Türkei und Pakistan: Eine Freundschaft mit China im Hintergrund

China im Hintergrund: Türkei und Pakistan rücken näher zusammen
China im Hintergrund: Türkei und Pakistan rücken näher zusammen (© Imago Images / Anadolu Agency)

Die Sicherheitsordnung, die sich von Südasien bis zum Persischen Golf erstreckt, verändert sich auf eine Weise, die nicht länger anhand einzelner Konflikte verstanden werden kann. Militärtechnologie, Geheimdienste, Ideologien und Verteidigungskooperation verbinden heute Konfliktregionen, die früher getrennt betrachtet wurden.

Paushali Lass

 Was in Kaschmir geschieht, kann Auswirkungen auf den Persischen Golf haben. Entwicklungen im Iran können die Sicherheitsplanung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verändern. Und Entscheidungen in China oder der Türkei können Folgen für den Nahen Osten, Südasien und letztlich auch Europa haben. Deshalb verdient die wachsende Zusammenarbeit zwischen China, der Türkei und Pakistan Aufmerksamkeit – über die Konflikte zwischen Indien und Pakistan sowie dem Iran und Israel hinaus.

Ein kürzlich gemeldeter Anstieg chinesischer und türkischer Militärflüge nach Pakistan innerhalb von rund sechzig Stunden hat Fragen über mögliche Lieferungen von Verteidigungsgütern nach Islamabad aufgeworfen. Indische Medien berichteten unter Berufung auf Sicherheitsquellen, dass chinesische Militärtransportflugzeuge wiederholt pakistanische Luftwaffenstützpunkte angeflogen hätten, darunter Nur Khan bei Rawalpindi und Masroor in Karatschi. Auch türkische Militärflugzeuge sollen beteiligt gewesen sein.

Möglicherweise wurden Drohnen oder anderes militärisches Material transportiert. China, die Türkei und Pakistan haben aber keine Waffenlieferungen bestätigt. Der Zeitpunkt ist dennoch bemerkenswert. Die Verteidigungsbeziehungen dieser Länder werden immer enger. Gleichzeitig unterzeichneten Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan am 7. August das Gemeinsame Verteidigungsabkommen von Mekka. Es sieht vor, dass ein bewaffneter Angriff auf eines der drei Länder als Angriff auf alle drei behandelt wird.

Damit zeichnet sich eine stärker multipolare Sicherheitsordnung im Nahen Osten ab. Der amerikanische Einfluss wird zunehmend durch Nationen herausgefordert, die geografisch und kulturell stärker in der Region verankert sind. Die Türkei strebt eindeutig eine größere Rolle an. Pakistan bringt militärische Fähigkeiten und eine strategische Lage mit, Saudi-Arabien wirtschaftliches und politisches Gewicht. China wiederum verfügt über Technologie, Kapital und langfristige wirtschaftliche Beziehungen.

Pakistan: Mehr als nur ein militärischer Partner

Pakistan ist dabei ein bedeutender Teil der Gleichung. Das Land hat selbst stark unter Terrorismus gelitten. Gleichzeitig gibt es seit Jahren Verbindungen zu militanten Gruppen, die von pakistanischem Boden aus operierten. Das US-Außenministerium hat unter anderem auf die anhaltende Präsenz von Lashkar-e-Tayyiba, Jaish-e-Mohammed und dem Haqqani-Netzwerk hingewiesen. Einige dieser Gruppen richteten ihre Gewalt vor allem gegen Ziele außerhalb Pakistans, insbesondere in Indien und Afghanistan.

Diese Geschichte ist relevant, weil eine militante Ideologie nicht automatisch verschwindet, wenn eine Organisation verboten wird. Netzwerke können sich verändern und in religiösen, politischen, wohltätigen oder medialen Strukturen weiterbestehen. Auch antisemitische und antiisraelische Narrative können dadurch weitergetragen werden. Wenn Hass als religiöse Pflicht dargestellt wird, entsteht eine Verbindung zwischen lokalen Konflikten und globalen extremistischen Bewegungen.

Das sogenannte »Mullah-System« ist deshalb nicht nur ein innenpolitisches Thema. Ein Narrativ, das in einer Moschee, Madrasa oder auf einer politischen Kundgebung entsteht, kann heute innerhalb von Minuten weltweit verbreitet werden. Online-Propaganda gegen Juden, Israel, Hindus, Indien und dissidente Iraner ist ein reales Problem. Teilweise stehen solche Kampagnen auch mit staatlich unterstützten Akteuren und »Proxys« in Verbindung.

Da die Türkei und Pakistan politisch und militärisch enger zusammenrücken, verdient diese Entwicklung Aufmerksamkeit. Pakistan könnte für die Türkei nicht nur ein Verteidigungspartner sein, sondern auch ein Kanal, über den antiisraelische oder antiindische Narrative verbreitet und verstärkt werden – unter anderem über soziale Medien und Bots. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel haben sich vor allem wegen des Gaza-Krieges und der Zukunft der Region stark verschlechtert. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Israel wiederholt scharf kritisiert und die palästinensische Sache unterstützt. Gleichzeitig unterhält Ankara enge Beziehungen zu Hamas-Führern.

Auch militärisch arbeiten beide Länder enger zusammen – unter anderem bei Drohnen, Marinesystemen und Luft- und Raumfahrttechnik. Pakistanisches Personal wurde zudem mit dem türkischen KAAN-Kampfjetprogramm in Verbindung gebracht.

Der China-Faktor: Technologie und Abhängigkeit

Chinas Rolle unterscheidet sich von Pakistans militanten Netzwerken und der ideologischen Konfrontation der Türkei mit Israel. Peking muss selten laut auftreten. Sein Einfluss wächst vor allem durch Technologie, Infrastruktur, Lieferketten, Investitionen und langfristige Abhängigkeiten.

Die Geltung des Landes reicht dabei über Technologie und Infrastruktur hinaus: Nach Katar gehört auch China zu den größten ausländischen Geldgebern amerikanischer Universitäten.  Wenn Katar in einer wachsenden »rot-grünen« Einflusskonstellation den ideologisch-religiösen Faktor repräsentiert, steht China für den »roten« Faktor: einen autoritären Staat, dessen Einfluss zunehmend über Kapital, Technologie, Forschungspartnerschaften und langfristige Abhängigkeiten ausgeübt wird. Die Lehre daraus ist, dass Demokratien ausländischen Einfluss dauerhaft im Blick behalten sollten und nicht nur dann, wenn ein bestimmtes Land gerade für Schlagzeilen sorgt.

Als Nachbarland Indiens gehört Pakistan zu Chinas engsten Verteidigungspartnern. Beide Länder arbeiten unter anderem bei Kampfflugzeugen, U-Booten und Drohnen zusammen. Das gemeinsam entwickelte JF-17-Kampfflugzeug ist ein sichtbares Beispiel dieser Kooperation. Auch der Indien-Pakistan-Konflikt im Mai 2025 zeigte, wie diese Beziehung in einer Krise wirken könnte. Indiens stellvertretender Armeechef, Generalleutnant Rahul Singh, erklärte, China habe Pakistan während der Kämpfe Live-Informationen über indische Militärpositionen geliefert.

Ein weiteres, außerhalb Indiens wenig bekanntes Detail kam bei den Ermittlungen zum Terroranschlag von Pahalgam ans Licht. Indische Sicherheitsbehörden untersuchten die Präsenz eines Huawei-Smartphones mit Satellitenkommunikation in der Nähe des Anschlagsortes. Solche Geräte können Satellitenkommunikation ermöglichen, ohne wie klassische Satellitentelefone auszusehen. Chinas diesbezügliche Rolle im Nahen Osten ist gut dokumentiert. Chinesische Technologie, Telekommunikation, Infrastruktur und Lieferketten sind bereits tief in der Region verankert.

Das bedeutet nicht, dass jedes Land, das chinesische Technologie nutzt, automatisch ein Verbündeter Chinas wird. Doch Abhängigkeiten können Risiken schaffen, besonders dann, wenn dieselbe Technologie sowohl kommerziell als auch für Geheimdienste oder militärische Zwecke genutzt werden kann. Genau deshalb sollte die mögliche Lieferung chinesischen Militärmaterials nach Pakistan aufmerksam beobachtet werden. Selbst wenn sich eine konkrete Waffenlieferung nicht bestätigen lässt, ist die Entwicklung strategisch relevant.

Kein klassischer Militärblock

Pakistan bringt enge militärische und geheimdienstliche Beziehungen mit China in die sich immer stärker herausbildende Freundschaft ein, zusammen mit einem ungelösten Erbe staatlich geförderten Terrorismus. Die Türkei wiederum bringt regionale Ambitionen, eine wachsende Verteidigungsindustrie und eine zunehmend konfrontative Haltung gegenüber Israel mit. Gleichzeitig bleibt sie NATO-Mitglied und verfolgt eigene Machtinteressen gegenüber Griechenland und Zypern.

Die Gefahr besteht nicht darin, dass China plötzlich zum neuen Sicherheitsgaranten oder zur beherrschenden Macht des Nahen Ostens wird – sie ist subtiler. Gerade weil die Konstellation nicht wie ein klassischer Militärblock aussieht, ist es schwerer zu erkennen. Sein Einfluss kann sich über Drohnen, Satelliten, Flugzeuge, Geheimdienste, Verteidigungsindustrien, soziale Medien, Lieferketten und politische Partnerschaften ausbreiten.

So können Abhängigkeiten entstehen, die den politischen Handlungsspielraum von Staaten langfristig einschränken. Je stärker Technologie, Infrastruktur, Verteidigung und strategische Lieferketten mit Staaten verbunden sind, deren politische Interessen und Werte nicht mit denen demokratischer Gesellschaften übereinstimmen, desto schwieriger wird es, wirtschaftliche Entscheidungen von sicherheitspolitischen Konsequenzen zu trennen. Für die Golfstaaten, Südasien und Europa liegt darin die eigentliche Warnung.

Die nächste sicherheitspolitische Herausforderung muss nicht als offenes Bündnis mit eigener Flagge und einem zugrundeliegenden Vertrag auftreten. Sie kann sich etappenweise entwickeln – bis Technologie, Geheimdienstkooperation und strategische Interessen so eng miteinander verbunden sind, dass diese Partnerschaften nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden können.

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