Die beiden muslimischen Delegierten unterzeichneten 1947 dieselbe Empfehlung des Sonderausschusses für Palästina – doch ihre Unterschriften bedeuteten Unterschiedliches.
Am folgenreichsten wurde die – in Teil 1 geschilderte – unterschiedliche Haltung der beiden Delegierten Nasrollah Entezam und Abdur Rahman in ihrem Umgang mit der arabischen Seite. Das vom Jerusalemer Mufti Hajj Amin al-Husseini dominierte Arabische Hohe Komitee boykottierte den UNSCOP. Dadurch erhielt der Ausschuss keine formelle Aussage der palästinensischen Araber, was ein ernsthaftes Problem darstellte: Empfehlungen, die ohne Anhörung der arabischen Seite zustande kamen, konnten als illegitim abgetan werden.
Der Mufti, der König und der arabische Boykott
Rahman bemühte sich nachdrücklich darum, den Boykott zu beenden, und traf sich mehrmals mit Jamal al-Husseini, einem Cousin des Muftis und stellvertretenden Vorsitzenden des Arabischen Hohen Komitees, der als einer seiner wichtigsten Vertreter in Palästina auftrat. Obwohl al-Husseini kurzzeitig zu einer Aussage bereit schien, lehnte er sie schließlich ab und reiste in den Libanon. Daraufhin drängte Rahman den UNSCOP, anstelle der palästinensisch-arabischen Führung Vertreter der arabischen Staaten anzuhören – eine nachvollziehbare Reaktion darauf, dass der Ausschuss keine direkten Aussagen palästinensischer Araber erhalten konnte. Dennoch war er weiterhin entschlossen, das Arabische Hohe Komitee selbst in den Prozess zurückzuholen und die Anerkennung des Muftis als maßgeblichen Sprecher der palästinensisch-arabischen Sache zu erreichen.
Deshalb versuchte er, die Anhörungen nach Ägypten zu verlegen, wo Hajj Amin auftreten und den Boykott beenden könnte. Damit wäre ein Führer, dessen fanatischer Antisemitismus und Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland während des Krieges bereits berüchtigt waren, vor den Vereinten Nationen zum anerkannten Sprecher der Araber Palästinas aufgewertet worden.
Entezam widersetzte sich diesem Manöver. Er glaubte, eine solche Aufwertung des Muftis würde der arabischen Sache schaden, und drängte stattdessen darauf, die arabischen Regierungen im Libanon anzuhören. Nach wiederholten Gesprächen mit dem Ausschussvorsitzenden Emil Sandström und Kontakten zum libanesischen Konsul setzte sich Entezam durch. Die Anhörungen fanden im Libanon statt, fern vom Mufti.
Die Anhörungen im Libanon zeigten jedoch, wie wenig sich die Haltung der arabischen Staaten von jener des Muftis unterschied. Obwohl ihre Vertreter einen gemäßigteren Ton anschlugen, forderten auch sie einen einzigen unabhängigen arabischen Staat in ganz Palästina und lehnten nicht nur einen jüdischen Staat, sondern auch jüdische territoriale Autonomie ab. Sie erklärten, einige der bereits in Palästina lebenden Juden dürften möglicherweise bleiben, während die anderen das Land verlassen müssten, und wandten sich gegen jede weitere jüdische Einwanderung.
Außerdem warnten sie, die Gründung eines jüdischen Staates werde zum Krieg führen. Auf die Frage, ob sie selbst einen unter der Autorität der Vereinten Nationen geschaffenen jüdischen Staat als einen »mit Gewalt errichteten« Staat betrachten würden, wichen sie einer direkten Antwort aus. Die Bedeutung war jedoch unmissverständlich: Eine solche Entscheidung würde mit Gewalt bekämpft werden.
Die beiden Männer unterschieden sich auch in ihrer Haltung gegenüber König Abdullah von Transjordanien. Rahman traf den König zu Beginn der Untersuchung und gelangte zu dem Schluss, dass dieser den Grundsatz der Teilung akzeptieren könnte – nicht um einen unabhängigen palästinensisch-arabischen Staat zu schaffen, sondern weil er hoffte, die arabischen Gebiete Palästinas seinem eigenen Königreich einverleiben zu können. Abdullah akzeptierte nicht unbedingt die genauen Grenzen eines möglichen Teilungsplans und erhob auch Anspruch auf Jerusalem, war aber bereit, neben einem vergrößerten Transjordanien einen jüdischen Staat zu dulden. Von diesem Zeitpunkt an versuchte Rahman, Kontakte zwischen dem König und dem Ausschuss zu verhindern. Ein arabischer Herrscher, der bereit war, eine Teilung in Betracht zu ziehen, gefährdete den Anschein einer geschlossenen arabischen Ablehnungsfront.
Entezam schlug den entgegengesetzten Kurs ein. Im Verborgenen wurde er zu einem Vermittler zwischen Abdullah und dem UNSCOP, über den der König zumindest einige seiner Botschaften an den Ausschuss übermittelte. Am 24. Juli, nach den Anhörungen im Libanon, brachten drei von Abdullah entsandte Flugzeuge sieben Ausschussmitglieder – darunter Entezam, nicht aber Rahman – nach Amman. Der Vorsitzende Emil Sandström bezeichnete die Reise als inoffiziellen Besuch. Während des formellen Gesprächs wich Abdullah konkreten Festlegungen aus und erklärte lediglich, mehrere Lösungen seien denkbar und die Rechte der Araber müssten geschützt werden.
Im Privaten zeigte sich seine Regierung offener. Ministerpräsident Samir al-Rifai räumte ein, dass die Juden jede Lösung ablehnen würden, die ihnen einen eigenen Staat verweigerte. Er versprach allen bereits in Palästina lebenden Juden gleiche Rechte und bezeichnete die Drohung der arabischen Staaten, eine Entscheidung der Vereinten Nationen mit Gewalt zu bekämpfen, als gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an die UNO. Britische Berichte deuteten später darauf hin, dass Abdullah die Teilung als einzig praktikable Lösung betrachtete – vorausgesetzt, das vorgesehene arabische Gebiet könnte Transjordanien einverleibt werden.
Rahman war außer sich darüber, dass der Besuch hinter seinem Rücken stattgefunden hatte. Sein Zorn war aus verfahrensrechtlicher Sicht verständlich, doch politisch offenbarte die Episode den Unterschied zwischen den beiden Delegierten. Entezam lotete die Spaltungen innerhalb des arabischen Lagers auf der Suche nach einem tragfähigen Kompromiss aus; Rahman versuchte, sie zu unterdrücken, um den Anschein einer kompromisslosen gemeinsamen Front zu wahren.
Gleiche Unterschriften, gegensätzliche Schlussfolgerungen
Der Druck auf beide Männer war beträchtlich. Arabische Regierungen warnten den Iran davor, von ihrer Position abzuweichen, und Teheran wies Entezam an, einen Konflikt mit der Arabischen Liga zu vermeiden. Rahman wiederum erlebte die Teilung seines eigenen Landes. Seine Familie floh in letzter Minute aus Delhi ins – mittlerweile pakistanische – Lahore und verlor inmitten der Gewalt ihren gesamten Besitz. Er sorgte sich um ihre Sicherheit und sogar darum, ob die Teilung Indiens seinen Sitz im UN-Ausschuss ungültig machen würde.
Nachdem der UNSCOP seine Anhörungen und Reisen in Palästina und den benachbarten arabischen Staaten abgeschlossen hatte, trat er im August 1947 in Genf erneut zusammen, um über die Zukunft Palästinas zu beraten und seinen Abschlussbericht auszuarbeiten.
Rahman befürwortete zunächst einen einzigen arabischen Staat, der ganz Palästina umfassen sollte und in dessen Parlament den Juden ein Drittel der Sitze garantiert würde. Seine Haltung bestand bereits vor den schlimmsten Erschütterungen im Zusammenhang mit der Teilung Indiens und entsprach der festgelegten Regierungspolitik. Nehru hielt einen arabischen Einheitsstaat theoretisch für gerechtfertigt, unter den gegebenen Umständen jedoch für politisch unrealistisch, und wies Rahman deshalb an, als Kompromiss eine föderale Lösung zu akzeptieren. Rahman verhandelte den Minderheitenvorschlag anschließend geschickt und drohte zeitweise damit, einen eigenen Bericht zugunsten eines arabischen Einheitsstaates vorzulegen, falls seine Partner keine weiteren Zugeständnisse machten.
Der daraus hervorgegangene föderale Plan sah einen arabischen und einen jüdischen Gliedstaat unter einer Zentralregierung vor, die für die Außenpolitik, die nationale Wirtschaftspolitik und – entscheidend – die Einwanderung zuständig sein sollte. Da die Araber auf Bundesebene dauerhaft die Mehrheit behalten würden, könnten sie die jüdische Einwanderung begrenzen und verhindern, dass die Juden in Palästina zur Mehrheit würden. Das dem jüdischen Gliedstaat zugewiesene Gebiet war klein und zerstückelt, während Jerusalem anstelle einer international verwalteten Stadt zur Bundeshauptstadt werden sollte. Der Plan erkannte somit begrenzte kollektive und territoriale Rechte der Juden an, machte eine jüdische Souveränität und eine künftige jüdische Mehrheit jedoch faktisch unmöglich.
Selbst diese Zugeständnisse genügten der palästinensisch-arabischen Führung nicht. Hajj Amin al-Husseini lehnte die Empfehlungen der Minderheit kategorisch ab, und die arabischen Staaten folgten seinem Beispiel.
Der Mufti verurteilte den föderalen Plan als »getarnte Teilung« und beschrieb ihn später in seinen Memoiren als Versuch, arabisches Land und Eigentum zu stehlen. Er lehnte jede Regelung ab, die den Juden eine offizielle nationale Anerkennung oder einen territorialen Brückenkopf in Palästina verschafft hätte. Dass der Plan auch nur eine begrenzte jüdische Einwanderung in den jüdischen Gliedstaat vorsah, bestätigte ihn lediglich in seiner Überzeugung, der Minderheitenvorschlag sei ebenso wie die Teilung Teil eines »imperialistisch-zionistischen Komplotts«. Ein Sprecher des Arabischen Hohen Komitees zeigte sich sogar erstaunt darüber, dass der indische Vertreter »es sich erlaubt« hatte, den Vorschlag zu unterzeichnen.
Diese Reaktion offenbarte die nicht zuletzt durch Nehrus Anweisung entsandene Distanz zwischen Rahman und jener Führung, deren Position er während der gesamten Untersuchung verteidigt hatte. Rahman betrachtete den föderalen Plan als erhebliches Zugeständnis an die Juden; Entezam dagegen hielt ihn für übermäßig restriktiv. Der Iraner hatte zeitweise Unterstützung für die Teilung erkennen lassen, befürwortete einen Kompromiss über Jerusalem und schien im Privaten für eine umfangreiche jüdische Einwanderung offen zu sein. Zudem setzte er sich entschlossen dafür ein, dass der UNSCOP keinen ergebnislosen Bericht ohne Empfehlungen vorlegte – möglicherweise weil er wollte, dass der Teilungsvorschlag der Mehrheit die weitere Entwicklung beeinflussen konnte, selbst wenn der Iran ihn nicht offiziell unterstützen durfte.
Am Ende unterzeichneten Iran, Indien und Jugoslawien den föderalen Minderheitenbericht, während sieben Ausschussmitglieder die Teilung empfahlen und Australien sich enthielt. Am 29. November 1947 nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine modifizierte Fassung des Teilungsvorschlags als Resolution 181 an. Sowohl der Iran als auch Indien stimmten dagegen.
Die Symmetrie hielt nicht lange an. Der Iran erkannte Israel 1950 de facto an und entwickelte unter dem Schah eine diskrete, aber strategisch bedeutende Beziehung zum jüdischen Staat. Indien nahm erst 1992 vollständige diplomatische Beziehungen auf, baute später jedoch ebenfalls eine enge Partnerschaft mit Israel auf. Nach der Islamischen Revolution im Iran schienen sich ihre historischen Positionen beinahe umzukehren: Indien näherte sich Israel stetig an, während Teheran die Feindschaft gegenüber dem Zionismus zu einem zentralen Prinzip des Regimes machte.
Diese spätere Entwicklung macht die beiden muslimischen Delegierten von 1947 besonders aufschlussreich. Rahman und Entezam setzten ihre Namen unter dieselbe Empfehlung, doch ihre Unterschriften bedeuteten etwas Unterschiedliches. Der eine hatte die arabische Maximalforderung verteidigt, bis er angewiesen wurde, einen taktischen Rückzug zu akzeptieren. Der andere war der arabischen Linie gefolgt, obwohl ihn seine Eindrücke zunehmend in Richtung jüdischer Staatlichkeit und politischer Kompromissbereitschaft führten. Im UNSCOP war Indiens Vertreter der entschlossenere Gegner des Zionismus; Irans Vertreter war jener muslimische Diplomat, der am ehesten verstand, weshalb ein jüdischer Staat unausweichlich geworden war.
