Dass im Berliner Wahlkreis »Neukölln 1« fast die Hälfte der Wählenden ihre Erststimme einer dezidiert israelfeindlichen Kandidatin der Partei »Die Linke« gab, zeugt von gewaltiger Geschichtsvergessenheit in der Stadt, in der einst der Holocaust geplant wurde.
Thomas Tews
Am 20. Januar 1942 planten Vertreter des NS-Regimes in einer Villa am Berliner Wannsee »das Verbrechen eines Völkermords, der in der Geschichte ohne Beispiel ist« (Hannah Arendt).
Fast 85 Jahre später gaben bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin am vergangenen Sonntag 46,2 Prozent der Wählenden im Wahlkreis »Neukölln 1« ihre Erststimme der dortigen Direktkandidatin der Partei »Die Linke«, Vanessa »Vedi« Emde. Emde hatte im Wahlkampf in einem Instagrambeitrag den weltweit einzigen jüdischen Staat, in dem noch heute mehr als hunderttausend Holocaustüberlebende leben, unter Verwendung der in großen Teilen der Linken verbreiteten »Apartheid«- und »Genozid«-Vorwürfe dämonisiert und delegitimiert.

Die Linke auf dem Gaspedal
Damit goutierte fast die Hälfte der im Berliner Wahlkreis »Neukölln 1« Wählenden »ein längst wahnhaftes, oft hasserfülltes Abarbeiten am Staat Israel durch eine politische Linke […], die historisch völlig falsch abgebogen ist und trotzdem statt auf die Bremse lieber beherzt aufs Gaspedal steigt«, wie es unlängst die Holocaustüberlebende Charlotte Knobloch in einem in der Jüdischen Allgemeinen erschienenen Beitrag formulierte.
Da passt es dann auch nur zu gut ins Bild, dass Emde Sonntagabend auf der Wahlparty für ein Foto mit dem langjährigen PFLP-Aktivisten Ibrahim Irahim posierte – dem nunmehrigen Kopf des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees (VPNK), mit dem die Linke Neukölln im israelfeindlichen Interbündnis Berlin organisiert ist. Unter der Dachbezeichnung VPNK sollen Anhänger der Hamas und der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 eng zusammenarbeiten und zu öffentlichen Versammlungen im Kontext mit dem Nahost-Konflikt mobilisieren.
