Im Wahlkampendspurt hatte Mena-Watch-Berichterstatter Amichai Stein die Gelegenheit, ein halbstündiges Interview mit Israels regierendem Premierminister Benjamin Netanjahu zu führen.
Am 21. Oktober feiert Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seinen 77. Geburtstag. Es war bereits ein Uhr morgens in der Wahlkampfzentrale des Likud, wo seine engsten Mitarbeiter darauf warteten, dass er die letzte Sitzung des Tages beendet – um anschließend eine improvisierte Geburtstagsparty mit ein paar Torten, Pralinen und Kerzen zu feiern. »Wenn Sie gewählt werden, wird dies dann Ihre letzte Amtszeit sein?«, fragte ich Netanjahu. »Warum nur eine Amtszeit? Was mich betrifft, gerne noch fünf weitere«, antwortete er.
Nach der kleinen Feierlichkeit setzte sich Netanjahu gegen halb drei Uhr morgens mit mir zu einem Interview zusammen, das etwa eine halbe Stunde dauerte. Zum Ende des Wahlkampfs eilte der Ministerpräsident von einem Interview zum nächsten, war in Podcasts und diversen Medien zu Gast. Der Mann, der sich während seiner Amtszeit weigert, Interviews zu geben, startete nun seine aus früheren Vorwahlzeiten altbekannte Medienoffensive.
»Der Iran versucht, die Wahlen zu sabotieren«, erklärte Netanjahu zu Beginn unseres Interviews. »Wir haben Informationen sowohl vom Militärgeheimdienst als auch vom Mossad, die darauf hindeuten, dass Teheran und seine Stellvertreter das Endergebnis beeinflussen wollen.« Diese Behauptung hat Netanjahu in den letzten Wochen bereits mehrfach wiederholt. Im Interview argumentierte er, die iranischen Bemühungen seien von seiner Person motiviert. »Sie wollen, dass ich nicht gewählt werde. Sie wollen nicht, dass ich der nächste Ministerpräsident werde. Sie wollen, dass Gadi Eisenkot gewählt wird.«
Netanjahu weigerte sich natürlich, darauf einzugehen, ob er beabsichtigt, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten einen Angriff auf den Iran zu starten. Er beharrte jedoch darauf, dass er und US-Präsident Donald Trump hinsichtlich der Ziele eines möglichen Angriffs, sollte es zu einem solchen kommen, auf einer Linie lägen. »Haben Sie sich schon einen Namen für die Operation ausgedacht?«, fragte ich ihn. »Klar, etwas mit Löwen«, antwortete er und bezog sich dabei auf Israels frühere Operationen »Rising Lion« im Jahr 2025 und »Roaring Lion« im Jahr 2026. »Schließlich ist dies eine Nation der Löwen.«
Für Netanjahu ist Alternative klar
Für den regierenden Premierminister ist die Wahl, vor der die Israelis stehen, klar: Entweder bleibt er an der Macht, wahrt Israels Sicherheit, verhindert die Gründung eines palästinensischen Staates und verfolgt einen aktiven Kurs gegenüber dem Iran. Oder eine von Gadi Eisenkot geführte Regierung tritt ihr Amt an, schließt sich mit den arabischen Parteien zusammen und ebnet den Weg für einen palästinensischen Staat, während sie die Sicherheit der israelischen Bürger gefährdet.
Im Interview blickte Netanjahu auch über die unmittelbare Gegenwart hinaus. Er argumentierte, dass Israel unter der Trump-Regierung noch zwei Jahre Zeit habe, um seine Ziele zu erreichen, und deutete an, dass sich die Lage danach verschlechtern könnte. »Was passiert, wenn es in zwei Jahren, nachdem Trump das Weiße Haus verlassen hat, eine feindlich gesinnte US-Regierung gibt? Wer wird dem Druck standhalten können? Ich denke, die Antwort ist klar«, sagte er – und meinte damit natürlich sich selbst.
Was ihn betrifft, ist auch die Zusammensetzung der nächsten Regierung klar. »Ihre Grundlage werden die Parteien bilden, aus denen sich die derzeitige Koalition zusammensetzt.« Damit meint Netanjahu die beiden extrem rechten Parteien unter der Führung von Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir sowie die ultraorthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Tora-Judentum.
Während Ben-Gvir bereits im Vorfeld das Verteidigungsressort als Bedingung für den Beitritt zur nächsten Regierung gefordert hat, ist sich Netanjahu offenbar der Notwendigkeit bewusst, die internationale Gemeinschaft zu beruhigen. Auf Ben-Gvirs Forderung angesprochen, gab er eine sorgfältig formulierte Antwort: »Ich möchte, dass das Verteidigungsressort von jemandem aus der Likud-Fraktion übernommen wird.« Eine Formulierung, die ihm alle Optionen offenhält, besteht doch ein erheblicher Unterschied zwischen der Äußerung eigener Wünsche und der Zusicherung, dafür zu sorgen, dass etwas nicht geschehen wird.
Einseitigkeiten und Verzerrungen
Eine der Hauptursachen für die Kritik an Israel in den letzten Monaten war die Gewalt von Israelis gegen Palästinenser im Westjordanland. Netanjahu wies dies als einseitige und verzerrte Darstellung des Problems zurück. Diese Kritiker würden »die Palästinensische Autonomiebehörde doch auch nicht dafür verurteilen, dass sie Terroristen Gehälter zahlt, oder?«, fragte er und betonte, dass Israel das Problem angehe. Er wies darauf hin, dass sogar der Sicherheitsdienst Shin Bet eingeschaltet worden sei, um gegen die Gewalttäter vorzugehen. »Aber sogar Botschafter Mike Huckabee hat die Gewalt verurteilt«, gab ich zu bedenken. »Er weiß, dass es viele andere Probleme gibt. Aber wissen das auch andere?«, entgegnete Netanjahu.
Netanjahu argumentierte, dass seine Politik in den drei Jahren seit den Anschlägen vom 7. Oktober wiederholt gegen die Empfehlungen des israelischen Sicherheitsapparats durchgesetzt worden sei – und sich im Nachhinein stets als richtig erwiesen habe. »So haben wir [Hisbollah-Führer Hassan] Nasrallah ausgeschaltet, den Iran angegriffen, die Hamas und die Hisbollah getroffen und sind in die Pufferzone in Syrien vorgedrungen.« Er versprach, im Falle einer Wiederwahl weiterhin eine offensive Sicherheitspolitik zu verfolgen – im Gegensatz zur Opposition, die er als schwach im Umgang mit Israels Feinden darstellte.
Derzeit deuten Meinungsumfragen darauf hin, dass weder der Regierungs- noch der Oppositionsblock auf dem Weg ist, bei den am kommenden Dienstag stattfindenden Wahlen eine absolute Mehrheit von 61 Sitzen in der Knesset zu erringen. Israel droht als eine weitere politische Blockade.
