Syrien: Wiederaufnahme der Gespräche über Sicherheitsabkommen mit Israel möglich

Syriens Außenminister Assad al-Shaibani mit US-Sondergesandtem Tom Barrack
Syriens Außenminister Assad al-Shaibani mit US-Sondergesandtem Tom Barrack (© Imago Images / Anadolu Agency)

Syriens Außenminister Asaad al-Shaibani erklärte, er hoffe, dass Israel die historische Chance ergreift, die Spannungen zwischen den beiden Ländern abzubauen.

Damaskus rechnet damit, dass die Verhandlungen mit Jerusalem bald wieder aufgenommen werden, in der Hoffnung, ein Sicherheitsabkommen zu erzielen, das den Rückzug Israels aus syrischem Gebiet vorsieht. Dies sagte der syrische Außenminister Asaad al-Shaibani am Samstag in einem Interview mit Reuters. Nach dem Sturz des Regimes von Bashar Assad im Dezember 2024 übernahmen die israelischen Streitkräfte als Sicherheitsmaßnahme gegen terroristische Bedrohungen die Kontrolle über einen schmalen Landstreifen jenseits der syrischen Grenze auf den Golanhöhen.

Syriens oberster Diplomat erklärte, die Gespräche über eine Sicherheitsvereinbarung seien unterbrochen worden, als am 28. Februar der Krieg mit dem Iran ausbrach. Nach den Luftangriffen auf einen Luftwaffenstützpunkt im Nordwesten Syriens in der vergangenen Woche sei der Kontakt zu Jerusalem erst einmal gänzlich abgebrochen worden.

Nun forderte Al-Shaibani Israel auf, die »historische Chance« zu ergreifen, solange der diplomatische Weg noch offen ist. »Wir sind der Ansicht, dass es Kontakte geben sollte, insbesondere mit einer Partei, die die Sicherheit Syriens ständig bedroht. Aber wenn diese Kontakte keine Ergebnisse bringen, dann brauchen wir sie nicht. Wir vertrauen Israel derzeit nicht.« Zwar respektiere Syrien die Sicherheitsbedenken Israels, fuhr er fort, doch müsse Israel auch die Syriens respektieren.

Al-Shaibani berichtete, dass sich beide Seiten Anfang des Jahres bezüglich eines Sicherheitsabkommens, das an den Rückzug Israels aus den nach dem Sturz Assads eroberten Gebieten geknüpft war, »auf dem Papier auf fast alles geeinigt« hätten. Reuters berichtete, dass das Abkommen mehrere Sicherheitszonen entlang der israelisch-syrischen Grenze vorsehen würde. Dazu gehören laut der Nachrichtenagentur eine Pufferzone, in der nur die Vereinten Nationen präsent wären, sowie weitere Zonen, in denen syrische Streitkräfte in »unterschiedlicher Stärke« stationiert würden.

Israelische Kritik an Tom Barrack

Unterdessen verteidigte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz am Sonntag den Luftangriff in Syrien. Er erklärte, die IDF hätten die Durchführung der Operation auf der Grundlage von Geheimdienstinformationen empfohlen, und die politische Führung habe sie nach sorgfältiger Abwägung genehmigt.

Zudem unterstrich Katz die israelischen Warnungen an Recep Tayyip Erdoğan: »Wir werden nicht zulassen, dass sich die Türkei in Syrien festsetzt und die Sicherheit Israels gefährdet.« Im Zuge dessen gab er bekannt, dass Israel vor dem Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt eine Warnung an Damaskus ausgesprochen habe. »Nach mehreren Gesprächen, die der Ministerpräsident [Netanjahu] und ich mit den IDF und den verschiedenen Sicherheitsbehörden geführt haben, wurde vereinbart, dass vor der Erteilung der Genehmigung eine direkte Warnung an das syrische Regime auf höchster Ebene übermittelt werden sollte, um die Aktion zu verhindern. Genau das ist auch geschehen.«

Gleichzeitig seien die Geheimdienstinformationen an die zuständigen Behörden in den Vereinigten Staaten weitergeleitet worden. Zugleich kritisierte Katz die jüngsten Äußerungen des US-Botschafters in der Türkei und Sonderbeauftragten für den Irak und Syrien, Tom Barrack, die »voller Ungenauigkeiten sind und US-Präsident Trumps Positionen hinsichtlich des Status der Golanhöhen widersprechen«.

Am Freitagabend hatte Barrack gegenüber dem Reporter Mario Nawfal erklärt, Israel besetze die Golanhöhen »entgegen den UN-Resolutionen und entgegen der gesamten internationalen Ordnung, die besagt, dass der Golan zu Syrien gehört«. Während seiner ersten Amtszeit hatte Präsident Donald Trump am 25. März 2019 eine Proklamation unterzeichnet, in der er die israelische Souveränität über die Golanhöhen anerkannte.

Spannungen mit Türkei

Die Spannungen zwischen Ankara und Jerusalem in Syrien haben seit Assads Sturz stetig zugenommen. Als Teil einer türkischen Untersuchung zur israelischen Abfangaktion einer Gaza-Flottille im Frühjahr 2026 kündigte Justizminister Akin Gürlek am Freitag die Ausstellung von Haftbefehlen gegen Netanjahu und andere israelische Amtsträger an,

In einer Reaktion erklärte das Büro des Ministerpräsidenten in Jerusalem, dass sich Israel »schon lange nicht mehr von der Heuchelei der Türkei beeindrucken« lasse. Erdoğan »ist ein antisemitischer Diktator, der Kurden massakriert hat, Hamas-Terroristen beherbergt, die Hälfte von Zypern besetzt hält und eine Rekordzahl von Journalisten und Politikern inhaftiert, die sich ihm widersetzen. Nun versucht er, seine antiisraelische Aggression auf Syrien auszuweiten. Das wird Israel nicht tolerieren«, hieß es in der Erklärung.

Ebenfalls am Freitag legte Netanjahus internationaler Sprecher Doron Spielman in einer Videobotschaft die Gründe für die zuletzt zunehmenden Spannungen zwischen Jerusalem und Ankara dar. Spielman zeigte eine Karte der Region und erklärte, Israel habe Truppen auf einem Promille des syrischen Territoriums im Grenzgebiet zu den Golanhöhen stationiert. Dies geschehe, um die israelischen Bewohner vor Bedrohungen durch Terrorgruppen zu schützen. Im Gegensatz dazu habe die Türkei mittlerweile eine »erhebliche militärische Präsenz« in etwa fünf Prozent der Gebiete im Nordwesten Syriens. Israels Position sei klar, fuhr Spielman fort: »Wir werden nicht zulassen, dass sich die Türkei in Syrien festsetzt und sich stetig nach Süden in Richtung der israelischen Grenze vorarbeitet.«

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