Israelis überwältigen Attentäter: Was an Bord der Flydubai-Maschine passierte

Boeing 737 Max der Fluglinie Flydubai: Israelische Passagiere überwältigen Attentäter
Boeing 737 Max der Fluglinie Flydubai: Israelische Passagiere überwältigen Attentäter (Quelle: Aerospace Innvations)

Passagiere der Flydubai-Maschine, die in Saudi-Arabien notlanden musste, erzählen, wie sie ein zweites 9/11 befürchteten, den Attentäter überwältigten und das Flugzeug unter Kontrolle brachten.

Der Copilot eines Passagierflugzeugs Boeing 737 Max der Fluglinie Flydubai auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv hat offenbar versucht, die Maschine – die sich zu dem Zeitpunkt im Luftraum Saudi-Arabiens nahe der irakischen Grenze befand – unter seine Kontrolle zu bringen. Womöglich, um sie zu entführen und mitsamt den Passagieren abstürzen zu lassen. Das teilte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am Mittwoch mit. Fast alle 174 Passagiere waren nach Netanjahus Aussage Israelis.

Es passierte etwa neunzig Minuten nach dem Start in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein Mann, der die Staatsbürgerschaft des Oman haben soll, habe den anderen Piloten mit einem Taschenmesser niedergestochen. Passagiere nahmen wahr, dass Schreie aus dem Cockpit kamen; die Tür des Cockpits öffnete sich; Augenzeugen berichteten, viel Blut gesehen zu haben. »Ein Pilot stach auf den anderen ein und versuchte, ein ›9/11‹ herbeizuführen«, sagte ein Beamter gegenüber dem israelischen Sender Channel 12. Es gelang dem indischen Piloten Smit Machchhar noch, die während des Flugs verschlossene Tür des Cockpits zu öffnen.

Netanjahu ließ über den Kurznachrichtendienst X mitteilen, er zolle »dem indischen Piloten Kapitän Smit Machchhar für seinen außergewöhnlichen Mut Anerkennung«:

»Obwohl er durch Messerstiche schwer verletzt worden war, wehrte er sich, leistete Widerstand, öffnete die Cockpittür und ermöglichte es Passagieren und Besatzung, den Angreifer zu überwältigen – und verhinderte so eine katastrophale Katastrophe in der Luft. Er rettete 174 Menschen das Leben, darunter israelische Staatsbürger und Angehörige anderer Nationen. Ich wünsche Kapitän Machchhar eine rasche und vollständige Genesung. Er ist ein wahrer Held.«

»Als würde sich 9/11 wiederholen«

Was die Passagiere zunächst von dem Vorfall mitbekamen, waren die abrupten Flugbewegungen. Nach öffentlich verfügbaren Flugdaten begann die Maschine auf einer Flughöhe von rund 34.000 Fuß (rund 10.400 Meter) plötzlich stark zu sinken. Innerhalb von weniger als dreißig Sekunden verlor sie zunächst rund 14.000 Fuß (rund 4250 Meter) und fiel auf etwa 16.750 Fuß (rund 5.100 Meter). Anschließend stieg das Flugzeug kurz wieder auf etwa 21.650 Fuß (rund 6.600 Meter), bevor es erneut auf rund 14.000 bis 15.000 Fuß sank.

Nachdem sie begriffen hatten, was passierte, konnten israelische Passagiere das Cockpit zurückerobern. Zwei europäischen Piloten, die laut Berichten mitreisten, weil sie für einen nachfolgenden Flug vorgesehen waren, gelang es, das Flugzeug in Saudi-Arabien zu landen. Durch den Kampf im Cockpit war der Steuerknüppel beschädigt, auch das Höhenruder hatte Schaden genommen. Bald darauf konnten die Passagiere in einem anderen Flugzeug nach Israel weiterreisen.

Meital Zoller, eine der ersten Passagierinnen, die den Flughafen in Tel Aviv verließen, sagte laut der New York Times, sie sei »so erleichtert, wieder in Israel zu sein«. Zoller, die mit ihrem Mann und ihrem Kind unterwegs war, berichtete, sie hätten gemerkt, dass etwas nicht stimmte, als »das Flugzeug auf und ab schwankte«. Dann hätten sie Schreie gehört und die Maschine sei in einen Sturzflug übergegangen. »Gott sei Dank geht es uns gut«, sagte sie unter Tränen.  

Daniel, ein israelischer Passagier, berichtete der Times of Israel, wie sich das Flugzeug gedreht habe:

»Es dauerte eine Weile – ich weiß nicht, es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, aber ich glaube, es waren zwei Minuten, zumindest zwei oder drei Minuten, in denen das Flugzeug einfach im Sturzflug war und sich wie verrückt drehte. Es fühlte sich an, als wäre es das jetzt. Als wäre es vorbei. Als würde sich der 11. September wiederholen.»

Der 16-jährige Schüler Peleg Itali sagte einem Reporter der New York Times am Flughafen Ben-Gurion: »Ich dachte mir: ›Ich bin erledigt, ich bin völlig erledigt. Ich habe es nicht verdient, so zu sterben.‹«

Der israelische Zahnarzt Dr. Shota Musayev berichtete gegenüber der Times of Israel, er habe zu den Passagieren gehört, die zum Cockpit eilten, als sie bemerkten, dass an Bord etwas nicht stimmte. »Als ich Schreie hörte, rannte ich nach zehn Sekunden los – ich habe nicht gewartet. Als ich ins Cockpit kam, war der Pilot in einem sehr schlechten Zustand; er blutete stark, vor allem am Kopf. Ich war der einzige Arzt an Bord und schließlich gelang es mir, die Blutung zu stillen und seinen Blutdruck zu stabilisieren.«

Aryeh Myers, ein Sanitäter des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom, erklärte nach der Landung in Israel zunächst, keiner der Passagiere habe sofortige medizinische Hilfe benötigt. Später teilte der Dienst mit, ein 51-jähriger Passagier habe eine Verletzung am Oberkörper erlitten und befinde sich in einem »leicht verletzten Zustand«. Der Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht; weitere Einzelheiten zu seiner Verletzung wurden nicht genannt.

Einer der Passagiere, die den Copiloten überwältigt hatten, nahm eine Videonachricht an seine Familie auf, um Entwarnung zu geben, nachdem die Situation unter Kontrolle war und die Landung bevorstand. Die New York Post gab den Inhalt so wieder:

»Sie bringen ihn ins Krankenhaus. Es gibt noch einen weiteren Terroristen, der … Wir wissen nicht, wie es um ihn steht, aber er war irgendwie daran beteiligt. Es war heftig. Es war heftig. Wir sind in ein paar Stunden wieder zu Hause. Ich brauche frische Kleidung. Alles ist voller Blut. Das war’s. Ich liebe euch. Ich erzähle euch, was passiert ist, wenn wir zurück sind. Euer Vater ist ein Held. Einer der Helden. [Ich habe es nicht] allein geschafft. Wir sehen uns später. Ich muss erst mal meinen Puls runterkriegen.«

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Erinnerung an PFLP-Luftterror

Der Fall erinnert daran, worum es den Feinden Israels geht: so viele Juden zu töten wie möglich. Auch wenn sie selbst dabei sterben. Die Hamas, die in Universitäten und auf den Straßen Westeuropas und Nordamerikas viele Freunde hat, hat das Suicide-Bombing während der zweiten Intifada zu ihrer strategischen Waffe der Wahl gemacht, mit Anschlägen wie dem im Park Hotel in Netanja am 27. März 2002.

Im Speisesaal des Hotels fand an diesem Abend der traditionelle Sederabend statt. Dort hielten sich etwa 250 Gäste auf. Ein palästinensischer Selbstmordattentäter drang in das Hotel ein und zündete im Speisesaal einen mit Sprengstoff versehenen Sprengsatz. Dreißig Menschen wurden getötet und etwa 140 verletzt. Die Hamas bekannte sich dazu. Auch die Terroranschläge vom 11. September, ein paar Monate zuvor, hatten ein antisemitisches Motiv. 1998 hatte Osama bin Laden den Dschihad gegen »Juden und Kreuzfahrer« ausgerufen und dabei ausdrücklich auch Zivilisten zu legitimen Zielen erklärt.

Im Weltbild der Dschihadisten ist das Töten von Juden ein Kernelement. Die Hamas-Charta spricht von einem endzeitlichen Gemetzel, bei dem die Muslime am jüngsten Tag Juden auch hinter Bäumen und Steinen suchen werden.

»Die Stunde wird kommen, da die Muslime gegen die Juden so lange kämpfen und sie töten, bis sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken. Doch die Bäume und Steine werden sprechen: ›Oh Muslim, oh Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt. Komm und töte ihn!‹«

Aber die Verherrlichung von Märtyrertod ist nicht auf Religiöse beschränkt. Die PFLP-Terroristin Leila Khaled – die heute in der jordanischen Hauptstadt Amman lebt und immer noch Interviews gibt – träumte in ihren 1973 veröffentlichten Memoiren gar davon, selbst zu einer »Bombe« zu werden:

»Ich werde Bomben aus den Atomen meines Körpers bauen und ich werde ein neues Palästina aus dem Stoff meiner Seele weben. Mit meiner ganzen Macht und der Macht meiner Schwestern werden wir unsere Existenz in Bomben verwandeln und das Leben, die Küste, den Berg erlösen. Wir werden kämpfen und kämpfen … Mein Volk wird gestählt durch den Kampf gegen die imperialistischen und zionistischen Feinde.«

Die PFLP entführte seinerzeit zahlreiche Flugzeuge. Leila Khaled war an zwei Entführungen beteiligt. Am 6. September 1970 gehörte Khaled zu dem Team, das El-Al-Flug 219 von Amsterdam nach New York entführen sollte. Die Entführung scheiterte – wie im aktuellen Fall – am Widerstand der Passagiere. Nur, weil Khaleds entsicherte Handgranate nicht zündete, überlebten die 138 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder. Der Spiegel schilderte damals, was sich an Bord zugetragen hatte:

»Das Mädchen [Leila Khaled; S. F.] hat zwei Handgranaten in den Händen. Der Mann trägt eine Granate bei sich, mit der Rechten zieht er eine Pistole und schlägt damit gegen die Tür der Pilotenkanzel. Durch einen Sehschlitz erkennt Kapitän Uri Bar Lev die Guerillas, er informiert London und bittet um freien Luftraum. Steward Schlomo Vider hebt die Hände. Der Luftpirat schlägt ihm die Pistole ins Gesicht, im Fallen zieht Vider seinen Angreifer mit zu Boden. Ein Schuss löst sich und reißt einer Stewardess ein Tablett aus der Hand.

Drei weitere Schüsse treffen Schlomo Vider, doch er hält fest. Ein Mann springt aus seinem Sitz, wirft seinen Gin Tonic zu Boden und greift sich die Handgelenke der Entführerin mit den Handgranaten. Die Boeing 707 geht plötzlich zum Sturzflug über. Der Mann und die Frau werden zu Boden gerissen. Florence Krasner, 41, sagt zu Sohn Jimmy, 9: ›Ich liebe dich, es tut mir leid, dass ich dir kein längeres Leben geben konnte.‹ Zu ihrem Vater Harry, 72, gewendet, sagt sie: ›Du musst weiter beten.‹ Am Boden vor der Kabine kämpft die Entführerin verbissen. ›Ich jage das Flugzeug in die Luft‹, droht sie. Der Mann antwortet: ›Gut, aber dann gehen wir zusammen.‹

Inzwischen fliegt die El-Al-Boeing wieder ruhig. Flugkapitän Uri Bar Lev dreht zurück nach London, dann stürzt er aus dem Cockpit. Wieder ein Schuss. Die Kugel tötet den Luftpiraten. Eine geschärfte Handgranate kullert durch die Kabine der ersten Klasse. Nach spätestens fünf Sekunden muss sie explodieren. Nichts geschieht. Mehrere Männer prügeln jetzt auf die Entführerin ein, die sich nicht ergibt. Schließlich wird sie mit Gürteln und Krawatten gebunden. Nicht einmal zehn Minuten hat der Kampf in der Kabine gedauert. Um 14:05 Uhr landet die Boeing auf dem Londoner Flughafen Heathrow.«

Die Londoner Polizei behandelte Leila Khaled nach deren eigener Aussage »wie einen offiziellen Staatsgast«. Israel verlangte ihre Auslieferung. Doch der britische Ministerpräsident Edward Heath ließ Khaled schon eine Woche später, am 13. September, frei – obwohl sich Großbritannien im Tokio-Abkommen von 1963 verpflichtet hatte, Erpressungen von Flugzeugentführern nicht nachzugeben. Leila Khaled sah in dem Nachgeben von Edward Heath einen Sieg, der sie darin bestärkte, dass Terrorismus der richtige Weg sei:

»Der Erfolg, den wir mit der Taktik hatten, Flugzeuge zu entführen, unsere Forderungen zu stellen und unsere Forderungen erfolgreich umsetzen zu lassen, gab uns den Mut und das Vertrauen, mit unserem Kampf weiterzumachen.«

»Globalisierung der Intifada«

56 Jahre später. September 2026. In Berlin feiert Die Linke eine Wahlparty mit einem PFLP-Unterstützer. Und die Fußballnationalmannschaft Irlands will ein Spiel gegen Israel boykottieren; entscheidet sich dann dazu, schwarze Armbinden zu tragen, nicht zu grüßen und beim Spielen der israelischen Nationalhymne die Köpfe zu senken. Micheal Martin, der irische Taoiseach (Ministerpräsident), hatte zuvor gesagt, sein Land spiele »gegen den Völkermord«. Es ist wie 1970: Die Terroristen werden geherzt, die Opfer des Terrors werden dämonisiert. Und Irland steht in der Tradition der Terrororganisation IRA, die seit den frühen 1970er Jahren mit der PLO zusammenarbeitete.

Der Mann, der die Maschine von Flydubai mit 174 Menschen an Bord, darunter viele Kinder, zum Absturz bringen wollte, brauchte dafür keine Ermunterung aus Dublin. Aber es sind schändliche antisemitische Aktionen wie die der irischen Fußballnationalmannschaft – und all derer, die Israel täglich an den Pranger stellen –, die ein Klima schaffen, in dem jeder, der sich daran macht, einen Juden zu töten, darauf zählt, dass die Sympathien der Welt bei ihm sind und er nur das ausführt, was alle denken. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat nichts gegen Leute, die die »Intifada globalisieren« wollen. Das wäre am Mittwoch beinahe geschehen.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten. Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung.
Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte
oder direkt über Ihren PayPal Account.