Die Huthi-Angriffe setzen Saudi-Arabien unter Druck. Israel könnte helfen, doch folgt daraus nicht gleich die Normalisierung der Beziehungen.
Seit dem Huthi-Vormarsch im Jemen und verstärkten Angriffen der mit dem iranischen Regime verbündeten Islamisten findet sich Saudi-Arabien in einer äußerst unangenehmen Lage wieder. Die USA, der traditionelle Verbündete des Königreichs, haben rasch klargestellt, dass sie sich von der aktuellen Eskalation des Konflikts im Jemen nicht betroffen fühlen, entsprechende Versicherungen der Huthi erhalten hätten und sich daher nicht an militärischen Operationen der Huthi-Gegner beteiligen werden.
Mit der Türkei und Pakistan existiert zwar seit wenigen Monaten ein Militärbündnis, das eine Art Beistandspflicht im Falle eines Angriffs durch Dritte beinhaltet, doch hat dies angesichts der Huthi-Angriffe auf Ziele in Saudi-Arabien bisher zu nur magerer Unterstützung geführt. Keineswegs scheinen Ankara und Islamabad bereit, eigene Truppen in den Kampf gegen die Huthi zu schicken.
Kurz gesagt: Von traditionellen wie neuen Verbünden mehr oder minder im Stich gelassen, sieht sich Saudi-Arabien zunehmend isoliert – und das Angebot möglicher neuer Partner ist überschaubar. In dieser Situation stellt sich die Frage, ob die aktuelle Bedrohungslage zu einer verstärkten Kooperation Saudi-Arabiens mit jenem Land in der Region führen könnte, das in den vergangenen Jahren nicht nur Bedrohungen durch dieselben Gegner ausgesetzt war, sondern auch seine Fähigkeiten und seine Entschlossenheit unter Beweis gestellt hat, diesen Gegnern entgegenzutreten.
Gegenseitiger Nutzen
Klar ist, dass Israel dem saudischen Königreich einiges zu bieten hätte. Die Huthi setzen bei ihren Angriffen ballistische Raketen, Marschflugkörper und mit Sprengstoff beladene Drohnen ein. Die saudische Luftabwehr ist nicht in der Lage, diese Bedrohungen zu neutralisieren.
Israel verfügt über die modernen Abwehrsysteme, die für Saudi-Arabien von erheblichem Nutzen sein könnten. Dazu gehören der Iron Dome, David’s Sling und das Raketenabwehrsystem Arrow. Gemeinsam mit israelischer Radartechnologie könnten sie dazu beitragen, saudische Städte, militärische Einrichtungen und kritische Infrastruktur besser zu schützen. Berichten israelischer Medien zufolge unterstützt Israel Saudi-Arabien bereits mit Informationen zur Früherkennung von Angriffen, bei der Identifizierung möglicher Ziele sowie bei der Erstellung eines militärischen Lagebildes.
Israels ist seinerseits nicht nur an der weiteren Schwächung der Huthi-Milizen und ihres regionalen Sponsors, des iranischen Regimes, interessiert, sondern sieht eine verstärkte Sicherheitszusammenarbeit mit Saudi-Arabien auch als möglichen Weg hin zu einer politischen Annäherung. Seit der Unterzeichnung der Abraham-Abkommen mit den Vereinigten Staaten und Bahrain 2020 wird darüber spekuliert, wann weitere arabische Staaten ihre Beziehungen zu Israel normalisieren könnten und wer die wahrscheinlichsten Kandidaten dafür wären.
Prominent gehandelt wurde dabei stets Saudi-Arabien. Medienberichten zufolge soll es inoffiziell bereits höchstrangige Kontakte zwischen den beiden Ländern gegeben haben, bevor dieser Prozess durch den Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und den darauffolgenden Krieg ins Stocken geraten ist.
Nicht nur Israel, sondern auch die USA hegen offenbar die Hoffnung, dass der Konflikt mit den Huthi zu verstärkter militärischer Kooperation zwischen Jerusalem und Riad führen, sondern auch neue diplomatische Möglichkeiten eröffnen könnte. US-Präsident Trump jedenfalls hat sich ganz in diesem Sinne geäußert.
Besonders weitreichende Gedankenspiele sehen in der unmittelbaren militärischen Zusammenarbeit gar den möglichen Nukleus einer neuen regionalen Sicherheitsarchitektur, in der Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und die USA enger zusammenarbeiten.
Saudi-Arabien bleibt zurückhaltend
Solchen optimistischen Vorstellungen steht entgegen, dass Saudi-Arabien eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Israel stets mit konkreten Fortschritten in Richtung einer Zweistaatenlösung im israelisch-palästinensischen Konflikt verknüpft hat.
Ob nach der Knessetwahl Ende Oktober eine etwaige neue Regierungskoalition Schritte dieser Art setzen wird, ist mehr als fraglich. Denn fast das gesamte politische Spektrum in Israel ist sich trotz aller sonstigen Streitfragen in der Ablehnung eines palästinensischen Staates sehr einig. Bei einer Fortsetzung der derzeitigen Regierungskoalition wäre an Fortschritte, wie sie von Saudi-Arabien gefordert werden, jedenfalls nicht zu denken.
Realistischer als weitreichende Vorstellungen über diplomatische Durchbrüche scheint es derzeit, zwei Entwicklungen auseinanderzuhalten. Einerseits gibt es die praktische Sicherheitskooperation Israels und Saudi-Arabiens gegen die gemeinsamen Gegner (die Huthi und das iranische Regime). Andererseits gibt es eine politische Annäherung, die zwar sicherlich zu begrüßen wäre, aber momentan nicht auf der Tagesordnung stehen dürfte.
