»NAZA«: Die Zeitung Guardian und der Regisseur Yuval Abraham passen gut zusammen

Die beiden »Naza-Filmemacherinnen, Rachel Szor und Yuval Abraham
Die beiden »Naza-Filmemacherinnen, Rachel Szor und Yuval Abraham (© Imago Images / ZUMA Press)

Yuval Abrahams Film »NAZA« wurde just von jener britischen Tageszeitung produziert, in der der Regisseur 2025 eine der dreistesten Manipulationen des Gaza-Krieges publizieren durfte.

Bei den Filmfestspielen in Venedig wurde der vom britischen Guardian produzierte und von den beiden Regisseuren Rachel Szor und Yuval Abraham gemachte Film »NAZA« mit einem Sonderpreis der Jury belohnt und vom anwesenden Publikum mit fünfundzwanzig Minuten anhaltendem Applaus bedacht. In ihm kommen 24 Whistleblower zu Wort, israelische Soldaten oder Geheimdienstmitarbeiter, die schwere Vorwürfe gegen die israelische Kriegsführung im Gazastreifen erheben.

Ob es sich bei »NAZA« wirklich, wie stets behauptet, um einen Dokumentarfilm handelt, kann niemand mit Sicherheit sagen. Denn die Interviewten bleiben anonym, und zu den angeführten Vorfällen fehlen jegliche Informationen, die eine Überprüfung der Vorwürfe ermöglichen würden. Ob sie überhaupt und in der erzählten Art und Weise stattgefunden haben, wissen wir schlicht nicht.

Im bislang einzigen – und teils hitzigen – Interview Yuval Abrahams mit einem israelischen Medium seit der Veröffentlichung des Films beteuerte der Regisseur die Stichhaltigkeit der Aussagen, sie alle seien vom Guardian und den Filmemachern verifiziert worden: »Die Identität der Personen wurde überprüft, und die von ihnen besprochenen Fälle wurden ebenfalls überprüft.«

Das Publikum ist also darauf angewiesen, dem Guardian und den Filmemachern blind zu vertrauen. Die Frage lautet also: Verdienen sie dieses Vertrauen?

Rückblick

Im August 2025 sorgte ein Artikel für Aufsehen, der aufzeigen sollte, dass 83 Prozent der Opfer im Gazastreifen Zivilisten gewesen seien. Das sei eine »extrem hohe Zahl«, »selbst im Vergleich zu Konflikten, die für wahlloses Töten berüchtigt sind, darunter die Bürgerkriege in Syrien und im Sudan.« Eine Datenbank des israelischen Militärs würde die Zahl belegen. Die Geschichte wurde weltweit breit rezipiert. Auf Wikipedia ist die Behauptung über die 83 Prozent zivilen Opfer genauso zu finden wie (gleich zwei Mal) in dem vielzitierten Bericht einer UN-Untersuchungskommission, der Israel des Völkermords bezichtigt.

Die Sache hatte allerdings einen Haken. Hinter der schauerlichen Behauptung, dass vier von fünf Getöteten im Gazastreifen Zivilisten gewesen seien, ging ein nicht unbedeutendes Detail verloren: Die in dem Artikel angeführte Zahl von siebzehn Prozent war nicht etwa der Gesamtanteil der Kombattanten unter den Opfern, sondern lediglich die Zahl der namentlich bekannten Hamas-Mitglieder unter den Toten. Alle anderen Kombattanten, deren Namen nicht bekannt waren, wurden so kurzerhand zu Zivilisten erklärt.

Wenn also ein Palästinenser getötet wurde, während er gerade eine Panzerfaust auf israelische Soldaten abfeuerte, aber nicht identifiziert werden konnte oder nicht in einer (unvollständigen) Namensdatenbank an Hamas-Mitgliedern zu finden war, galt er dem besagten Beitrag zufolge als Zivilist.

In dem Artikel wurde nicht direkt gelogen: Wahrscheinlich gab es die behauptete Datenbank, und vermutlich stimmten auch die angegebenen Zahlen, aber die Informationen wurden so unseriös präsentiert, dass am Ende die glatte Falschbehauptung überblieb, die dem Artikel als Überschrift vorangestellt wurde und sodann weltweit verbreitet wurde: »Enthüllt: Eigene Daten des israelischen Militärs weisen auf eine zivile Todesrate von 83% im Gaza-Krieg hin«.

Salo Aizenberg von der medienkritischen Organisation Honest Reporting, der sich wie kaum ein anderer in die Analyse der Opferzahlen des Krieges gegen die Hamas vertieft hat, urteilte über dieses Vorgehen zurecht: »Dies ist keine schlampige Analyse oder ein unschuldiger Fehler, sondern eine absichtliche Manipulation von Zahlen, um eine falsche Anschuldigung … Israels zu konstruieren.«

Zurück in die Gegenwart

Warum ich auf diese Geschichte so ausführlich eingehe? Ganz einfach: Erschienen ist der diskutierte Artikel im August 2025 im Guardian, und einer seiner beiden Autoren war Yuval Abraham.

Just der Regisseur, der vom Publikum seines aktuellen Filmes verlangt, ihm blind zu vertrauen, war also der Urheber einer der dreistesten Manipulationen, die während des Gaza-Krieges international propagiert wurden, um Israel auf die Anklagebank zu bringen. Dieses Vorhaben setzt er jetzt mit einem Film fort, der von genau jener – durch und durch israelfeindlichen – Zeitung produziert wurde, die seine manipulative Falschbehauptung damals groß herausgebracht hat.

Der Guardian und Abraham passen bestens zusammen, aber sie haben mit Sicherheit keinen Anspruch auf das Vertrauen einer Öffentlichkeit, dessen sie sich mit ihren Manipulationen als unwürdig erwiesen haben.

Das ist ein Auszug aus dem jüngsten Mena-Watch-Newsletter vom 23. September. Wenn Sie unseren Newsletter künftig immer schon am Mittwochnachmittag erhalten wollen, melden Sie sich hier an.

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