Wikipedia-Gründer kritisiert Redakteure für antiisraelische Propaganda

Antiisraelische Demonstranten berufen sich auf voreingenommene Wikipedia-Einträge zum jüdischen Staat

Der Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales hat sich in einen hitzigen Redaktionsstreit über einen voreingenommenen Artikel der Website zum Thema Gazastreifen eingeschaltet.

Anfang dieses Jahres wurde von Wikipedia ein Schlichtungsausschuss gebildet, nachdem eine von der Website Pirate Wires durchgeführte Untersuchung ergeben hatte, dass eine einflussreiche Gruppe von Redakteuren sich nach dem von der Hamas angeführten Massaker an Israelis am 7. Oktober 2023 abgesprochen hatte, zur Delegitimierung Israels beizutragen.

In den vergangenen zwei Jahren wurde entdeckt, dass zwei Wikipedia-Redakteure neue Artikel mit provokanten Titeln wie »Gaza-Völkermord« verfassten, in denen behauptet wurde, Israel begehe einen Genozid an den Palästinensern. Ein weiterer Artikel mit dem Titel »Israelische Apartheid« behauptete, Israel habe »ein System institutionalisierter Segregation und Diskriminierung« aufgebaut.

Ein Redakteur entfernte nur sechs Wochen nach dem Hamas-Massaker die Erwähnung der Charta der Terrorgruppe von 1988, in der zur Tötung von Juden und zur Zerstörung Israels aufgerufen wird, aus dem Artikel über die Hamas. Auch wurde vonseiten der Redakteursgruppe versucht, Hinweise auf dokumentierte Menschenrechtsverletzungen durch den Iran zu unterdrücken. Eine damit verbundene Initiative namens »Tech For Palestine« koordinierte die massenhafte Bearbeitung von Artikeln zum israelisch-palästinensischen Konflikt.

Die Anti-Defamation League verlieh den Bedenken im März Glaubwürdigkeit, als sie einen Bericht mit dem Titel Editing for Hate: How Anti-Israel and Anti-Jewish Bias Undermines Wikipedia’s Neutrality veröffentlichte, in dem bestätigt wurde, dass »mindestens dreißig Wikipedia-Redakteure gemeinsam gehandelt haben, um die Richtlinien der Plattform zu umgehen und antisemitische Narrative, antiisraelische Vorurteile und irreführende Informationen einzufügen«.

Eskalation der Krise

Trotz des laufenden Schiedsverfahrens haben sich die internen Spannungen seither nur noch verschärft. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Konflikt Anfang November, als sich der Wikipedia-Mitbegründer Jimmy Wales persönlich in die Debatte einschaltete und warnte, dass die Krise um die Neutralität der Website außer Kontrolle geraten sei.

»Derzeit wird in der Einleitung und der Gesamtdarstellung auf Wikipedia behauptet, dass Israel einen Völkermord begehe, obwohl diese Behauptung höchst umstritten ist«, schrieb Wales auf der Diskussionsseite von Wikipedia. »Die Stimme von Wikipedia sollte für keine der Seiten sprechen, die Artikel dürfen keine rechtlichen Schlussfolgerungen enthalten und sollten bedeutende, hochwertige Quellen von allen Seiten einbeziehen, darunter Regierungen, Gerichte, Nichtregierungsorganisationen und Kommentatoren.«

Im Forum lösten die Kommentare von Wales eine Gegenreaktion mehrerer propalästinensisch argumentierende Redakteure aus, die ihm vorwarfen, die Diskussion über israelische Kriegsverbrechen zu unterbinden. Einige behaupteten, den Vorwurf der Voreingenommenheit zu erheben, sei selbst ein politischer Akt, während andere argumentierten, die Vereinten Nationen hätten Israels Militäraktion im Gazastreifen bereits als Völkermord bezeichnet.

Wales wies diese Kritik zurück und betonte, seine Bedenken seien nicht politischer, sondern verfahrenstechnischer Natur. »Die Aufgabe eines Wikipedianers besteht nicht darin, Partei zu ergreifen, sondern die Debatte sorgfältig und neutral zu dokumentieren.«

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten. Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung.
Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte
oder direkt über Ihren PayPal Account.