USA ziehen ohne Ankündigung Flugabwehr aus Irakisch-Kurdistan ab

Die USA ziehen ihre Flugabwehr aus Erbil in Irakisch-Kurdistan ab
Die USA ziehen ihre Flugabwehr aus Erbil in Irakisch-Kurdistan ab (© Imago Images / Anadolu Agency)

Offenbar ziehen die USA und andere westliche Länder ihre Flugabwehr aus der irakisch-kurdischen Hauptstadt Erbil ab. Ein Schritt, der dort mit großer Sorge verfolgt wird.

Zur Erinnerung: In den letzten sechs Monaten sind Ziele in Irakisch-Kurdistan mit mehr als tausend Drohnen und Raketen angegriffen worden. Die dabei attackierten Stätten reichten von Stellungen iranisch-kurdischer Oppositionsparteien über Gebäude in den großen Städten bis zu Hotels und militärischen Einrichtungen.

Die irakisch-kurdischen Armeeeinheiten selbst verfügen kaum oder gar nicht über moderne Flugabwehr und waren von amerikanischer oder der anderer Länder der internationalen Anti-IS-Koalition abhängig. Ohne diese Hilfe hätte es noch wesentlich mehr Tote und Verletzte gegeben.

Nun haben die USA völlig überraschend erklärt, ihre Flugabwehrsysteme abzuziehen und offenbar auch ihre Truppen vor dem mit der irakischen Regierung vereinbarten Termin Ende September zu verlegen. Als Konsequenz steht Irakisch-Kurdistan nun weitgehend schutzlos da:

»Der Abzug wichtiger militärischer Ressourcen der Koalition aus der Region Kurdistan wirft Fragen hinsichtlich der künftigen Sicherheitsarchitektur im Nordirak und der Fähigkeit der Region auf, Drohnen- und Raketenbedrohungen abzuwehren. Die Koalitionsstreitkräfte haben zentrale Überwachungs- und Luftabwehrressourcen aus Erbil abgezogen, was eine bedeutende Veränderung der von den USA geführten militärischen Präsenz in der Region Kurdistan signalisiert.

Die von den USA geführte internationale Koalition hat mit dem Abzug militärischer Ressourcen aus der Region Kurdistan begonnen, was einen weiteren bedeutenden Meilenstein beim schrittweisen Abbau ihrer militärischen Präsenz im Irak darstellt. Laut einer gut informierten Quelle haben die Koalitionsstreitkräfte beschlossen, die Region Kurdistan parallel zum Abzug der US-Streitkräfte zu verlassen, was den allgemeinen Wandel in der militärischen Strategie Washingtons widerspiegelt.

Zu den auffälligsten Entwicklungen zählt die Entfernung des Überwachungsballons, der über dem internationalen Flughafen von Erbil im Einsatz war. Der Ballon diente als eines der wichtigsten Frühwarnmittel der Koalition und überwachte kontinuierlich den Luftraum auf verdächtige Aktivitäten aus der Luft, darunter Drohnen, Marschflugkörper und andere niedrig fliegende Bedrohungen. Die Quelle gab an, dass der Überwachungsballon kurz nach dem Abzug des MIM-104-Patriot-Luftabwehrsystems der US-Streitkräfte aus dem Gebiet demontiert wurde, was darauf hindeutet, dass beide Maßnahmen Teil einer koordinierten militärischen Umgruppierung und keine isolierten Entscheidungen waren.«

Kapitulation vor Teheran

In Teheran wird man diese Entwicklung mit Genugtuung verfolgen. Erst jüngst hat das Regime Elitetruppen an die Grenze verlegt, um effizienter gegen iranisch-kurdische Kämpfer und Oppositionelle vorzugehen. Seit Monaten übt es auch enormen Druck auf die Regierung in Erbil aus, die Stützpunkte dieser Oppositionsgruppen zu schließen. Außerdem wurde der kurdische Nordirak auch immer wieder von den iranisch gestützten irakischen Milizen angegriffen, die in den anderen Teilen des Landes frei agieren können.

Ohne Schutz wird die kurdische Regierung deshalb auch wesentlich leichter unter Druck zu setzen sein. Deshalb verfolgen die Menschen in dem Gebiet die Entwicklungen mit großer Sorge, denn sie alle haben in den vergangenen Jahrzehnten auf den Schutz vor allem seitens der USA gebaut. Ein Abzug käme in der aktuellen Lage deshalb einer Art Kapitulation vor Teheran gleich – und wird jedenfalls als solcher in der ganzen Region gesehen.

Trumps »Kultur des Spektakels«

Thomas von der Osten-Sacken im Talk über Donald Trumps Auflösung der Politik in Events sowie die Gelassenheit der Menschen im kurdischen Nordirak.

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