»Eine ganze Nation senkt den Kopf und trauert«: Israel begeht Gedenktag für 7. Oktober

Israel begeht den Gedenktag für die Opfer des 7. Oktober 2023
Israel begeht den Gedenktag für die Opfer des 7. Oktober 2023 (© Imago Images / UPIphoto)

Israel setzte gestern um 6:29 Uhr seine Flaggen auf Halbmast, um die Gedenkfeiern zu Ehren der gefallenen Soldaten und Opfer des Angriffs von 2023 einzuleiten.

Joshua Marks

Der israelische Präsident Isaac Herzog eröffnete am Montag den nationalen Gedenktag für den 7. Oktober 2023. Um 6:29 Uhr – genau in der Minute, in der der Angriff begann – setzte er die israelische Flagge an der Präsidentenresidenz in Jerusalem auf Halbmast. Die sei »ein Zeichen des Gedenkens und der Ehrung für die Ermordeten und Gefallenen des Terroranschlags vom 7. Oktober und des [darauffolgenden] ›Kriegs der eisernen Schwerter‹«, schrieb Herzog in einer Erklärung.

Israel gedenke, fuhr Herzog fort, »der Frauen, der Männer, der Kinder, der Säuglinge, der älteren Menschen, der Zivilisten und der Soldaten, die bei dem Terroranschlag und im Krieg ermordet wurden und gefallen sind. An diesem Tag würdigen wir auch all jene, die an Körper und Seele verwundet wurden und die Wunden des 7. Oktober und des Krieges tragen – auch noch heute.«

Auch vor der Knesset wurden die Flaggen um 6:29 Uhr auf Halbmast gesetzt. An der Zeremonie nahmen hochrangige Vertreter der Parlamentsführung teil, die Kränze an den Denkmälern auf dem Platz vor dem Parlament niederlegten, die den gefallenen Soldaten und den Opfern feindlicher Handlungen gewidmet sind.

Nationaler Gedenktag

Der nationale Gedenktag für die Katastrophe vom 7. Oktober und den Krieg »Schwerter aus Eisen« wird jährlich am 24. Tischri begangen (und verschiebt sich auf den 25., falls dieser Tag auf den Schabbat fällt). Das hebräische Datum fiel in diesem Jahr auf Montag, den 5. Oktober, und markiert den dritten Jahrestag der Anschläge von 2023.

Der Tag ist der Trauer um die bei den Massakern Ermordeten und die im Krieg »Eiserne Schwerter« Gefallenen gewidmet sowie der Ehrung derjenigen, die körperlich und seelisch verletzt wurden. Später am Montag hielt Herzog bei staatlichen Gedenkfeiern auf dem Mount Herzl eine Rede zu Ehren gefallener Soldaten und Terroropfer und richtete anschließend in der Präsidentenresidenz den »Salon Otef« aus. Dessen Schwerpunkt lag auf der Geschichte von Omri und Lishay Miran. Omri wurde im Oktober 2025 freigelassen und mit seiner Frau Lishay Miran-Lavi sowie ihren beiden Töchtern wiedervereint, nachdem er mehr als zwei Jahre in der Gefangenschaft der Hamas im Gazastreifen verbracht hatte.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nahm am Montagmorgen an einer staatlichen Gedenkfeier auf dem Mount Herzl in Jerusalem teil. Diese fand im Bereich »Große Führer der Nation« statt, wo Mitglieder der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und der Sicherheitsdienste geehrt wurden, die während des »Kriegs der Wiedergeburt« ums Leben gekommen waren, wie der Gaskrieg am 19. Oktober 2025 offiziell benannt wurde.

Netanjahu erklärte, dass Israel drei Jahre nach den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023 »stärker denn je« sei, und fügte hinzu: »Selbst jetzt sind uns die schrecklichen Stunden des Simchat-Torah-Massakers noch tief ins Gedächtnis eingebrannt. Jeder, der an dem Angriff auf uns beteiligt war und unsere Geiseln festhielt, lebt auf geliehene Zeit«, warnte er. «Tag für Tag rechnen wir mit diesen verabscheuungswürdigen Mördern ab.«

Netanjahu erklärte, dass es im Gazastreifen keine Herrschaft der Hamas mehr geben werde. Der Premierminister nahm zudem an einer weiteren staatlichen Gedenkfeier auf dem Mount Herzl teil, die den Opfern der Terroranschläge vom 7. Oktober gewidmet ist und heldenhafte Taten würdigt.

Finanzminister Bezalel Smotrich erklärte am Montag, Israel müsse des Massakers vom 7. Oktober gedenken, angesichts der »aus offenem Antisemitismus« motivierten Versuche, dessen Geschichte und Realität zu verzerren. »Keine Zurückhaltung mehr, keine Kapitulation mehr. Vielmehr eine deutliche Erklärung, dass dies unser Land ist und wir weiterhin dafür kämpfen und uns dafür einsetzen werden, denn wir haben kein anderes Land.« Er sagte, Israel habe seit dem von der Hamas angeführten Angriff entschlossen gegen seine Feinde im Gazastreifen, im Libanon, im Iran, in der Westbank, in Syrien und im Jemen vorgegangen.

Smotrich sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus und rief dazu auf, die Verwundeten, ehemaligen Geiseln und diejenigen zu unterstützen, die noch immer darum kämpfen, ihr Leben wieder aufzubauen. »Möge die Erinnerung an all jene, die beim Simchat-Torah-Massaker und im Krieg der Wiedergeburt ermordet wurden und gefallen sind, gesegnet und für immer in unseren Herzen bewahrt bleiben«, schloss der Minister.

Die Fahnen vor dem Sitz des Präsidenten werden auf Halbmast gesetzt
Die Fahnen vor dem Sitz des Präsidenten werden auf Halbmast gesetzt (Quelle: JNS)

IDF-Chef: »Eine ganze Nation trauert«

Das Generalstabsforum der IDF hielt am Montag um 6:29 Uhr auf dem Stützpunkt Zikim nahe der Grenze zum Gazastreifen eine Gedenkfeier ab. Dabei legte das Forum eine Schweigeminute ein, um den dritten Jahrestag des von der Hamas angeführten Massakers vom 7. Oktober 2023 zu begehen. »Heute, drei Jahre später, neigt eine ganze Nation das Haupt und trauert«, sagte Generalstabschef Eyal Zamir in einem militärischen Erlass, der anlässlich des nationalen Gedenktags Israels für das tödlichste Massaker an Juden an einem einzigen Tag seit dem Holocaust herausgegeben wurde.

Gemäß dem »Gesetz zum Gedenken an das Massaker und zur Würdigung des Heldentums am 22. Tischri« findet die jährliche Gedenkfeier zwei Tage nach Simchat Tora statt. Der grenzüberschreitende Angriff vom 7. Oktober ereignete sich 2023 an diesem jüdischen Feiertag, der den Abschluss und Neubeginn des jährlichen Tora-Lesezyklus markiert. Bei dem Angriff ermordeten Terroristen aus dem Gazastreifen rund 1.200 Menschen, verletzten Tausende und entführten 251 Personen.

»Die IDF haben bei ihrer wichtigsten Mission, dem Schutz der Zivilbevölkerung des Staates Israel, versagt«, erklärte Zamir am Montag. »In den Weizenfeldern, in den Obstgärten, in den Häusern der Kibbuzim und in den Städten des westlichen Negev, an den Orten, an denen die Wurzeln des Lebens und der Besiedlung geschlagen hatten, säte der Feind Feuer, Zerstörung und Verwüstung. Straßen, die Gemeinden miteinander verbanden, wurden zu Kampfwegen. Unsere Felder wurden zu Schlachtfeldern, und Familienhäuser wurden zu Schauplätzen von Massakern und Entführungen.« Der Generalstabschef betonte die Pflicht der IDF, »die Vorfälle zu untersuchen und sicherzustellen, dass die Lehren daraus umgesetzt werden, damit wir des Vertrauens, das das Volk in uns gesetzt hat, würdiger werden.«

Zamir lobte auch die Wehrpflichtigen, Reservisten und zivilen Mitarbeiter, die am 7. Oktober dem Ruf gefolgt waren. Seit diesem Tag, so sagte er, haben die IDF »in nahen und fernen Gebieten gekämpft, Gemeinden und Grenzen verteidigt, unsere Feinde geschlagen und Ressourcen zerschlagen, die israelische Zivilisten bedrohten. Wir haben Geiseln gerettet und zurückgebracht, uns gewandelt und neue Wege entwickelt, um Bedrohungen zu begegnen. Das ist der Geist des Sieges: der Geist, den unsere Feinde niemals brechen können.«

IDF-Soldaten hielten am Montag um 6:29 Uhr in allen Sektoren Gedenkzeremonien ab. Die Truppen ehrten das Andenken der Gefallenen, und an militärischen Standorten wurden die israelischen Flaggen auf Halbmast gesetzt, teilten die IDF mit. Soldaten sind derzeit in Sicherheitszonen im Gazastreifen, im Südlibanon und im Süden Syriens stationiert. Israels Krieg, der mit dem von der Hamas angeführten grenzüberschreitenden Angriff begann, weitete sich in der Folge auf mehrere Fronten aus: auf den Libanon, Syrien, das Westjordanland, den Jemen, den Irak und den Iran.

1.318 getötete Sicherheitskräfte

Das israelische Verteidigungsministerium teilte am Sonntag mit, dass seit dem 7. Oktober 2023 1.318 Angehörige der israelischen Sicherheitskräfte in die offizielle Liste der Gefallenen des Landes aufgenommen wurden. Zu dieser Zahl zählen IDF-Soldaten, Beamte der israelischen Polizei, Mitarbeiter des israelischen Sicherheitsdienstes Shin Bet, Angehörige des israelischen Strafvollzugsdienstes und der Feuerwehr- und Rettungsbehörde, zivile Sicherheitskoordinatoren sowie Mitglieder ziviler Schnellreaktionsteams. Nach Angaben des Ministeriums sind in diesem Zeitraum mehr als 7.150 Menschen in die Gemeinschaft der Hinterbliebenen aufgenommen worden, darunter 2.143 Eltern, 355 Witwen, 880 Waisen und 3.772 Geschwister.

Unabhängig davon teilte das Nationale Versicherungsinstitut mit, dass seit dem 7. Oktober 2023 1.029 Zivilisten bei Terroranschlägen getötet wurden, wobei Sicherheitskräfte und Mitglieder lokaler Schnellreaktionsteams nicht mitgezählt wurden. Zu den zivilen Opfern zählen 668 Männer, 361 Frauen, 88 Ausländer und 63 Kinder unter 18 Jahren. Das Institut gab an, seit dem 7. Oktober 87.286 weitere Opfer feindseliger Handlungen behandelt zu haben, darunter 24 Amputierte. Von 43.004 Zivilisten, die Anträge auf Invaliditätsleistungen aufgrund feindseliger Handlungen gestellt haben, wurde bei 40.542 eine Behinderung diagnostiziert: bei 34.955 aufgrund psychischer Erkrankungen, bei 3.208 aufgrund körperlicher Verletzungen und bei 2.379 aufgrund einer Kombination aus beidem. Die übrigen Anträge werden noch von medizinischen Ausschüssen geprüft.

Von den getöteten Zivilisten wurden 778 am 7. Oktober selbst ermordet, darunter 70 ausländische Staatsangehörige. Weitere 251 kamen während der darauf folgenden Kriegsphase ums Leben, darunter 18 ausländische Staatsangehörige.

Huckabee: USA »Schulter an Schulter« mit Israel

Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, erklärte, die Vereinigten Staaten stünden »Schulter an Schulter« mit Israel, während das Land den dritten Jahrestag der Anschläge vom 7. Oktober begeht. Er bezeichnete den Angriff, der von der »vom Iran unterstützten Hamas« am Simchat-Torah-Fest und Schwarzen Schabbat verübt wurde, als den tödlichsten Angriff auf das jüdische Volk seit dem Holocaust. Auch Huckabee wies darauf hin, dass die Hamas mehr als 1.200 Menschen ermordete, darunter Dutzende Amerikaner, und 250 weitere nach Gaza verschleppte.

Der US-Botschafter verglich den Angriff mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten und erklärte, Israel und die USA teilten »jüdisch-christliche Werte« und sähen sich »denselben terroristischen Feinden gegenüber, die uns vernichten wollen«. Diese aber würden sich nicht durchsetzen und keinen Sieg erlangen.

»Das jüdische Volk ist mit einem erheblichen Anstieg des Antisemitismus konfrontiert“, schloss Huckabee seine Ausführungen. »Dieser irrationale Judenhass richtet sich nicht nur gegen Juden auf der ganzen Welt, sondern verleumdet auch obsessiv den einzigen jüdischen Staat mit diffamierenden und unbegründeten Anschuldigungen. Wir stehen fest an der Seite Israels und des jüdischen Volkes. Wir beten für die Opfer, ihre Familien und die Überlebenden. Möge ihre Erinnerung ein Segen sein.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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