Wie wird es mit dem Irankrieg weitergehen?

Frauen der iranischen Selbstaufopferungskräfte üben in Teheran die Bedienung einer Flugabwehrkanone
Frauen der iranischen Selbstaufopferungskräfte üben in Teheran die Bedienung einer Flugabwehrkanone (© Imago Images NUR Photo)

Zumindest an einer Stelle ist die Entscheidung bereits gefallen. In Teheran herrscht mittlerweile die feste Überzeugung, dass ein amerikanischer Angriff auf den Iran nicht die Frage ist, ob, sondern wann.

»In Teheran herrscht Kriegsstimmung«, sagte ein regionaler Diplomat, der mit hochrangigen iranischen Beamten gesprochen hatte, gegenüber Mena-Watch. Ein anderer Diplomat erklärte: »Sie sind sich zu 100 Prozent sicher, dass es zum Krieg kommen wird.« Angesichts dieser Einschätzung wird klar, warum die Iraner nicht nur mit einer entschlossenen Reaktion drohen, sondern auch ihre Angriffe verstärken.

Anfang der Woche führte die Islamische Republik einen für die Zeit nach dem – »Operation Roaring Lion« bzw. »Operation Epic Fury« genannten – Krieg ungewöhnlichen Test durch: den Abschuss von 30 ballistischen Raketen. Weder die iranische Regierung noch das Militär gaben eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorgehen ab. Doch die über ganz Iran sichtbaren Rauchspuren sowie die von israelischen und amerikanischen Ortungssystemen erfassten Abschüsse sollten eine Botschaft vermitteln: Die Raketenkapazitäten des Iran sind nach wie vor intakt.

In den letzten Tagen hat die Islamische Revolutionsgarde ihre Angriffe in der Straße von Hormus verstärkt. Seit Anfang Oktober wurden rund dreißig Schiffe getroffen, und der iranische Beschuss in der vergangenen Woche hat zum Untergang mehrerer Tanker und Frachter im Persischen Golf geführt.

Was will Donald Trump?

Der US-Präsident und das US-Militär haben bislang nicht auf die erneuten Angriffe reagiert. In den letzten Tagen hat der Donald Trump wiederholt gedroht, dass »der Krieg mit dem Iran sehr bald enden wird« – eine Aussage, die mittlerweile zur Routine geworden ist. Sebastian Gorka, der leitende Berater des Präsidenten für Terrorismusbekämpfung, sagte vor einigen Tagen gegenüber Mena-Watch, dass »Trump die Iran-Situation lösen wird«.

Die Frage ist jedoch, ob es sich hierbei um Drohungen handelt, die der US-Präsident ausspricht, weil es ihm Spaß macht; ob er psychologischen Druck ausübt, um die Iraner an den Verhandlungstisch zu drängen; oder ob tatsächlich die Möglichkeit besteht, dass seine Worte in Taten münden und der Krieg gegen den Iran wieder in eine heiße Phase eintritt. In einem Punkt herrscht allerdings Einigkeit: Donald Trump ist nicht erpicht darauf, erneut in den Krieg zu ziehen. Mehrfach in den letzten Monaten hat er Angriffe auf den Iran gestoppt, manchmal nur wenige Stunden vor deren geplanter Durchführung.

Dennoch lässt der jüngste Tonfall des amerikanischen Präsidenten in Bezug auf den Iran vermuten, dass er die Islamische Republik als die Wurzel des Übels in der Region betrachtet. Das reicht von seiner – derzeit nicht durch Beweise gestützten – Anschuldigung, der Iran stecke hinter dem im letzten Moment vereitelten Entführungsversuch und Beinahe-Absturz eines Flydubai-Flugzeugs, bis hin zu einem angeblich iranischen Versuch, einen britischen Militärstützpunkt anzugreifen, auf dem amerikanische Bomber stationiert waren.

Für Trump – und angesichts der Bedeutung, die er seinem eigenen Ansehen beimisst – ist es auch eine Frage des Stolzes: Teheran darf ihn nicht demütigen, ihn zum Abzug seiner Truppen zwingen und die Kontrolle über die Straße von Hormus zurückgewinnen. Derzeit fließt noch Öl durch die Meerenge. Im Rahmen einer Operation des US-Zentralkommandos passieren täglich rund zwanzig Millionen Barrel die Wasserstraße: dieselbe Menge wie vor dem Krieg. Deshalb geht man davon aus, dass Trump kein Interesse daran hat, für Unruhe zu sorgen – zumindest bis zu den Zwischenwahlen am 3. November.

Danach, und insbesondere wenn diese Wahlen mit einem Sieg der Demokraten enden, womit sie im Januar die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat übernehmen würden, ist es möglich, dass sich der Präsident vor diesem Datum sagt: »Das ist meine Chance, in den Krieg zurückzukehren und auch eine formelle Genehmigung vom Kongress zu erhalten.«

Und Israel?

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat erklärt, dass er vor den für den 27. Oktober angesetzten Wahlen in Israel keinen Angriff starten wolle. Allerdings behaupten nicht wenige amerikanische Regierungsvertreter, dass er hinter verschlossenen Türen Druck auf den Präsidenten in Washington ausübt, bereits vorher einen Angriff zu starten – ein Schritt, der mit ziemlicher Sicherheit zu einer Verschiebung der Wahlen führen würde.

Die israelischen Streitkräfte und das US-Militär haben in letzter Zeit intensive Planungen durchgeführt, um sich auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass Trump einen Angriff beschließt. Sie befinden sich bereits auf der höchsten Bereitschaftsstufe, doch es gibt immer Spielraum, diese noch weiter zu erhöhen. »Unsere Bereitschaft liegt bei Routineoperationen bei achtzig Prozent, da die Iraner jederzeit einen Überraschungsangriff starten können. Aber wenn wir zuschlagen wollen, können wir noch weitere zwanzig Prozent hinzufügen«, erklärte ein hochrangiger israelischer Beamter gegenüber Mena-Watch.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Sollten die Iraner davon überzeugt sein, dass ein Angriff bevorsteht, könnten sie beschließen, zuerst zuzuschlagen – nachdem sie bei den beiden vorangegangenen Gelegenheiten überrascht wurden. Das würde mit ziemlicher Sicherheit zu einem Krieg führen, der laut israelischen und amerikanischen Drohungen viel kürzer und intensiver sein soll als der vorherige Konflikt.

Der mehrdimensionale Krieg des Iran

Von Kazem Moussavi. Die Islamische Republik Iran führt keinen isolierten Krieg gegen die USA. Sie führt einen Krieg gegen die Sicherheitsordnung der gesamten Region.

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