Jemenitische Regierungsquellen sowie iranische und regionale Quellen gaben an, die Küstenoffensive der Huthi werde unter direkter Anleitung der Islamischen Revolutionsgarde durchgeführt.
US-Beamte gehen davon aus, dass im Jemen derzeit Hunderte von Offizieren des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) an der Seite der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz operieren. Sie sollen dabei helfen, die Operationen zu koordinieren, die letztlich darauf abzielen, die strategisch bedeutsame Meerenge von Bab al-Mandab zu blockieren.
Die Meldungen über den iranischen Einsatz erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die Huthi ihre Positionen entlang der jemenitischen Küste am Roten Meer drastisch ausgebaut haben. Am Donnerstag eroberten die Huthi den strategisch wichtigen Hafen Mokka und drangen in Richtung der direkt am Bab al-Mandab gelegenen Stadt Hin Murad vor, die sie mittlerweile ebenfalls eingenommen haben. Damit haben die vom Iran unterstützten Milizen die gesamte Westküste des Jemens unter ihre Kontrolle gebracht.
Laut von Reuters zitierten Militärquellen sind Huthi-Truppen zudem in Richtung der strategisch wichtigen Hanisch-Inseln vorgerückt und haben zwischenzeitlich die Regierungstruppen von dort vertrieben. »Sie haben alles eingenommen«, sagte ein jemenitischer Sicherheitsbeamter. »Der gesamte Westen ist gefallen, ebenso wie die Insel Perim. Jetzt gehört ihnen alles.« Ein zweiter Sicherheitsbeamter bestätigte die Angaben und erklärte, Huthi hätten zudem die Kontrolle über Zuqar übernommen, eine weitere strategisch wichtige Insel im Roten Meer.
Damit haben die vom Iran unterstützten Terror-Milizen laut dem Mena-Watch-Berichterstatter Amichai Stein de facto die Kontrolle über den Bab al-Mandab übernommen. Dadurch gerät eine zweite wichtige Wasserstraße unter Druck, nachdem schon die Straße von Hormus durch den Krieg zwischen den USA und dem Iran stark beeinträchtigt ist. Der Meerenge vor dem Jemen ist einer der weltweit bedeutsamsten Schifffahrtskorridore und bildet das maritime Tor zum Suezkanal. Ihre Blockade würde Schiffe zwischen Asien und Europa dazu zwingen, die wesentlich längere Route um Afrika herum zu nehmen.
Erweiterte Rolle des Iran
Die Einschätzung der USA, dass sich Hunderte IRGC-Angehörige im Jemen befinden, würde auf eine erhebliche Eskalation der direkten Beteiligung Teherans hindeuten. Reuters berichtete, dass jemenitische Regierungsquellen sowie iranische und regionale Quellen angaben, die Küstenoffensive der Huthi werde unter direkter Anleitung der Iranischen Revolutionsgarden durchgeführt. Der Jemen-Sondergesandte der Vereinten Nationen, Hans Grundberg, warnte, dass der Vormarsch eine »neue und gefährlichere Phase« des Konflikts darstelle.
Der Iran bestreitet offiziell, die Huthi zu kontrollieren, und auch die jemenitische Terrorgruppe behauptet, ihre militärischen Entscheidungen würden eigenständig getroffen. Zwar unterstützt Teheran die Huthi und versorgt sie seit langem mit Waffen, Technologie und militärischem Know-how, doch waren die Milizen – anders als etwa die Hisbollah – bislang keine direkten Befehlsempfänger der Islamischen Republik. Ein groß angelegter Einsatz der Revolutionsgarde würde nun eine weitaus direktere iranische Rolle bei den Huthi-Operationen bedeuten, die nicht zuletzt die internationale Schifffahrt bedrohen.
Die strategische Gefahr dieser Eskalation reicht über den Jemen hinaus: Der Iran könnte damit Einfluss auf zwei maritime Engpässe auf gegenüberliegenden Seiten der Arabischen Halbinsel gewinnen und so die Energieversorgung und den globalen Handel gefährden. Berichten zufolge wurde auch schon die saudische Ost-West-Pipeline angegriffen, die den Persischen Golf mit dem Roten Meer verbindet und so die Straße von Hormus umgeht. Zuvor habe der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman zweimal bei US-Präsident Trump angerufen und ihn dazu gedrängt, Luftangriffe gegen die Huthis zu starten, berichtete die Nachrichtenplattform Axios. Trump habe die Bitte abgelehnt, und US-Beamte hätten erklärt, die Regierung habe derzeit nicht die Absicht, direkte militärische Maßnahmen gegen die Huthi zu ergreifen, hieß es in dem Bericht.
