Der Angriff auf einen ägyptischen Hafen am Suezkanal sollte verdeutlichen, dass der Iran und seine Verbündeten die weltweiten Energietransporte noch stärker stören können als bisher.
Das ägyptische Kabinett bestätigte am Donnerstag, dass am Vortag eine Drohne Brände auf zwei Gastankern im ägyptischen Mittelmeerhafen Damiette ausgelöst habe. Das Kabinett in Kairo machte keine Partei für den Angriff verantwortlich und erklärte, die Behörden würden den Vorfall noch untersuchen. Die Drohne traf Berichten zufolge einen in US-Besitz befindlichen und unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Gasspeichertanker. Wie Reuters unter Berufung auf das maritime Sicherheitsunternehmen Ambrey berichtete, wurden keine Opfer gemeldet.
Nach dem Angriff erklärten zwei iranische Quellen gegenüber The New York Times, der Drohnenangriff sollte zeigen, dass der weltweite Schiffsverkehr und die Energieversorgung noch stärker gestört werden könnten, wenn der Iran eine Eskalation beschließt. Das deute stark auf eine Beteiligung des Iran an dem Angriff hin, sagten sie, gaben jedoch keine Auskunft darüber, ob Teheran oder einer seiner Stellvertreter in der Region hinter dem Angriff steckte.
Iranische Initiative
Der leitende Forschungsanalyst bei der Foundation for Defense of Democracies, Ahmad Sharawi, erklärte gegenüber Jerusalem News Syndicate ebenfalls, dass der Angriff den vom Iran durchgeführten oder animierten Attacken auf zivile Infrastruktur an anderen Orten in der Region ähnele. Höchstwahrscheinlich, so Sharawi, sei er von den mit Teheran verbündeten Huthi im Jemen verübt worden. Sollte sich dies bestätigen, wäre der Angriff der erste Schlag des Iran oder seiner Stellvertreter gegen Ägypten seit Beginn des Konflikts im Februar.
»Während der intensivsten Phase des Iran-Kriegs griffen sie mit Drohnen sensible und touristisch bedeutsame Orte in Dubai an. Sie schickten zwar nur eine Drohne, aber das war eine Botschaft, dass sie auch zwanzig Drohnen schicken und dieses Gebäude zerstören könnten«, sagte Sharawi. »Dieser Angriff könnte eine Botschaft an die Ägypter sein, dass [der Iran] den Suezkanal erreichen und sperren kann.«
Sowohl der Iran als auch die Huthi haben wiederholt den Schiffsverkehr im Roten Meer bedroht, um ihre in der Straße von Hormus begonnenen Bemühungen fortzusetzen, die weltweiten Energielieferungen zu stören und zu blockieren. Saudi-Arabien und andere Ölproduzenten in der Region haben versucht, diese Blockade zu umgehen und den Seeverkehr aus dem Persischen Golf zu verlagern. Dazu haben die Saudis täglich Millionen Barrel ihrer Ölexporte in den Hafen von Yanbu am Roten Meer umgeleitet.
Anfang Juli verkündeten die Huthi eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien und erklärten kürzlich, sie wollten ähnliche Mautgebühren über die Meerenge von Bab al-Mandab verhängen, wie sie der Iran für die Straße von Hormus anstrebt.
Ägyptische Reaktion?
Sharawi sagte, der Iran und seine Stellvertreter könnten nun die Reaktionen der Länder in der Region testen, indem sie mit Angriffen auf potenzielle Ölexportrouten drohen. »Wenn Bab al-Mandab effektiv bedroht oder gesperrt ist, der Suezkanal bedroht ist und die Straße von Hormus bedroht ist, dann ist der einzige Ausweg das Mittelmeer über syrisches Gebiet, das sehr instabil ist. Die Iraner und die vom Iran unterstützten Milizen im Irak könnten beginnen, diese Route und die Häfen im Westen Syriens anzugreifen. Ab diesem Punkt gäbe es für keines dieser Länder mehr einen Ausweg, um ihr Öl zu exportieren.«
Sharawi erklärte, Ägypten könnte nach dem Angriff seine bisherigen Vorbehalte gegenüber militärischen Operationen im Roten Meer überdenken. »Ägypten versucht immer, den Balanceakt zu meistern. Ich weiß nicht, ob ich mir derzeit einen ägyptischen Angriff vorstellen kann, aber der Druck auf das Land, etwas zu unternehmen, wird zunehmen, zumal sein Hoheitsgebiet angegriffen wurde.«
Der angegriffenen Hafen Damiette liegt etwa fünfzig Kilometer nordwestlich von Port Said, dem nördlichen Eingang zum Suezkanal. Jährlich werden Waren im Wert von etwa einer Billion Dollar durch den Kanal transportiert, darunter ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Erdgasvorräte.
