Menschenrechtsorganisationen verweisen darauf, dass mehr als ein Drittel der Hinrichtungen in der Islamischen Republik Iran wegen Drogenvergehen vollstreckt wird.
Drogenkriminalität ist für einen erheblichen Anteil der Gefängnisinsassen im Iran verantwortlich: So stehen rund 40 Prozent der Häftlinge direkt oder indirekt im Zusammenhang mit solchen Straftaten. Dies erklärte der Generalsekretär der iranischen Drogenbekämpfungsbehörde am Sonntag und wies dabei auf ein wachsendes Drogenproblem hin, von dem sowohl der Iran als auch der benachbarte Irak betroffen sind.
Hossein Zolfaghari, der auch als Vertreter des iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian fungiert, verwies dabei auf die vorläufigen Ergebnisse einer Studie zur Suchtprävalenz, die bei den untersuchten Indikatoren einen relativen Aufwärtstrend zeigten. Er äußerte sich während der 105. Sitzung des Nationalen Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten und Prävention, wie die staatliche Nachrichtenagentur Islamic Republic News Agency (IRNA) berichtete. Die von ihm vorgestellte Studie ergab bei allen untersuchten Indikatoren steigende Zahlen.
Zolfaghari erklärte, die endgültigen Ergebnisse würden nach Fertigstellung den Behörden und Experten zur Verfügung gestellt, sodass Entscheidungen zur Drogenbekämpfung »auf der Grundlage eines genaueren Verständnisses der aktuellen Lage« getroffen werden könnten.
Der Generalsekretär der iranischen Drogenbekämpfungsbehörde kritisierte die »Zersplitterung der Entscheidungsfindung« und stellte in Frage, ob die Präventionsprogramme verschiedener Institutionen »greifbare und messbare Ergebnisse« hervorgebracht hätten. »Daher müssen wir bei der Ermittlung bestehender Kapazitäten auch strukturelle, rechtliche und administrative Hindernisse sorgfältig untersuchen, um festzustellen, welche Faktoren uns daran gehindert haben, die erwarteten Ergebnisse zu erzielen«, sagte er unter Bezug auf die steigenden Zahlen.
Wichtiger Produktionsort
Drogenvergehen machen einen erheblichen Anteil der Hinrichtungen im Iran aus und stellen laut einer Menschenrechtsorganisation die zweithäufigste Anklagekategorie unter den Hingerichteten dar. Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) erklärte in ihrem Jahresbericht über Hinrichtungen im Iran, dass von den 2.003 Hinrichtungen, die zwischen dem 10. Oktober 2025 und dem 8. Oktober 2026 dokumentiert wurden, etwa 36,25 Prozent wegen Drogendelikten vollstreckt wurden.
Der Iran ist eine wichtige Produktionsstelle und Transitroute für Drogen, die durch die Region Irakisch-Kurdistan in Richtung Europa geschmuggelt werden. Dabei werden vor allem Methamphetamin und Opiate über die gemeinsame Grenze gebracht, wie aus einem Bericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) vom Juli 2024 hervorgeht. Der Bericht zitierte Schätzungen der Behörden, wonach rund 80 Prozent der Drogen, die entlang der nördlichen Schmuggelroute transportiert wurden, aus dem Iran stammen, während die restlichen 20 Prozent über Syrien und die Türkei in den Irak gelangen.
Dem UNODC zufolge wächst das Risiko, dass der Irak zu einem zentralen Knotenpunkt im regionalen Drogenhandelsnetzwerk wird. Captagon, ein amphetaminartiges Stimulans, gehört zu den wichtigsten Drogen, die im Irak gehandelt und konsumiert werden. Zwischen 2019 und 2023 stiegen die Captagon-Beschlagnahmungen im Irak laut dem Bericht um fast 3.380 Prozent. Zuletzt wurde im Rahmen einer gemeinsamen Operation der Drogenbekämpfungsbehörden der Vereinigten Arabischen Emirate und des Irak ein grenzüberschreitender Schmuggelring zerschlagen, wobei 200.000 Captagon-Tabletten beschlagnahmt wurden.
