Israel befindet sich im offenen Konflikt mit dem iranischen Regime in Teheran, während ein Teil seiner Bevölkerung aus genau diesem Land stammt.
Als Israel in den frühen Morgenstunden des 28. Februars militärische Ziele im Iran angriff, begann eine neue Phase der direkten Konfrontation zwischen den beiden Staaten. Die Angriffe richteten sich nach Medienberichten gegen militärische Infrastruktur und Einrichtungen der Revolutionsgarde, während Teheran mit Raketen- und Drohnenangriffen reagierte. In Israel wurden Luftalarme ausgelöst, die Bevölkerung musste Schutzräume aufsuchen.
Während die internationale Aufmerksamkeit vor allem auf die militärischen Entwicklungen gerichtet ist, betrifft der Konflikt auch eine besondere Gruppe innerhalb der israelischen Gesellschaft: die große Gemeinschaft von Israelis mit iranischen Wurzeln. Für sie ist der Krieg nicht nur ein geopolitisches Ereignis, sondern auch eine Erinnerung an eine Familiengeschichte, die eng mit dem Iran verbunden ist.
Israel beherbergt heute eine der größten Gemeinschaften iranischer Juden außerhalb des Irans. Schätzungen zufolge leben zwischen 200.000 und 250.000 Israelis iranischer Herkunft im Land. Ein Teil dieser Gemeinschaft kam bereits vor der Gründung Israels nach Palästina. Weitere große Einwanderungswellen folgten nach 1948, als Tausende iranische Juden nach Israel emigrierten. Allein zwischen 1948 und 1952 wanderten etwa 22.000 Juden aus dem Iran nach Israel ein.
Die kulturellen Wurzeln dieser Gemeinschaft reichen jedoch wesentlich weiter zurück: Jüdische Gemeinden existieren im Iran seit der Antike und gehören zu den ältesten Diasporagemeinschaften überhaupt. Über viele Jahrhunderte lebten Juden in Städten wie Isfahan, Hamadan, Mashhad oder Shiraz und waren Teil der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen des Landes.
Der entscheidende Wendepunkt für die jüdische Gemeinschaft im Iran kam mit der islamischen Revolution von 1979. Nach dem Sturz des Schahs errichtete Ayatollah Ruhollah Khomeini die Islamische Republik. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch etwa 80.000 Juden im Iran. In den Jahren nach der Revolution verließen Zehntausende davon das Land. Ein Großteil wanderte nach Israel aus, andere gingen in die Vereinigten Staaten oder nach Europa. Schätzungen zufolge emigrierten mehr als 60.000 iranische Juden nach 1979, während heute nur noch eine kleine jüdische Minderheit im Iran lebt.
Kollision von Herkunft und Gegenwart
Gerade in Zeiten militärischer Eskalation zwischen Israel und dem Iran wird die besondere Situation dieser Gemeinschaft sichtbar. Viele Israelis iranischer Herkunft sind vollständig in die israelische Gesellschaft integriert. Gleichzeitig bleiben kulturelle Verbindungen zum Iran bestehen – etwa durch Sprache, Küche oder familiäre Erinnerungen. Einige Angehörige der Gemeinschaft haben noch Verwandte im Iran oder verfolgen die politischen Entwicklungen dort besonders aufmerksam. Der Krieg zwischen Israel und dem Regime der Islamischen Republik wird daher von vielen nicht nur als außenpolitischer Konflikt wahrgenommen, sondern auch als ein Ereignis, das ihre eigene Familiengeschichte berührt.
Trotz der kulturellen Verbindung zum Iran ist die Haltung iranischer Israelis gegenüber der Führung in Teheran klar kritisch. Viele unterscheiden bewusst zwischen der iranischen Bevölkerung und dem politischen System der Islamischen Republik. Sie fühlen sich kulturell weiterhin mit dem Land verbunden, während sie das politische System entschieden ablehnen. Diese Haltung zeigte sich auch während der Protestbewegungen im Iran nach dem Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini im Jahr 2022. Damals unterstützten zahlreiche Mitglieder der iranischen Diaspora weltweit die Demonstrationen gegen das Regime.
Neben Israel leben auch in Europa bedeutende iranische Diasporagemeinschaften. Besonders große Gruppen befinden sich in Deutschland, Großbritannien und Österreich. Viele dieser Exilgemeinschaften sind politisch aktiv und beteiligen sich regelmäßig an Demonstrationen gegen das iranische Regime. Sie fordern demokratische Reformen und einen politischen Umbruch.
Auch in europäischen Hauptstädten wie Berlin oder Wien versammelten sich tausende Demonstranten, um gegen die Politik der Islamischen Republik zu protestieren und um Unterstützung mit der iranischen Bevölkerung zu zeigen. Sie bekunden auch Solidarität mit Israel und Amerika und befürworten die derzeitigen militärischen Operationen. Diese Aktivitäten verdeutlichen, dass die iranische Diaspora weltweit eine wichtige Rolle in der politischen Debatte über die Zukunft des Landes spielt.
Die Geschichte der iranischen Juden zeigt, wie eng persönliche Herkunft und politische Entwicklungen miteinander verbunden sein können. Über Jahrhunderte hinweg lebten jüdische Gemeinden im Iran und waren Teil seiner kulturellen und wirtschaftlichen Landschaft. Heute befindet sich Israel im offenen Konflikt mit dem Regime in Teheran, während ein Teil seiner Bevölkerung aus genau diesem Land stammt. Für Israelis iranischer Herkunft ist der Krieg daher mehr als eine militärische Konfrontation. Er ist auch eine Erinnerung daran, wie eng persönliche Geschichte und geopolitische Realität im Nahen Osten miteinander verwoben sind.
