Michigan: Ein Israelhasser als Senator?

Abdul El-Sayed ist der demokratische Senatskandidat für Michigan
Abdul El-Sayed ist der demokratische Senatskandidat für Michigan (© Imago Images / ZUMA Press)

Abdul El-Sayed, der den jüdischen Staat ablehnt und Umgang mit Terrorunterstützern pflegt, wird als demokratischer Kandidat für den Bundesstaat Michigan in die Senatswahl im November ziehen.

Abdul El-Sayed ist 41 Jahre alt, von Beruf Arzt und Epidemiologe und möchte keinen jüdischen Staat auf der Welt sehen. Er hat auch keine Probleme damit, dass einer seiner Freunde und Verbündeten sagt, Amerika habe den Elften September »verdient«. Ab Januar könnte der Mann vom äußersten linken Flügel der Demokraten im US-Senat sitzen und als Zünglein an der Waage über Gesetze, den Haushalt, bilaterale Abkommen mit anderen Staaten und die Besetzung des Obersten Gerichtshofs mitentscheiden.

Vergangenen Dienstag gewann der Sohn ägyptischer Einwanderer knapp die parteiinterne Vorwahl der Demokraten für den Senat in Michigan. Dabei erhielt er 48,5 Prozent der Stimmen gegenüber 47,5 Prozent für seine Gegenkandidatin Haley Stevens, die derzeit Abgeordnete im Repräsentantenhaus ist. Der Sitz wird im Januar 2027 vakant, weil der demokratische Senator Gary Peters angekündigt hatte, nicht für eine weitere Amtszeit – die seine dritte gewesen wäre – zu kandidieren.

Nun ist zwar mit Bernie Sanders aus Vermont bereits ein Politiker im Senat, der ebenfalls sehr weit links steht, kein Freund Israels ist und Mitglied in der Partei Demokratische Sozialisten von Amerika, die Antizionismus zum Programm hat und zum »Widerstand gegen Israel« aufruft. Doch Sanders gesteht Israel immerhin das Recht zu, in Frieden zu existieren, wie er einmal sagte. El-Sayed tut das nicht.

Als er letzten Monat von CNN gefragt wurde, ob es möglich sei, gleichzeitig Zionist und progressiv zu sein. antwortete er: »Jede Definition eines jüdischen Staates läuft letztlich auf die Äußerung illiberaler Werte hinaus, ausnahmslos.« Er sagte außerdem, »Geld« sei »der einzige Grund«, warum Demokraten, die »an Menschenrechte glauben«, Israel unterstützen würden.

Die Bedeutung des Senats

Senatoren werden für jeweils sechs Jahre gewählt, im Unterschied zu Abgeordneten des Repräsentantenhauses, dessen Mitglieder alle zwei Jahre neu gewählt werden. Und während der Senat nur hundert Mitglieder hat, sind es im Repräsentantenhaus 435. Schon diese Zahlen verdeutlichen, dass Senatoren in den USA wesentlich einflussreicher sind. Das macht die mögliche Wahl von El-Sayed im November so brisant. Ilhan Omar oder Rashida Tlaib sitzen im Repräsentantenhaus und haben in den sozialen Medien Millionen Follower, die sie mit giftigen Tiraden gegen Israel bei Laune halten. Aber ein Senator macht wirklich Politik – auch Außenpolitik.

Barack Obama war, ehe er US-Präsident wurde, Senator. Sein Vizepräsident, der spätere US-Präsident Joe Biden, hatte über dreißig Jahre lang im Senat die Außenpolitik der Demokratischen Partei geprägt. Wenn El-Sayed die Wahl gewinnt, hat das also eine andere Qualität.

Sein Freund, der Terrorunterstützer

El-Sayed hat die US-Hilfe für Israel immer wieder scharf kritisiert. Wahlkampf führte er mit Hasan Piker, einem türkisch-amerikanischen Streamer mit mehr als drei Millionen Abonnenten auf Twitch und YouTube. Piker rechtfertigte die Gräueltaten vom 7. Oktober 2023 und machte Israel kürzlich ohne Beweise für die jüngste Krise in der spanischen Exklave Ceuta verantwortlich. Der Influencer sprach einmal über die Bemühungen, ultraorthodoxe Juden zum Dienst in den israelischen Streitkräften zu zwingen, und bezeichnete die Ultra-Orthodoxen dabei als »inzestuös«. Er fügte hinzu, es wäre »urkomisch«, wenn sie als Reaktion auf diese Politik Israel verließen oder in den Libanon abkommandiert würden.

Zu den Vergewaltigungen während des Hamas-Überfalls auf Israel sagte er: »Es spielt keine Rolle, ob am 7. Oktober Vergewaltigungen stattgefunden haben. Für mich ändert das nichts an der Dynamik.« Gemeint ist Pikers Zustimmung zu den Massakern und der Hamas. Der »palästinensische Widerstand« – sein Euphemismus für Terrorismus – sei eben »nicht perfekt«. Piker sagt ferner: Die Hamas sei »tausend Mal besser als Israel«. Die Hamas-Terroristen sind für ihn »Waisenkinder, deren Eltern von einem Apartheidstaat getötet wurden«. Und zu den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon meinte er vor Jahren einmal: »Amerika verdiente den 11. September.«

Es geht nicht darum, eine Kontaktschuld zu konstruieren. Wenn El-Sayed und Piker gemeinsam Wahlkampf machen, zeigt das, dass El-Sayed an dessen Positionen nichts auszusetzen hat und glaubt, dass Piker positiv auf ihn abfärbt und ihm Stimmen verschafft. Hillary Clinton würde er sicherlich nicht um Wahlkampfhilfe bitten. Er lehnte es folglich auch auf Nachfrage ab, sich von Pikers Sympathien für die Hamas und die Hisbollah zu distanzieren.

El-Sayed selbst wurde für seine Reaktion auf den Anschlag eines libanesisch-amerikanischen Mannes auf eine Synagoge im Raum Detroit im März kritisiert. Er verurteilte die Tat zwar, fügte aber hinzu: »Verletzte Menschen verletzen andere Menschen, und Ereignisse, die zehntausend Kilometer entfernt stattfinden, können sich auf unser Leben hier auswirken.« Diese Äußerung schien zu suggerieren, es sei plausibel, dass der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah – der durch die Raketenangriffe der Terrororganisation auf Israel ausgelöst wurde – jemanden in den USA dazu anstiftet, einen mit Sprengstoff gefüllten LKW in eine Synagoge (die auch einen Kindergarten beherbergt) zu steuern.

Gute Chancen

Nur wenige Demokraten distanzieren sich öffentlich von dem Radikalen El-Sayed. Einer von ihnen ist der demokratische Senator John Fetterman. Er stellte in einem Fernsehinterview die Frage, wie El-Sayed die »abwegigen Dinge, die er gesagt hat«, erklären wolle. Fetterman griff auch dessen »Kumpelei« mit Piker an. Am 25. Jahrestag der Terroranschläge werde El-Sayed sagen müssen: »Mein bester Freund sagt, Amerika verdiente den Elften September.«

Senator Fetterman hat sehr pointiert ausgedrückt, was auf dem Spiel steht. Wenn am 11. September des 25. Jahrestags der Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon gedacht wird, dann sollte das nicht geschehen, ohne davor zu warnen, dass jemand, der mit einem Terror-Sympathisanten gemeinsam auftritt, kurz davor ist, in den Senat einzuziehen.

Die Wahl zum US-Senat in Michigan findet am 3. November 2026, gleichzeitig mit den Wahlen zum Repräsentantenhaus, statt. El-Sayed tritt gegen den republikanischen Kandidaten Mike Rogers an. Der politische Vorhersagemarkt Predictit taxiert die Siegchance von El-Sayed derzeit auf sechzig Prozent.

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