Der arabisch-israelische Journalist und Israel-Advokat Yoseph Haddad wird als Nummer zwei auf der neugegründeten Liste des ehemaligen Generals Ofer Winter kandidieren.
Yoseph Haddad wurde 1985 in Haifa in eine arabisch-christliche Familie geboren. Sein Großvater hatte sich 1948 entschlossen, sich nicht der arabischen Fluchtbewegung anzuschließen und im neugegründeten Israel zu bleiben.
2003 meldete sich Haddad freiwillig zu den Verteidigungsstreitkräften (IDF) zu melden, nachdem in Haifa ein Terroranschlag auf das Restaurant Maxim erfolgt war, bei dem sowohl jüdische wie arabische Israelis getötet wurden. Er wurde Offizier in der Golani-Brigade und erlitt im zweiten Libanonkrieg in der Schlacht von Bint Jbeil eine Verwundung, die ihn zum Invaliden machte. 2018 gründete er die Organisation Together – Vouch for each other, die sich um die Integration der arabischen Bevölkerung in die israelische Gesellschaft verdient macht und zum Dienst in den IDF oder zum Zivildienst aufruft.
Nach dem Hamasmassaker vom 7. Oktober 2023 begann er eine umfangreiche Social-Media-Kampagne zur Rechtfertigung der israelischen Politik. Im Mai 2024 wurde er ausgewählt, am israelischen Unabhängigkeitstag eine Fackel zu entzünden, und erhielt ein Ehrendoktorat von der Ariel-Universität.
Im November desselben Jahres endete eine Oxford-Union-Debatte mit einem Platzverweis für Haddad, nachdem er mit einem T-Shirt erschienen war, auf dem ein Bild des ehemaligen Hisbollah-Generalsekretärs Hassan Nasrallah und die Aufschrift »Your terrorist is dead« prangte. 2025 erschien sein Buch »Let Me Explain«, in dem er seine Lebensgeschichte und politischen Ansichten darlegte. Seiner nicht unumstrittenen Meinung nach würde sich die Mehrheit der Araber Israel in die Gesellschaft des Staates integrieren wollen.
Bei seinen Reisen nach Europa und Auftritten auf Universitäten kommt es immer wieder zu Gegendemonstrationen und bei einem Flug von Dubai nach Israel wurden er und Familienmitglieder tätlich angegriffen. Dies passiert unlängst auch bei einer Debattierveranstaltung in den USA, wo er von dem rechtsextremen Aktivisten Dennis Feitose aka Def Noodles als »beschissenes genozidales Arschloch« und »Kindermörder« beschimpft sowie körperlich attackiert wurde.
Zukünftiger Hasbara-Minister?
Im Juni 2026 überlegte Haddad die Gründung einer eigenen Partei, die sich um die Belange der arabischen Israelis kümmert. Den arabischen Parteien im jüdischen Staat warf er vor, eine spalterische Politik zu betreiben und nicht die Interessen ihrer Klientel zu vertreten. »Sie konzentrieren sich auf Ramallah statt auf Nazareth. Sie konzentrierten sich auf Gaza statt auf Rahat. Sie kümmerten sich mehr um die Lage der Menschen, die nicht für sie stimmen, als um die derer, die es tun«, sagte er damals.
Nachdem Haddad jüngst seine Unterstützung für Amcha Yisrael, die neugegründete Partei des ehemaligen Generals Ofer Winter, erklärt hatte, bekundete er sein Interesse, nach den Wahlen das Amt des Ministers für Hasbara (hebräisch für: Aufklärung, politische Werbung) übernehmen zu wollen.
Dafür, so Haddad, sei er als stolzer israelischer Araber, der das Denken und die Mentalität des Nahen Ostens kenne, besonders geeignet. »Nach dem, was wir am 7. Oktober durchgemacht haben – jenem schrecklichen Massaker am dunkelsten Tag in der Geschichte unseres Landes –, gibt es nur einen Weg, unsere Existenz hier zu sichern: stark zu sein und mit dem Feind in der einzigen Sprache zu sprechen, die er versteht.« Die bisherigen arabischen Listen für die Knesset würden nicht die Interessen der israelischen Araber, sondern jene von Ramallah vertreten, wiederholte Haddad seine Kritik vom Juni.
