Müssen seine Stellvertreter-Milizen mittlerweile den Iran finanzieren?

August 2026: Irans Parlamentssprecher Ghalibaf zu Besuch bei schiitischen Milizen im Irak
August 2026: Irans Parlamentssprecher Ghalibaf zu Besuch bei schiitischen Milizen im Irak (© Imago Images ZUMA Press Wire)

Berichten zufolge haben mit Teheran verbündete Milizen die Soldzahlungen an ihre Kämpfer eingestellt, um die Gelder an die Revolutionsgarde im Iran weiterzuleiten.

Seit Monaten bestimmt die Sorge um steigende Ölpreise die Berichterstattung über den Irankonflikt. Zeitweise schien es, als säße das Ayatollah-Regime durch die Blockade der Straße von Hormus am längeren Hebel. Ein erheblicher Teil der weltweiten Öltransporte und bedeutende Mengen Flüssiggas (LNG) passieren diese Meerenge. Als die Huthi-Milizen dann im September 2026 eine Offensive an der Westküste des Jemen starteten, war auch noch Saudi-Arabiens alternative Route zur Ausfuhr von Öl Richtung Asien in Gefahr: die über die Ost-West-Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer.

Beide Bedrohungen bleiben akut, auch wenn die Ölexporte vom Persischen Golf in der Woche vom 18. Oktober mit 24 Millionen Barrel pro Tag das Vorkriegsniveau überschritten. Irans Außenminister Abbas Araghchi verkündete gar im August, sein Land habe »den Krieg und die Diplomatie gewonnen«. Das Gegenargument: Kürzlich lenkte der Centcom-Chef, Admiral Brad Cooper, den Blick auf die Erfolge, die die US-Blockade gegen den Iran gebracht habe. Centcom ist das Zentralkommando der Streitkräfte der USA. Es ist eines der regionalen Militärkommandos der Vereinigten Staaten und umfasst den Nahen Osten und Teile Zentral- und Südasiens.

Vollständig unterbunden

In einer Videobotschaft vom 16. Oktober 2026 erklärte Cooper, die US-Seeblockade habe den maritimen Handel Irans praktisch vollständig unterbunden. Mit Ausnahme von humanitären Gütern gebe es »keine Exporte und keine Importe über das Meer« mehr. Er sprach von »verheerenden Kosten für Irans Sicherheitsapparat und insbesondere für die Revolutionsgarde (IRGC)«. Auf drei Wegen hätten die USA dem iranischen Regime geschadet: durch den weitgehenden Stopp von Ölexporten, das Unterbinden von digitalen Zahlungen und die Auszahlung der Gehälter für Sicherheitskräfte.

Seit Beginn der Blockade hätten Centcom und die USA dem Iran mindestens 25 Milliarden US-Dollar an Öleinnahmen verwehrt. »Das sind Milliarden Dollar, die vom weltweit größten Terrorsponsor benutzt wurden, um Stellvertreter-Milizen, kriminelle Netzwerke und Angriffe auf Amerika und seine Verbündeten zu finanzieren.« Centcom und die USA hätten zudem 350 Millionen Dollar an iranischen Kryptowährungen eingefroren. Das habe die Fähigkeit des Iran, Terrorismus zu finanzieren oder zerstörte Waffenfabriken wiederaufzubauen, weiter eingeschränkt.

Die kombinierten Maßnahmen machten sich in allen Bereichen der iranischen Wirtschaft bemerkbar. Irans Regierung halte Gehälter von Angestellten in der Ölindustrie, der Bauwirtschaft, dem Sicherheitsapparat, dem Militär und dem IRGC selbst zurück. »Die finanzielle Belastung für das iranische Militär ist so groß geworden, dass es Berichte darüber gibt, wonach mit dem Iran verbündete Milizen in der gesamten Region ihren Kämpfern die Soldzahlungen vorenthalten, um Gelder an das IRGC weiterzuleiten – die ihrerseits ihre eigenen Truppen ebenfalls nicht mehr bezahlt«, erklärte Cooper. »Das islamische Regime spürt den wirtschaftlichen Druck deutlich, und das IRGC zeigt infolgedessen zunehmend Anzeichen wachsender Verzweiflung.«

Der Centcom-Chef verwies auf die in den letzten Wochen wieder zunehmenden iranischen Angriffe auf die zivile Schifffahrt im Persischen Golf. Dennoch bewege sich der Ölfluss weiterhin auf einem Niveau, das dem vor Kriegsbeginn ähnelt, da die Nachbarstaaten des Iran ihr Rohöl unter dem Schutz des US-Militärs exportieren. Auch der iranische Präsident Masoud Peseschkian hatte kürzlich die wirtschaftlichen Probleme seines Landes eingeräumt, sprach von dem »größten wirtschaftlichen Druck seit 1979«.

Gegenseitiger Würgegriff

Der Wirtschaftskrieg zwischen den USA und dem Iran ähnelt derzeit einem Kampf, bei dem beide versuchen, den anderen in den Würgegriff zu nehmen. Der hohe Ölpreis durch die Blockade der Straße von Hormus – die nur teilweise effektiv ist, weil Schiffe entlang der Küste Omans unter amerikanischem Geleitschutz weiter den Weg durch das Nadelöhr finden – schadet zweifellos der Weltwirtschaft. Die strategischen Ölreserven der Vereinigten Staaten lagen Mitte Oktober nur noch bei rund 280 Millionen Barrel, gegenüber 411 Millionen Ende 2025. Diese Reserve kann den Markt nicht endlos versorgen.

Zudem fehlt dem Weltmarkt derzeit ein erheblicher Teil der Raffinerieleistung am Persischen Golf. Das Problem ist nicht nur, dass weniger Rohöl transportiert wird: Auch die Verarbeitung zu Diesel, Benzin, Kerosin und anderen Kraftstoffen ist stark beeinträchtigt. Laut einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) vom 14. Oktober 2026 sind insbesondere die Dieselversorgung und die weltweiten Raffineriekapazitäten unter Druck. Rekordpreise für Tanker verschärfen die Ölkrise zusätzlich – selbst dann, wenn Rohöl verfügbar ist. Mitte Oktober kostete der Transport eines Barrels Rohöl vom Persischen Golf nach Asien mehr als 37 US-Dollar – über fünfmal so viel wie vor dem Krieg. Doch der Iran profitiert nicht etwa von dem hohen Ölpreis, sondern steuert auf den Bankrott zu.

Die US-Blockade zeigte keine volle Wirkung, da der Iran über schwimmende Ölvorräte auf See verfügte. Teheran nutzt schwimmende Öllager bereits seit mindestens 2008. Während der damaligen Phase des Ölpreisrekords von über 150 Dollar pro Barrel – im Sommer der Weltfinanzkrise – konnte der Iran sein Öl nicht mehr komplett verkaufen und nutzte darum »bis zu zwanzig Supertanker als schwimmende Lagerstätten«, wie Medien im Mai 2008 unter Berufung auf den Informationsdienst PetroLogistics berichteten.

2009 wurde diese Reserve ausgebaut, da die Ölnachfrage krisenbedingt einbrach. Während der verschärften westlichen Ölsanktionen von 2012 bis 2015 nutzte Teheran Tanker zunehmend als schwimmende Lager. Weil weniger Länder iranisches Öl kauften, konnte ein Teil der Produktion nicht unmittelbar verkauft werden. Nach dem amerikanischen Ausstieg aus dem Atomabkommen 2018 und der Wiedereinführung der Sanktionen wurde diese Praxis erneut wichtiger. Hinzu kamen verdeckte Transporte und Umladungen auf See, insbesondere für Lieferungen nach China.

Kein Geld mehr

Laut Kpler, einem internationalen Daten- und Analyseanbieter, der sich auf den weltweiten Handel mit Rohstoffen spezialisiert hat – insbesondere Öl, Gas und Flüssigerdgas (LNG) –, ist diese Reserve mittlerweile aufgezehrt. Auf ihrem Höhepunkt umfassten diese Reserven laut Kpler fast neunzig Millionen Barrel Öl. Bis zum 5. Oktober waren die Bestände auf weniger als eine Million Barrel gesunken; inzwischen sind sie vollständig aufgebraucht. »Es ist kein Öl mehr vorhanden, das nach China geliefert werden könnte«, erklärte Homayoun Falakshahi, Leiter der Rohölanalyse bei Kpler. Wie das Wall Street Journal berichtet, weisen andere Analysten darauf hin, dass es bis zu zwei Monate dauern kann, bis Zahlungen aus China im Iran eintreffen. Das bedeutet, dass das Regime möglicherweise noch Gelder aus früheren Verkäufen erhält.

Die fehlenden Exportwege sind für den Iran ein großes logistisches Problem. Da das Land sein Rohöl kaum noch exportieren kann und die Lagerkapazitäten begrenzt sind, drohen Probleme bei der Ölförderung und Umweltschäden. Satellitenbilder sollen bereits einen großen Ölteppich nahe der Insel Kharg zeigen. Gleichzeitig verschärft die Blockade die Knappheit lebenswichtiger Güter wie Weizen, Medikamente und medizinische Ausrüstung. Weil dem Iran zunehmend Deviseneinnahmen fehlen, wird es schwieriger, diese Waren aus dem Ausland zu bezahlen.

Ob pro-iranische Milizen wirklich in großem Maßstab Geld nach Teheran zurückschicken, muss mangels Beweisen dahingestellt bleiben. Feststehen dürfte aber, dass dem Iran die Fähigkeit, sie weiter aufzurüsten, vorerst genommen ist. Bereits am 20. August 2026 warnte der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher-Ghalibaf bei einem Auftritt in der iranischen Botschaft in Bagdad in überraschend deutlichen Worten vor den Folgen der zusammenbrechenden iranischen Wirtschaft: »Ganz gleich, wie viel militärische Macht wir besitzen – wenn die Menschen hungern und es keinen Finanzkreislauf sowie kein Wirtschaftswachstum gibt, werden wir nicht bestehen.«

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