Die beiden Muslime im UN-Sonderausschuss für Palästina kamen 1947 zum selben Schluss, was die Zukunft des Mandatsgebiets betrifft – allerdings aus gänzlich unterschiedlichen Gründen.
Im Sommer 1947 entsandten die Vereinten Nationen Vertreter aus elf Staaten in das britische Mandatsgebiet Palästina, um den zunehmend gewalttätigen Konflikt zwischen der arabischen und der jüdischen Nationalbewegung über die politische Zukunft des Gebiets zu untersuchen. Der Sonderausschuss der Vereinten Nationen für Palästina (UNSCOP) bereiste das ganze Land, besuchte arabische und jüdische Gemeinden, besichtigte Schulen, Spitäler und Kibbuzim und befragte politische Führer, Beamte und einfache Einwohner, bevor er Empfehlungen für die Zeit nach dem Ende der britischen Herrschaft ausarbeitete.
Seine Mitglieder vertraten Australien, Kanada, die Tschechoslowakei, Guatemala, Indien, Iran, die Niederlande, Peru, Schweden, Uruguay und Jugoslawien. Unter ihnen befanden sich der iranische Diplomat Nasrollah Entezam und der indische Richter Sir Abdur Rahman, die einzigen beiden muslimischen Mitglieder des Ausschusses. Obwohl sie sich der Palästinafrage aus deutlich unterschiedlichen Perspektiven näherten, unterzeichneten sie schließlich denselben Minderheitenbericht, der anstelle einer Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Staat einen föderalen Staat vorschlug.
Diese Übereinstimmung verdeckt jedoch eine tiefere und aufschlussreichere Kluft. Rahman übernahm weitgehend die Sichtweise des Arabischen Hohen Komitees, des wichtigsten politischen Organs der palästinensischen Araber, das vom Jerusalemer Mufti Hajj Amin al-Husseini aus dem Exil geführt wurde, und betrachtete den Zionismus als ein koloniales Projekt, das abzulehnen sei. Entezam kam mit einem offiziell proarabischen Mandat nach Palästina, zeigte sich jedoch zunehmend vom jüdischen Nationalprojekt beeindruckt und war im Privaten offen für einen Kompromiss. Für Rahman machte der föderale Plan den Juden zu viele Zugeständnisse; für Entezam waren es zu wenige.
Ihre gegensätzlichen Wege werfen nicht nur Licht auf die internen Abläufe des UNSCOP, sondern auch auf einen vergessenen historischen Moment, in dem Iran und Indien dem entstehenden jüdischen Staat ganz anders gegenüberstanden, als es ihre späteren Rollen vermuten lassen würden.
Die Stimme der arabischen Sache
Sir Abdur Rahman war ein angesehener Jurist, Hochschulverwalter und gläubiger Muslim mit engen Verbindungen zu Jawaharlal Nehrus Indischem Nationalkongress. Er wurde 1888 in Delhi geboren, begann dort 1908, als Anwalt zu praktizieren, und amtierte später als Vizekanzler sowohl der Universität Delhi als auch der Universität des Punjab sowie als Richter an den Obergerichten von Madras und Lahore.
Seine Ernennung in den UNSCOP war kein Zufall: Die indische Regierung stand dem Zionismus von Anfang an ablehnend gegenüber und hatte in der Palästinafrage eine entschieden proarabische Haltung eingenommen.
Diese Politik beruhte sowohl auf innen- als auch auf außenpolitischen Erwägungen. Im Inland nahm die Regierung Rücksicht auf Indiens große muslimische Minderheit, die die Araber in Palästina nachdrücklich unterstützte; international hoffte Nehru, einen einflussreichen asiatisch-arabischen Block aufzubauen, der in der Weltpolitik eine zentrale Rolle spielen könnte. Obwohl er vorgab, »große Sympathie« für die Juden zu empfinden, und die Leistungen des Zionismus in Palästina bewunderte, beharrte Nehru darauf, dass das umstrittene Gebiet grundsätzlich arabisch sei – eine Realität, die sich seiner Ansicht nach nicht ändern lasse. Seine bevorzugte Lösung war daher ein unabhängiger arabischer Staat mit einem autonomen jüdischen Gebiet.
Rahman musste kaum dazu gedrängt werden, diese Politik umzusetzen. Nachdem das Arabische Hohe Komitee einen Boykott des UNSCOP verkündet und sich geweigert hatte, den Standpunkt der palästinensischen Araber unmittelbar darzulegen, übernahm er innerhalb des Ausschusses die Rolle ihres maßgeblichen Fürsprechers. Er unterhielt regelmäßige Kontakte zu arabischen Führern inner- und außerhalb Palästinas, versuchte erfolglos, das Arabische Hohe Komitee zur Beendigung seines Boykotts zu bewegen, und bemühte sich später darum, die Aussagen der umliegenden arabischen Staaten zu koordinieren. Sein Auftreten war konfrontativ und mitunter von Zorn geprägt. Paul Mohn, der stellvertretende schwedische Delegierte, verglich ihn mit einem rasenden Stier, der auf das rote Tuch der Juden losstürme.
Rahmans Befragung David Ben-Gurions bei einer öffentlichen Anhörung am 7. Juli 1947 im Jerusalemer YMCA brachte dieses Temperament anschaulich zum Ausdruck. David Ben-Gurion, Vorsitzender der Exekutive der Jewish Agency und wichtigster politischer Vertreter des Jischuw, der jüdischen Gemeinschaft im britischen Mandatsgebiet Palästina, trat vor den UNSCOP, um den zionistischen Standpunkt darzulegen. Rahman verlangte wiederholt kurze und präzise Antworten zur Balfour-Deklaration, jener Erklärung von 1917, in der sich die britische Regierung für »die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina« aussprach, während Ben-Gurion darauf bestand, auf seine eigene Weise zu antworten.
Als Rahman andeutete, der zionistische Anspruch auf Palästina beruhe auf dieser Erklärung, erwiderte Ben-Gurion, das jüdische Recht auf das Land bestehe seit 3.500 Jahren und Großbritannien habe es lediglich anerkannt. Anschließend stritten die beiden über den Unterschied zwischen »Palästina als nationale Heimstätte« und der tatsächlichen Formulierung der Deklaration, »eine nationale Heimstätte in Palästina« – also darüber, ob die jüdische Heimstätte das gesamte Land oder nur einen Teil davon umfassen sollte.
Rahman versuchte nachzuweisen, dass die Deklaration niemals jüdische Souveränität versprochen hatte. Er berief sich auf prominente britische Juden, die sie abgelehnt hatten, darunter Edwin Montagu und Sir Philip Magnus, und zitierte die Definition des Völkerrechtlers Norman Bentwich, wonach eine nationale Heimstätte ein Gebiet sei, in dem ein Volk eine anerkannte Rechtsstellung genieße, ohne politische Souveränität zu besitzen. Außerdem befragte er Ben-Gurion zu früheren Entwürfen der Deklaration und zu Beratungen im britischen Kabinett.
Ben-Gurion antwortete wiederholt, er besitze keine unmittelbare Kenntnis der Verhandlungen, und schlug Rahman vor, solche Fragen an Chaim Weizmann zu richten, der daran beteiligt gewesen war und noch vor dem Ausschuss aussagen sollte. Als Rahman weiter auf ihn eindrang, bemerkte Ben-Gurion pointiert, er sei damals ein junger Mann und einfacher Soldat gewesen, nicht Mitglied des britischen Kabinetts. Dennoch wies er die Behauptung zurück, Bentwichs Auslegung solle die politische Bedeutung der Deklaration für die zionistische Bewegung bestimmen.
Ihr Wortwechsel wurde so hitzig, dass Nasrollah Entezam sich mit einem Antrag zur Geschäftsordnung einschaltete – nicht um einen der beiden Männer zu unterstützen, sondern um das Publikum aufzufordern, keine Zustimmung oder Missbilligung mehr zu äußern. Ben-Gurion schloss sich dem Appell des Iraners umgehend an. Diese kurze Intervention spiegelte Entezams umfassendere Rolle wider. Wo Rahman konfrontierte, mäßigte Entezam. Wo Rahman die Anhörung als einen Rechtsstreit behandelte, den es zu gewinnen galt, betrachtete Entezam sie als ein politisches Problem, das eine erreichbare diplomatische Lösung erforderte.
Ein widerwilliger Gegner der Teilung
Nasrollah Entezam gehörte zur alten kosmopolitischen Diplomatenelite Irans. Der erfahrene und liberal gesinnte Diplomat hatte in Paris, Warschau, Bern und London gedient. 1945 hatte er den Iran auf der Gründungskonferenz der Vereinten Nationen in San Francisco vertreten und war 1947 zum ständigen Vertreter seines Landes bei der Organisation ernannt worden. Entezam war kein Zionist und näherte sich der Palästinafrage zunächst aus einer grundsätzlich proarabischen Haltung. Doch anders als Rahman ließ er zu, dass seine Eindrücke während der Untersuchung sein Urteil veränderten.
Kurz nachdem der UNSCOP seine Arbeit in Jerusalem aufgenommen hatte, soll Entezam dem iranischen Konsul vertraulich gesagt haben: »Wir werden mit den Juden zu einer Verständigung kommen müssen.« Die zionistische Führung sorgte dafür, dass der Ausschuss nicht bloß politische Forderungen, sondern die Institutionen einer im Aufbau befindlichen Gesellschaft zu sehen bekam: Kibbuzim, Moschawim, Schulen, Spitäler und eine zunehmend leistungsfähige Verwaltung. Entezam zeigte sich von der organisatorischen Stärke und der Entwicklung des Jischuw tief beeindruckt.
Die Jewish Agency verstand auch die Bedeutung persönlicher Begegnungen. Die Delegierten wurden jüdischen Einwohnern vorgestellt, die ihre jeweiligen Sprachen beherrschten, und im Hadassah-Spital traf Entezam unerwartet einen Chirurgen wieder, der ihn einst am Ohr operiert hatte. Solche Begegnungen verliehen dem politischen Anliegen, das ihm vorgetragen wurde, eine menschliche Dimension. Bei einer anderen Gelegenheit bemerkte er nicht, dass sich ein persisch sprechendes Mitglied der Haganah – der wichtigsten jüdischen paramilitärischen Organisation im britischen Mandatsgebiet Palästina und Vorläuferin der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte – in der Nähe befand. Entezam soll zu seinem Stellvertreter Ali Ardalan gesagt haben: »Was für Esel die Araber sind! Das Land ist so schön und könnte entwickelt werden; gäbe man es vollständig den Juden, würden sie Europa daraus machen.«
Sein Wortwechsel mit Ben-Gurion unterschied sich dementsprechend von demjenigen Rahmans. Entezam zeigte sich bewegt, als Ben-Gurion Kyros den Großen erwähnte, jenen persischen Herrscher, der den Juden im sechsten Jahrhundert v. Chr. die Rückkehr aus dem babylonischen Exil gestattet hatte. Vier Tage später erklärte Entezam, Ben-Gurions Anspielung auf den persischen Herrscher habe ihn »sehr berührt«, und erinnerte daran, dass Persien dem Volk Israel damals einen Dienst erwiesen habe.
Anschließend fragte er, ob der entscheidende Unterschied zwischen Arabern und Juden letztlich im Zeitpunkt der Staatsgründung liege: Die Araber wollten unter den bestehenden demografischen Verhältnissen sofort einen unabhängigen demokratischen Staat, während die Juden die Unabhängigkeit erst nach Erlangung einer Mehrheit anstrebten. Ben-Gurion widersprach dieser Darstellung. Der arabische Vorschlag, so argumentierte er, würde die Juden einer arabischen Mehrheit unterstellen und ihre Einwanderungs- und Niederlassungsmöglichkeiten beschränken. Dem stellte er das Recht der Juden auf Rückkehr und den Anspruch des jüdischen Volkes gegenüber, als gleichberechtigter Partner in der Völkerfamilie anerkannt zu werden.
Entezams Frage war skeptisch, aber nicht feindselig. Sie erkannte beide Gemeinschaften als politische Akteure an und suchte genau jenen Punkt zu bestimmen, an dem ihre Forderungen unvereinbar wurden.
