Rassismus: Pro-palästinensische Journalistin beschimpft US-Demokraten als »AIPAC-Affen«

Pro-palästinensischer Rassismus gegen den demokratischen Fraktionsvorsitzenden Hakeem Jeffries
Pro-palästinensischer Rassismus gegen den demokratischen Fraktionsvorsitzenden Hakeem Jeffries (© Imago Images / ZUMA Press Wire)

Weil er konsequent zu Israel steht, wird der führende Demokrat im US-Abgeordnetenhaus beschimpft. Der Vorfall enthüllt, wie im israelfeindlichen Milieu aus radikalen Linken und Islamisten der Rassismus und der Judenhass ungehemmt verschmelzen.

»Er ist ein von AIPAC gekaufter Affe und im Grunde nur ein Laufbursche.« Mit diesem ungeheuerlichen Ausfall wandte sich die palästinensisch-italienische Journalistin und Autorin Rula Jebreal kürzlich im US-Podcast The Left Hook an die Öffentlichkeit. Das Ziel ihrer Attacke: Hakeem Jeffries, seit 2013 Abgeordneter für New York im US-Kongress und als Minderheitsführer im Repräsentantenhausder erste schwarze Fraktionschef der Demokraten. Dass die in Haifa geborene Ex-MSNBC-Kommentatorin ihren Satz direkt mit dem hilflosen Zusatz garnierte, sie meine das »nicht auf eine rassistische Art«, macht das Ausmaß der Verfehlung nur noch deutlicher.

Jebreals Vorwurf bezog sich auf das 1954 gegründete American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), die mit über 100.000 Mitgliedern und dreistelligen Millionenbudgets mächtigste pro-israelische Lobbyorganisation der USA, die parteiübergreifend Kandidaten unterstützt. Zudem führte sie aus, der Vorname von Jeffries, nämlich Hakeem, bedeute auf Arabisch »Heiler«. Er sei jedoch kein Heiler, sondern ein Spalter. Doch es sind die Beschimpfungen »Affe« und »Laufbursche«, die uralte rassistische Klischees bedienen, mit denen schwarze Menschen gezielt entmenschlicht und zu Befehlsempfängern degradiert werden.

Rückendeckung gegen Rassismus

Um die ganze Tragweite der Attacken zu verstehen, muss man die Zerrissenheit der Demokratischen Partei betrachten. Die Brisanz des Vorfalls wird erst vor dem Hintergrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im 119. US-Kongress vollends greifbar. Im Repräsentantenhaus verfügen die Republikaner mit 219 von 435 Sitzen über eine denkbar hauchdünne Mehrheit. Den Demokraten fehlen mit ihren 214 Mandaten nur wenige Stimmen, um das Zünglein an der Waage zu werden. Angesichts eines unbesetzten Sitzes und eines unabhängigen Abgeordneten, der meist mit den Konservativen stimmt, entscheidet jede einzelne Stimme über die Gesetzgebung.

In dieser extrem aufgeladenen Parlamentspraxis wiegt der Versuch radikaler Kräfte umso schwerer, den demokratischen Fraktionschef Jeffries als angeblichen Verräter zu beschädigen und die eigene Partei mitten im Machtkampf zu spalten. Die Angriffe gehen maßgeblich von pro-palästinensischen Aktivisten und dem radikal linken Flügel der Partei aus, die eine fundamentale Kehrtwende in der US-Nahostpolitik fordern.

Während Teile der linken Basis und der progressive Flügel spürbar auf Distanz zu Israel gehen, bemüht sich Fraktionschef Jeffries um einen ausgleichenden, aber verlässlichen Kurs gegenüber dem jüdischen Staat. Er hält an der traditionellen Partnerschaft fest und stellt sich gegen den wachsenden Druck des eigenen linken Flügels. Genau diese prinzipientreue Haltung macht ihn in den Augen radikaler Antizionisten zur Zielscheibe. Dass ein führender Demokrat von linken Aktivisten als bloße Marionette gebrandmarkt wird, zeigt, wie geladen die Stimmung im progressiven Lager inzwischen ist.

Jeffries steht wiederum nicht ganz alleine da. Der Congressional Black Caucus, die einflussreiche Vertretung der schwarzen Kongressabgeordneten, verurteilte Jebreals Aussagen als offen rassistisch und unentschuldbar. In der Folge forderte die Parlamentsgruppe Konsequenzen: »Wir müssen aufhören, anti-schwarzem Rassismus eine Plattform zu bieten und ihn zu verbreiten, egal ob von politisch rechts oder links.« 

Eine deutlichere Steigerung erfuhr die Kritik durch den Afrolatino und New Yorker US-Abgeordneten Ritchie Torres aus der Bronx, der als einer der entschiedensten und unnachgiebigsten Verteidiger Israels im gesamten Kongress gilt. Torres reagierte gewohnt scharf und stellte unmissverständlich klar: »Einen schwarzen Mann als ›Affen‹ zu bezeichnen, ist rassistisch. Punkt.« Dabei kritisierte er nicht nur Rula Jebreal und ihre Wortwahl, sondern er prangerte auch den Podcast-Moderator Wajahat Ali an, weil dieser seine Interviewpartnerin nicht gerügt und ihre Wortwahl nicht zurückgewiesen habe.

Hass als Haltung

Zunächst versuchte Jebreal, sich zu retten. Zur Verteidigung ihrer Äußerungen berief sie sich auf das Sprichwort der drei weisen Affen (»Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen«). Sie behauptete, sie habe damit Politiker beschrieben, die den Einfluss von Lobbyarbeit ignorieren, statt einen rassistischen Begriff zu verwenden. Doch damit machte sie es umso schlimmer. Die klassische antisemitische Verschwörungserzählung, dass ein demokratischer Politiker lediglich die steuerbare Marionette jüdischer Geldgeber sei, gepaart mit offen rassistischer Dehumanisierung, trat allzu unkaschiert zutage. Jebreal sah sich schließlich zu einer bedingungslosen öffentlichen Entschuldigung gezwungen.

»Ich bin angewidert und entsetzt darüber, dass Hakeem Jeffries mitten im Völkermord Israels in Palästina Geld von AIPAC annimmt. Dennoch war ein Begriff, den ich verwendet habe, um ihn zu beschreiben, unangebracht sowie beleidigend und hätte niemals verwendet werden dürfen. Ich entschuldige mich bedingungslos.«

Seit Jahren formiert sich eine unheilige Allianz aus radikalen Linken, postkolonialen Aktivisten und Islamisten, die unter dem Deckmantel des Antizionismus jegliche zivilisatorische Hemmschwelle verliert. Sobald es gegen Israel und dessen Unterstützer geht, verschmelzen uralte antisemitische Klischees von der unheimlichen jüdischen Übermacht nahtlos mit rassistischen Beleidigungen. Ein erfahrener Politiker wie Jeffries, der als Demokrat Prinzipienstärke beweist, wird in diesem Weltbild zum fremdbestimmten Verräter degradiert. Eigene Überzeugungen, Würde und politische Urteilskraft werden ihm pauschal abgesprochen.

Das gilt wohl auch außerhalb der Arena der Abgeordneten, und das Phänomen ist inzwischen nicht zuletzt im medialen Mainstream und im Bildungsbereich zu Hause. Wer es wagt, als Schwarzer oder Angehöriger einer Minderheit den Antisemitismus in diesen Reihen offen zu kritisieren, bekommt die volle Härte der Ausgrenzung zu spüren. Bereits 2024 brach die Black Student Union an der University of Michigan abrupt mit dem pro-palästinensischen Bündnis, da schwarze Stimmen dort »nicht geschätzt« würden. Hinter den Kulissen beschimpften arabische Aktivisten afroamerikanische Mitstreiter als »abeed« (arabisch für: »Versklavte«) und verhöhnten sie mit dem rassistischen Klischee des »Wassermelonenfressers« aus der Jim-Crow-Ära.

Der aktuelle Vorfall, bei dem ein Schwarzer von einer (Italo-)Palästinenserin als »Affe« und »Laufbursche« bezeichnet wurde, verweist darauf, dass der geäußerte Rassismus im islamischen Imperialismus und dessen 1.400-jähriger Geschichte des afrikanischen Sklavenhandels wurzelt. Ohne eine konsequente Aufarbeitung dieser Tradition bleibt der linke und islam(ist)ische Antirassismus eine Heuchelei. Jebreals Ausfall war kein Ausrutscher, sondern das Produkt einer Ideologie, die Hass als Haltung maskiert.

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