Die jüngsten militärischen Ernennungen im Iran deuten auf eine Strategie hin, die vor allem darauf abzielt, das Regime in einem langen Krieg zu erhalten.
Kamyar Behrang
Die jüngsten Ernennungen im Militär- und Sicherheitsbereich des Iran senden zwei Botschaften gleichzeitig an Israel. Erstens: Die Islamische Republik bereitet sich auf die Möglichkeit einer langwierigen Konfrontation vor. Und zweitens: Angriffe auf hochrangige Befehlshaber, so verheerend sie auch sein mögen, werden für sich genommen nicht ausreichen, das militärische Entscheidungssystem des Landes lahmzulegen.
Schaffung einer neuen Kommandostruktur
Der neue Oberste Führer, Mojtaba Khamenei, hat am 10. August offiziell sechs hochrangige Militärposten besetzt. Einen Tag zuvor wurde der ehemalige Kommandeur des Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), Mohsen Rezaei, zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates und zu einem der Vertreter Khameneis in diesem Gremium ernannt. Zusammengenommen deuten diese Entscheidungen auf das Bestreben hin, die improvisierte Befehlskette aus Kriegszeiten in eine dauerhaftere Struktur umzuwandeln. Gleichzeitig zeigen die Eile und der Umfang der Ernennungen, wie stark frühere israelische und US-amerikanische Angriffe die obersten Ebenen des iranischen Militärs destabilisiert haben.
Einige der Erlasse formalisierten Besetzungen, die bereits seit Monaten in Kraft waren. Ahmad Vahidi und Ali Azmaei beispielsweise waren bereits öffentlich als Kommandeure der IRGC und ihrer Marine aufgetreten, bevor Khamenei die formellen Ernennungsbefehle erließ. Andere Ernennungen füllten Vakanzen, die durch Angriffe auf hochrangige Offiziere entstanden waren. Die Geschwindigkeit des Wiederaufbaus der Führungsebene ist daher ein Beleg für zwei scheinbar widersprüchliche Realitäten: Die Islamische Republik hat zwar eine beträchtliche institutionelle Widerstandsfähigkeit bewahrt, aber sie hat auch ausreichende Verluste erlitten, um eine erhebliche Umstrukturierung ihrer Kommandostruktur zu erzwingen.
Für israelische Militärstrategen ist die zentrale Frage nicht mehr, ob Teheran einzelne Kommandeure ersetzen kann. Das kann es eindeutig. Die wichtigere Frage ist, ob das wiederaufgebaute System während einer weiteren Offensive gegen die oberste Führung, die Kommunikationssysteme, die militärische Infrastruktur sowie die Führungs- und Kontrollnetzwerke weiter funktionieren kann. Die jüngsten Ernennungen im Iran deuten darauf hin, dass Teheran diese Verwundbarkeit erkennt und versucht, sie zu verringern.
Die vielleicht folgenreichste organisatorische Entwicklung ist Khameneis Entscheidung, die Integration des Generalstabs der Streitkräfte in das Zentralhauptquartier »Khatam al-Anbiya«, das wichtigste gemeinsame Einsatzkommando des Iran, abzuschließen. Ali Abdollahi, der »Khatam al-Anbiya« während des Krieges leitete, ist nun Stabschef der Streitkräfte, wobei der ehemalige Kommandeur der Landstreitkräfte, Kioumars Heydari, als sein Stellvertreter fungiert. Vahidi befehligt das IRGC, Mostafa Izadi fungiert als sein Stellvertreter, Azmaei leitet die Marine der IRGC, und der ehemalige Geheimdienstchef des IRGC, Hossein Taeb, ist zurückgekehrt, um die Basidsch-Miliz zu befehligen.
Die Bedeutung all dessen liegt weniger in den einzelnen Ernennungen als in den Fähigkeiten und Ressourcen, die sie zusammenbringen. Offiziere mit Erfahrung in gemeinsamen Operationen, Landkriegsführung, Nachrichtendienst, maritimen Einsätzen und innerer Sicherheit werden in eine stärker zentralisierte Kommandostruktur eingebunden. Rezaei fügt noch eine weitere Dimension hinzu: Er ist eine erfahrene Persönlichkeit aus dem politisch-sicherheitspolitischen Bereich mit direktem Zugang zum Obersten Führer und verantwortlich für die Koordinierung der militärischen, diplomatischen und allgemeinen nationalen Sicherheitspolitik.
Der Iran schafft damit kein einheitliches Kommando im streng militärischen Sinne. Die Streitkräfte sind weiterhin durch überschneidende Zuständigkeiten, bürokratische Rivalitäten und getrennte institutionelle Interessen geprägt. Doch scheint die sich abzeichnende Struktur darauf ausgerichtet zu sein, die Distanz zwischen Feldkommando, Operationen der IRGC, maritimer Strategie, innerer Sicherheit und politischer Entscheidungsfindung zu verringern.
Dies ist besonders bedeutend, da eine erneute Konfrontation mit Israel wahrscheinlich nicht auf einen einzigen militärischen Bereich beschränkt bleiben wird. Teheran muss gleichzeitig Luft- und Raketenangriffe, Cyberoperationen, verdeckte Aktionen, maritime Konfrontationen, Sabotage und die Möglichkeit innerstaatlicher Instabilität im Blick behalten. Eine verbesserte Koordination würde es der Führung ermöglichen, Ressourcen und Prioritäten zwischen diesen Einsatzgebieten zu verlagern und gleichzeitig zu versuchen, die zentralisierte politische Kontrolle aufrechtzuerhalten.
Vorbereitung auf Abnutzungskrieg
Die herausragende Stellung von Abdollahi und Heydari sollte jedoch nicht als Beweis dafür interpretiert werden, dass sich der Iran auf einen konventionellen Bodenkrieg gegen Israel vorbereitet. Geografie, Logistik und das regionale militärische Kräfteverhältnis machen eine direkte iranische Landoffensive höchst unwahrscheinlich. Ihre Erfahrung ist vielmehr für die Verteidigung des iranischen Staatsgebiets während eines langwierigen Konflikts relevant.
Der Iran könnte gezwungen sein, Streitkräfte zu verstreuen, strategische Einrichtungen zu schützen, sich gegen Überfälle und Sabotage zu verteidigen, Grenzen zu sichern, die interne Mobilität aufrechtzuerhalten und militärische Aktivitäten über mehrere Regionen hinweg zu koordinieren. Erfahrung mit Bodentruppen würde besonders wichtig werden, sollten ausländische Angriffe gleichzeitig mit schweren innenpolitischen Unruhen stattfinden.
Die Ernennungen deuten eher auf die Vorbereitung auf einen Abnutzungskrieg als auf eine territoriale Eroberung hin: Teheran will, dass der Staats- und Militärapparat wiederholte Schläge verkraften kann, ohne den Zusammenhalt der Befehlsstrukturen, die operative Mobilität oder die politische Kontrolle zu verlieren. Dies ist ein anderes Ziel als die Niederlage Israels in einem symmetrischen Krieg. Der Iran muss Israels Vorteile in den Bereichen Luftmacht und Nachrichtendienst nicht ausgleichen, wenn er genug von seinem eigenen System erhalten kann, um dem Gegner über einen längeren Zeitraum hinweg weiterhin Kosten aufzuerlegen.
Die Straße von Hormus bleibt für diese Logik von zentraler Bedeutung. Die Formalisierung der Führungsstrukturen innerhalb der IRGC-Marine hat direkte Auswirkungen, die über die unmittelbare militärische Konfrontation des Iran mit Israel hinausgehen. Teheran kann der israelischen Luftwaffe oder seinen nachrichtendienstlichen Fähigkeiten nicht auf Augenhöhe begegnen. Dennoch bieten der Persische Golf und die Straße von Hormus einen geografisch nahegelegenen Schauplatz, auf dem Teheran über asymmetrische Fähigkeiten und die Möglichkeit verfügt, internationale Interessen weit über das Schlachtfeld hinaus zu beeinflussen.
Bedrohungen für die Schifffahrt oder den Energiefluss könnten einen Teil der wirtschaftlichen und politischen Kosten eines Konflikts auf die Golfstaaten, die internationalen Märkte und die Vereinigten Staaten verlagern. Hormus ist daher mehr als nur ein Einsatzgebiet. Es ist ein Instrument für strategischen Einfluss. Die Fähigkeit, Unsicherheit für die Seewege zu erzeugen, gibt Teheran einen Mechanismus an die Hand, um eine bilaterale oder regionale militärische Konfrontation zu einem internationalen Wirtschaftsproblem auszuweiten.
Militarisierte nationale Sicherheitsstruktur
Rezaeis Ernennung stärkt den Konnex von militärischem Druck und politischen Verhandlungen. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat steht an der Schnittstelle der iranischen Sicherheits- und Außenpolitik. Rezaeis Beförderung bedeutet also nicht, dass die Diplomatie beendet ist. Sie könnte vielmehr darauf hindeuten, dass Teheran Verhandlungen zunehmend als weiteren Bestandteil des Kriegsgeschehens betrachtet. Dabei werden Verhandlungen durch das Ausmaß des Drucks beeinflusst, den der Iran mittels Raketen, maritimer Ressourcen, regionaler Netzwerke und anderer Instrumente ausüben kann.
Diese Unterscheidung ist von Bedeutung. Eine militarisierte nationale Sicherheitsstruktur kann zwar weiterhin Verhandlungen führen und sogar vorübergehende Vereinbarungen erzielen. Sie wird diese Verhandlungen jedoch aller Voraussicht nach nicht losgelöst vom Kräfteverhältnis der Zwangsmittel betrachten. Teheran könnte versuchen, seine Verhandlungsposition zu verbessern, indem es demonstriert, dass anhaltender militärischer Druck auf das Land an anderer Stelle wirtschaftliche, politische und sicherheitspolitische Kosten verursachen kann.
Die Rückkehr von Hossein Taeb als Kommandeur der Basidsch-Milizen offenbart ein weiteres wichtiges Element der iranischen Vorbereitungen. Teheran scheint die äußere und die innere Front nicht mehr als voneinander unabhängige Probleme zu betrachten. Die Basidsch sind zugleich eine paramilitärische Organisation, eine ideologische Mobilisierungsstruktur und ein landesweites Netzwerk, das in der Lage ist, staatliche Überwachung und Zwangsmaßnahmen auf Universitäten, Arbeitsplätze und Stadtviertel auszuweiten. Taeb stand zuvor schon einmal an der Spitze der Organisation, bevor er mehr als ein Jahrzehnt lang den IRGC-Geheimdienst leitete. Mit seiner Rückkehr steht nun eine erfahrene Persönlichkeit aus dem Geheimdienstwesen an der Spitze der Milizen, die am besten geeignet sind, die iranische Gesellschaft im Kriegsfall zu überwachen und zu mobilisieren.
Aus Teherans Sicht würde ein weiterer Konflikt wie gesagt nicht unbedingt nur Raketen, Flugzeuge und militärische Einrichtungen betreffen. Die Führung muss auch mit verdeckten Netzwerken, Sabotage, Cyberaktivitäten, Informationsoperationen und Versuchen rechnen, die Unzufriedenheit der Bevölkerung auszunutzen. Eine langwierige externe Kampagne könnte den wirtschaftlichen Druck und die soziale Unzufriedenheit verstärken und so Bedingungen schaffen, unter denen sich militärische Verwundbarkeit und politische Instabilität gegenseitig verstärken. Rezaeis Ernennung als Basidsch-Führers scheint darauf abzuzielen, das Risiko zu verringern, dass sich eine externe militärische Krise zu einer internen politischen Krise entwickeln könnte.
Diese Verknüpfung zwischen der Außenverteidigung und der inneren Kontrolle dürfte das wichtigste Merkmal der neuen Struktur sein. Der Iran bereitet sich nicht nur auf den Kampf vor, sondern auch darauf, das politische System des Regimes während des Kampfes bewahren zu können. In der Praxis bedeutet dies, die Befehls- und Kontrollstrukturen vor Angriffen auf die Führung zu schützen, die Raketen- und Seestreitkräfte aufrechtzuerhalten, die Koordination zwischen den militärischen Institutionen zu verbessern und sicherzustellen, dass innenpolitische Unruhen Momente äußerer Verwundbarkeit nicht ausnutzen.
Das Gesamtbild offenbart zudem die Grenzen eines Generationswechsels. Rezaei, Vahidi und Taeb sind keine Vertreter einer neuen Sicherheitselite. Sie gehören zur etablierten Führungsklasse der Islamischen Republik. Ihre Rückkehr deutet darauf hin, dass Khamenei eher die Befehlsstrukturen neu ordnet, als die alte Garde zu ersetzen. In einer Zeit der Unsicherheit scheint die Führung Kriegserfahrung, institutionelle Vertrautheit und politische Zuverlässigkeit höher zu bewerten als eine Verjüngung ihrer Strukturen.
Dies kann kurzfristig Vorteile bieten. Erfahrene Befehlshaber kennen die Institutionen, die sie leiten sollen, verfügen über etablierte Netzwerke und können die Koordination nach schweren Verwerfungen schneller wiederherstellen. Doch das Verlassen auf die alte Sicherheitselite kann auch die Limits des iranischen Führungskaders offenbaren. Institutionelle Kontinuität mag die Widerstandsfähigkeit stärken, offenbart aber gleichzeitig die Schwierigkeit des Regimes, eine neue Generation hervorzubringen, die im gesamten Sicherheitsapparat vergleichbares Vertrauen genießt.
Kompliziertes strategisches Bild
Für Israel ergibt sich daraus ein kompliziertes strategisches Bild. Die neue Struktur des Iran ist nicht in erster Linie auf einen direkten Bodenangriff ausgelegt. Sie zielt darauf ab, die Funktionsfähigkeit des Staates während einer langwierigen, mehrere Sektoren umfassenden Konfrontation zu erhalten. Teherans Prioritäten scheinen darin zu bestehen, die Befehlskette unter Beschuss aufrechtzuerhalten, den Druck durch Raketen und auf See zu erhöhen, asymmetrische Optionen zu bewahren, kritisches Territorium zu schützen und zu verhindern, dass ausländischer militärischer Druck einen Zusammenbruch im Inland auslöst.
Die Ernennungen zeigen nicht, dass der Iran die durch die israelischen und amerikanischen Operationen aufgedeckten Schwachstellen behoben hat. Angriffe auf die Führungsspitze, das Eindringen in die Geheimdienste und Attacken gegen die militärische Infrastruktur haben eindeutig hohe Kosten verursacht. Doch der Wiederaufbau der Befehlshierarchie zeigt, dass Teheran aus diesen Erfahrungen lernt und versucht, seine Reaktion zu systematisieren.
Das könnte die wichtigste Botschaft hinter der Umbesetzung sein. Israel hat gezeigt, dass es in der Lage ist, in das Sicherheitsumfeld des Iran einzudringen und auf den höchsten Befehlsebenen schweren Schaden anzurichten. Teherans Antwort besteht nicht darin, sich auf einen konventionellen Krieg vorzubereiten, den es wahrscheinlich nicht gewinnen wird. Vielmehr geht es darum, ein System aufzubauen, das in der Lage ist, Schläge zu überstehen, genügend militärische Kapazitäten aufrechtzuerhalten, um dem Gegner Kosten aufzuerlegen, den Konflikt bei Vorteil auszudehnen und die heimische Gesellschaft unter Kontrolle zu halten, während die Konfrontation andauert.
Die nächste Phase des Iran-Israel-Konflikts hängt möglicherweise weniger davon ab, ob eine der beiden Seiten einen weiteren spektakulären Schlag landen kann als vielmehr von einem komplizierteren Ringen um institutionelle Ausdauer. Israel wird versuchen, die Schwachstellen des Iran schneller auszunutzen, als Teheran sie beheben kann. Unterdessen wird der Iran versuchen, die Befehlsgewalt zu wahren, Risiken zu streuen und Kosten in den militärischen, maritimen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen zu verursachen.
Die neue militärische Hierarchie des Iran sollte in diesem Zusammenhang verstanden werden. Sie ist kein Konzept für einen konventionellen Sieg. Es handelt sich um eine Architektur zum Überleben in einem langen Krieg.
Kamyar Behrang ist ein iranischer Journalist mit Sitz in Washington, D.C., und arbeitet als leitender Nachrichtenredakteur bei Iran International. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)
