Während die israelische Einstellung gegenüber Europa schlechter wird, gab eine deutliche Mehrheit der Befragten gab an, der jüdische Staat sei sicherer für Juden als der europäische Kontinent.
Drei Jahre nach dem 7. Oktober 2023 wird Europa laut einer aktuellen Umfrage in Israel immer skeptischer gesehen. Als Resultat dessen neigen die Israelis zunehmend dazu, ihr Land eher als Teil des Nahen Ostens denn als Teil Europas zu betrachten. Die Ergebnisse liefern einen Einblick, wie das Hamas-Massaker und die damit ausgelösten regionalen Konflikte die Wahrnehmung der Israelis hinsichtlich ihres Platzes in der Welt sowie ihre Ansichten zur Sicherheit der Juden und zu Israels internationalen Beziehungen verändert haben.
Das Barometer 2026 der Hebräischen Universität und des Europäischen Forums unter der Leitung von Gisela Dachs befragte Israelis sowie Einwohner Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Polens zu ihrer gegenseitigen Wahrnehmung. Unter den israelischen Befragten beschrieben 42 Prozent Israel eher als ein Land des Nahen Ostens, während 18 Prozent angaben, es sei eher europäisch. Besonders ausgeprägt war dieser Wandel bei den israelischen Arabern, bei denen sich der Anteil derjenigen, die Israel eher als nahöstlich einstufen, seit 2022 mehr als verdreifacht hat.
Die Umfrageergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Beziehungen Israels zu Europa aufgrund des Krieges gegen die Hamas im Gazastreifen, der europäischen Kritik an der israelischen Politik sowie Meinungsverschiedenheiten über die Sicherheit Israels und die Zukunft des Nahen Ostens zunehmend verschärft haben. Das Barometer 2026 ergab zudem eine erhebliche Kluft zwischen Israelis und Europäern hinsichtlich der Wahrnehmung der Sicherheit von Juden. Eine deutliche Mehrheit der israelischen Befragten gab an, Israel sei für Juden sicherer als Europa, während die Meinungen der europäischen Befragten geteilter waren. Unter den befragten europäischen Ländern wies Polen mit 35 Prozent den höchsten Anteil an Befragten auf, die angaben, Israel sei für Juden sicherer.
Zunehmend skeptisch
Gleichzeitig stehen die Israelis der Europäischen Union zunehmend skeptisch gegenüber. Im Vergleich zu 2024 stimmte ein größerer Anteil der israelischen Befragten der Aussage »Die EU ist im Allgemeinen ein Erfolg« nicht zu, insbesondere unter den jüdischen Israelis. Die Umfrage deutet zudem auf eine pragmatische Haltung der jüdischen Israelis gegenüber der politischen Rechten in Europa hin. Wie bereits 2024 gaben viele jüdische Befragte aus Israel an, das Land solle Beziehungen zu europäischen rechtsextremen Parteien aufrechterhalten, sofern diese Israel unterstützen. Auch in Deutschland sahen weniger Befragte als im Jahr 2024 den Aufstieg der Alternative für Deutschland (AfD) als gefährliche Entwicklung an.
Deutschland ist nach wie vor das europäische Land, das von Israelis am häufigsten als Freund Israels angesehen wurde, gefolgt von Ungarn. Die Niederlande verzeichneten hingegen einen starken Rückgang ihres Ansehens und gehören nun zu den europäischen Ländern, die Israelis als am wenigsten freundlich einschätzen. Frankreich und Spanien wurden von den israelischen Befragten am häufigsten als antisemitische Länder in Europa genannt. Die Umfrage ergab zudem, dass 67 Prozent der jüdischen Israelis glauben, das heutige Deutschland sei ein »anderes Deutschland« als das Land, das vor 1945 existierte – ein Rückgang gegenüber 75 Prozent im Jahr 2024.
»Das Barometer fängt einen Moment tiefgreifender Neubewertung ein«, sagte Studienleiterin Dachs. »Drei Jahre nach dem 7. Oktober überdenken die Israelis nicht nur Fragen der Sicherheit und Identität, sondern auch ihr Verhältnis zu Europa und den politischen Kräften, die es prägen.« An der Umfrage nahmen 1.003 Israelis sowie jeweils 1.000 Personen in jedem der vier europäischen Länder teil. Die Feldarbeit in Europa wurde im Juni und Juli 2026 durchgeführt, während die israelische Umfrage im Mai stattfand. Die Umfrage wies einen Stichprobenfehler von 3,1 Prozentpunkten auf.
