Kämpfe im Jemen führen zu Überforderung der Krankenhäuser

Hundertausende im Jemen sind auf der Flucht vor den wiederaufgeflammten Kämpfen
Hundertausende im Jemen sind auf der Flucht vor den wiederaufgeflammten Kämpfen (© Imago Images Anadolu Agency)

Mehr als 200.000 Menschen wurden seit Beginn der Kämpfe im Land in den letzten Wochen aus ihren Häusern vertrieben, so die Vereinten Nationen.

Krankenhäuser im gesamten Jemen haben Mühe, den starken Anstieg der Kriegsopfer zu bewältigen. Dies teilten humanitäre Organisationen am Mittwoch mit und wiesen darauf hin, dass die verschärften Auseinandersetzungen an mehreren Fronten die Hilfslieferungen für rund 800.000 Menschen unterbrochen haben. Krankenhäuser in Frontgebieten wie Marib, Taiz oder der Küste am Roten Meer verzeichnen eine noch nie dagewesene Zahl von Patienten mit Schussverletzungen. Einige Einrichtungen nehmen laut Angaben des Roten Kreuzes (IKRK) mehr als siebenhundert Verletzte in einer einzigen Woche auf.

»Das Personal in der Traumaversorgung steht unter enormem Druck«, sagte IKRK-Gesundheitskoordinator Feras Abusamra in einer Erklärung. Nur ein kleiner Teil der noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen im Jemen sei in der Lage, eine umfassende Traumaversorgung zu gewährleisten, während die Krankenhäuser angesichts von Engpässen bei chirurgischem Material, Anästhetika, Sauerstoff und Medikamenten mit einer großen Zahl von Verwundeten konfrontiert seien.

Das jemenitische Gesundheitswesen ist durch mehr als ein Jahrzehnt des Konflikts und der Wirtschaftskrise sowie durch Flucht und Vertreibung hunderttausender Menschen und damit einhergehende Krankheitsausbrüche stark in Mitleidenschaft gezogen. Dementsprechend verfügt es nur über begrenzte Kapazitäten, um einen neuen Ansturm von Verletzten aufzufangen, sollte sich der Kampf weiter verschärfen, warnte das IKRK.

Humanitäre Katastrophe befürchtet

Mehr als 200.000 Menschen wurden allein seit Beginn der Kämpfe im September aus ihren Häusern vertrieben. Auslöser waren erneute Auseinandersetzungen zwischen den vom Iran geförderten Huthi-Milizen und den von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierungstruppen, so die Internationale Organisation für Migration der Vereinten Nationen.

Die jüngsten Kämpfe haben zudem die lebensrettende humanitäre Hilfe für 800.000 Menschen in Taiz – der drittgrößten Stadt des Jemen, in der sich derzeit die meisten Menschen aufhalten, die vor den Kämpfen fliehen – sowie in anderen vom Konflikt betroffenen Gebieten unterbrochen, teilte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) am Mittwoch mit. Einige Bezirke seien aufgrund der Kämpfe und Straßensperren mittlerweile unzugänglich.

Laut WFP sind die Weizenmehlvorräte nahezu aufgebraucht und die verbleibenden Lebensmittelvorräte auf den lokalen Märkten reichen aller Voraussicht nach nur noch für kurze Zeit. »Dies ist genau die Art von Situation, die rasch zu einer humanitären Katastrophe eskalieren kann, wenn Hilfsgüter nicht sicher transportiert werden und diejenigen erreichen können, die sie am dringendsten benötigen«, erklärte El-Khidir Daloum, WFP-Vertreter und Landesdirektor im Jemen, in einer Stellungnahme.

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