Kfar Aza: Überlebende ehren IDF-Kommandanten, der sein Leben gab, um sie zu retten

Kfar Aza: Fotos der bei der Verteidigung des Kibbuz gefallenen Mitglieder des Ersthelferteams
Kfar Aza: Fotos der bei der Verteidigung des Kibbuz gefallenen Mitglieder des Ersthelferteams (© Imago Images JNA Press)

Drei Jahre nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober sind die Familie von Hauptmann Elay Adany und die von ihm Geretteten in Kfar Aza nach wie vor eng verbunden.

Amelie Botbol

Am 7. Oktober 2023 um 7:00 Uhr morgens erhielt Orit Adany von ihrem 21-jährigen Sohn Elay, einem Hauptmann der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), der Zugführer der Maglan-Kommandoeinheit war, eine Nachricht. In dieser fragte er, wie es ihr und ihrem Mann Rami gehe und ob alles in Ordnung sei. Es sollte die letzte Nachricht sein, die sie von ihm erhielt.

Um 7:25 Uhr konnte Orit ihren Sohn nicht mehr erreichen, der sich mit seinen Soldaten auf den Weg nach Sderot gemacht hatte. »Er wachte um 6:29 Uhr auf, als der Angriff begann, und traf, ohne etwas zu ahnen, schicksalhafte Entscheidungen. Er entschied, wohin, wann und wie es gehen sollte«, erzählte Orit gegenüber JNS. Unterwegs sah Elay dreizehn ältere Menschen tot in der Nähe einer Bushaltestelle liegen. In Sderot ging er von Haus zu Haus, beruhigte Familien, suchte nach Hamas-Terroristen und sorgte dafür, dass die Bewohner ihre Schutzräume erreichten.

Zwischen 8:30 und 9:00 Uhr machten sich Elay und seine Einheit in Richtung des Kibbuz Kfar Aza auf, wobei sie die Route 232 mieden, die voller Hamas-Terroristen war. Stattdessen fuhren sie quer durch die Felder, wo sie immer wieder anhielten, um gegen Terroristen vorzugehen, die mit RPGs, Granaten und Kalaschnikow-Gewehren bewaffnet waren. »Elay hat das nicht getan, damit wir hier sitzen und ihn als Helden bezeichnen. Er hat es getan, weil er daran glaubte. Er glaubte, dass er unser Volk beschützen musste«, sagte Orit. »Er besuchte den Offizierslehrgang, wurde Kommandant und brachte in seinem Privatleben Opfer. Er tat es für andere. Er sagte immer: ›Jetzt bin ich an der Reihe. Ich tue es für diejenigen, die nicht mehr hier sind, für diejenigen, um die wir weinen‹, für diejenigen, die vor ihm gekämpft haben.«

Ein schwerer Tag

Am Ortseingang von Kfar Aza schalteten Elay und seine Einheit mehrere Terroristen aus, bevor sie zu Fuß weitergingen. Er drang mit siebzehn Soldaten in den Kibbuz ein, während die Terroristen Autos mit Sprengstoff bestückten und diese per Fernsteuerung zündeten, als sich die Truppen näherten, um die Bewohner zu retten.

Beim Vorrücken seines Kommandos betrat Elay ein Haus und fand es leer, aber mit Sprengfallen versehen vor. Der Esstisch war noch für das Simchat-Tora-Fest gedeckt. Schließlich kam er zum Haus von Sigal Caspi, wo er einen umgestürzten Roller des Magen David Adom sah, was darauf hindeutete, dass Terroristen dort gewesen waren. Er schlug ein Fenster ein, um hineinzukommen, und verletzte sich dabei an der Hand. Die Familie Caspi, die sich im Schutzraum versteckt hielt, glaubte zunächst nicht, dass Elay und seine Einheit Soldaten der IDF waren, willigte aber schließlich ein, die Tür zu öffnen. Elay bat Sigals Sohn Omer, der Rettungssanitäter beim Magen David Adom ist, im Haus zu bleiben und etwaige Verwundete zu versorgen, die von ihm und seinem Kommando dorthin gebracht wurden.

Während er und sein Kommando die Häuser nach verwundeten Bewohnern absuchten, wurde Elay von einem Terroristen angeschossen, der sich in einem der Kinderzimmer versteckt hielt. Der Kommandant wurde zurück zum Haus der Familie Caspi gebracht, doch der Erste-Hilfe-Kasten auf dem Magen-David-Adom-Roller war von Terroristen gestohlen worden, sodass diejenigen, die ihn versorgten, kaum etwas für ihn tun konnten. Soldaten brachten ihn zu einem Auto, doch als sie unter Beschuss wegfuhren, wurde Stabsfeldwebel Amichay Vanino, der Elays Wunden versorgte, erschossen. »Elay und Amichay verließen diese Welt gemeinsam im selben Augenblick«, erzählte Orit.

Jedes Jahr um den 7. Oktober herum fährt Elays Vater, Rami, dieselbe Strecke, die zur letzten Reise seines Sohnes wurde – von der IDF-Basis Julis über Sderot nach Kfar Aza. »Vier Tage lang wussten wir nicht, wo unser Kind war. Wir suchten nach ihm, und die Armee wollte uns nichts sagen, bis sie sich sicher waren. Als wir die Schiwa beendet hatten, begaben wir uns ins Shefayim-Hotel [wo evakuierte Kibbuz-Bewohner untergekommen waren], um uns nach unserem Sohn zu erkundigen«, sagte Orit. »Die Caspis sahen das Bild von Elay auf Ramis T-Shirt, erkannten ihn, umarmten uns und weinten. Dank dessen, was Elay getan hatte, zogen sie drei Jahre später an Simchat Torah wieder nach Hause.«

Orit sagte, es sei klar gewesen, dass Elay in seinem Leben etwas Großes vollbringen würde. Er wurde zu einem Symbol, ebenso wie seine Einheit. »Der 7. Oktober ist ein sehr schwerer Tag. Er weckt große Sehnsucht nach dem, was einmal war, und es ist ein trauriger Tag, weil sich unser Leben komplett verändert hat. Es gibt eine riesengroße Leere. Es ist sehr schwer zu akzeptieren, dass wir die gegenwärtige Situation nicht ändern können«, sagte sie.

Zerstörungen in Kfar Aza nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober
Zerstörungen in Kfar Aza nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober (Quelle: JNS)

»Die Familien, deren Kinder sich geopfert haben«

Sigal Caspi erklärte gegenüber JNS, dass die Verbundenheit zwischen den Familien derer, die zur Verteidigung von Kfar Aza gekämpft haben, und den überlebenden Bewohnern sehr tief sei. Zu den Menschen, die Elay und seine Einheit noch retten konnten, bevor er getötet wurde, gehörten Erez und Yifat Yatzkan sowie deren Tochter. »Um 14:00 Uhr hörten wir erneut, wie Glas zerbrach, und wir vernahmen Schreie. Wir öffneten den Schutzraum; es war Elays Team, das Erez hereinbrachte«, erzählt Caspi. »Mein Sohn Omer begann, Erez zu versorgen, während ich mit meinem kleinen Sohn zusammen mit Yifat und ihrer Tochter im Schutzraum blieb. Dann, zehn Minuten später, hörten wir die Schreie von IDF-Soldaten. Sie brachten Elay herein, der sehr schwer verwundet war. Wenn ich mich recht erinnere, hatte er zwei Einschusslöcher in der Brust.«

Für vergangenen Mittwoch waren in Kfar Aza zwei Gedenkfeiern angesetzt. Um 6:29 Uhr morgens fand in der Waffenkammer, in der das Ersthelferteam der Gemeinde seine Waffen aufbewahrte, eine Gedenkfeier statt. An den Wänden des Lagers sind nun die Namen, Bilder und Geschichten derer zu sehen, die dort gefallen sind. Bei der Feier ehrten die überlebenden Mitglieder des örtlichen Sicherheitsteams gemeinsam mit den Witwen von sieben Getöteten diejenigen, die bei der Verteidigung ihrer Gemeinde ihr Leben ließen. Um 10:00 Uhr wurden auf dem Friedhof von Kfar Aza dann die Namen der Gefallenen vorgelesen und ihrer gedacht. Zum ersten Mal wurden Gedenksteine für Bewohner von Kfar Aza aufgestellt, die am 7. Oktober ermordet wurden, aber nicht im Kibbuz begraben sind.

»Das wird uns unser ganzes Leben lang verbinden. Wir sind diejenigen, die Elay in seinen letzten Augenblicken gesehen haben. Bevor er erschossen wurde, hat er Menschen in Kfar Aza gerettet. Das sind die Familien, deren Kinder sich geopfert haben, um uns zu retten«, sagte Caspi. »Wir vergessen sie nicht und sind ihnen dankbar. Der Kibbuz hat 64 Menschen verloren. Eine ganze Familie wurde ermordet. Es ist nicht leicht, aber trotz all des Schmerzes tragen wir diese Soldaten in unserem Herzen.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

7. Oktober 2026: Gedenken auf dem Friedhof von Kfar Aza
7. Oktober 2026: Gedenken auf dem Friedhof von Kfar Aza (© Imago Images ZUMA Press Wire)

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