Essensgutscheine, Wellnessangebote, Töpferworkshops und andere Aktivitäten an«, erzählt sie.

Kaplan ist überzeugt, dass das Zentrum zunehmend an Bedeutung gewinnt, da die Israelis beginnen, die angesammelten Traumata des Krieges zu verarbeiten. »Wir sind am richtigen Ort zur rechten Zeit. Die Menschen haben mit nafshi [emotionalem] Schmerz zu kämpfen. Er beginnt, sich festzusetzen. PTBS setzt ein, und die Menschen sind nun in der Lage, nachzudenken und Dinge anzusprechen. Unser Motto lautet: ›Den Schmerz in Sinn verwandeln.‹« Genau das hat sich die Familie Airley zum Ziel gesetzt – den Schmerz über den Verlust von Binyamin in einen Ort der Erholung und Heilung für andere Kriegsbetroffene zu verwandeln.

Das Beit Binyamin in Safed
Das Beit Binyamin in Safed (Quelle: JNS, mit freundlicher Genehmigung der Beit Binyamin)

Howard Blas ist von Beruf Sozialarbeiter und Sonderpädagoge. Er unterrichtet Jüdische Studien und bereitet Schüler mit verschiedenen Behinderungen auf die Bar/Bat Mitzwa vor. Er leitet regelmäßig Birthright-Israel-Reisen sowie Dienstreisen für Menschen mit Behinderungen. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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