Die für ihre antiisraelische Propaganda und Fake News bekannte Irakerin Ravan al-Taie kandidiert für den Vorstand von Wikimedia und beschuldigt Israel hunderter Völkermorde.
Aaron Bandler
Ravan al-Taie lebt im Irak und ist für ein Ölfelddienstleistungsunternehmen tätig. Wie auf ihrer Website als Kandidatin für den Vorstand der Wikimedia Foundation zu lesen ist, ist es für sie »an der Zeit für mehr Stimmen aus unterrepräsentierten Gemeinschaften«, um die Zukunft der Enzyklopädie-Bewegung zu gestalten.
Al-Taie selbst möchte laut Eigenangaben »dazu beitragen, dass Entscheidungen die Vielfalt unserer globalen Gemeinschaft widerspiegeln. In den letzten sechzehn Jahren habe ich mehr als 22.000 Bearbeitungen vorgenommen und über tausend Artikel verfasst, wobei ich mich stark darauf konzentriert habe, Inhaltslücken in Themenbereichen wie der irakischen Kultur, Frauenbiografien und unterrepräsentierten Gemeinschaften zu schließen. Mein Ziel war es immer, Wissen zugänglich, relevant und repräsentativ für die Vielfalt in unserer Region zu machen.«
Kritik
Amerikanisch-jüdische Gruppen sehen dies anders und erklärten gegenüber Jewish News Syndicate (JNS), es wäre sehr bedauerlich, würde al-Taie in den Vorstand der in San Francisco ansässigen gemeinnützigen Organisation gewählt, die Wikipedia, eine der meistbesuchten Websites im Internet, betreut. »Es sollte alle Alarmglocken läuten, wenn ein potenzielles Vorstandsmitglied von Wikimedia, dem Hüter einer der einflussreichsten Informationsplattformen der Welt, bekanntermaßen antiisraelische Propaganda betreibt und Falschmeldungen verbreitet«, ist Vlad Khaykin, Executive Vice President des Simon Wiesenthal Centers, alarmiert.
Dies würde »die Integrität von Wikipedia und seine noble Mission, allen Menschen unvoreingenommenes Wissen zu vermitteln«, untergraben, so Khaykin. Das Wiesenthal Center habe davor gewarnt, dass »Wikipedia durch aktivistische Redakteure, die antiisraelische Vorurteile in seine Seiten einspeisen, an Glaubwürdigkeit verliert. Wikimedia muss sich entscheiden. Ist es weiterhin im Geschäft mit Fakten tätig, oder übergibt es den Schlüssel an Verschwörungstheoretiker?«
Für Daniel S. Mariaschin, Vorstandvorsitzender von B’nai B’rith International, sollte Ravan al-Taie »von Anfang an disqualifiziert werden«: Warum sollte jemand »an die Unparteilichkeit von Wikipedia mit einem Vorstand glauben, zu dessen Mitgliedern al-Taie gehört, die eine auf Mythen basierende Sichtweise der Geschichte und der Gegenwart vertritt«?
Antisemitische Social-Media-Beiträge
Auf Anfrage von Jewish News Syndicate bei der Stiftung und al-Taie selbst erklärte die Foundation, Ravan al-Taie spiele »keine redaktionelle Rolle bei Wikipedia«. Die Amtszeit der Mitglieder des Stiftungsvorstands beträgt drei Jahre. Autoren, die vor dem 28. Juli mindestens dreihundert Bearbeitungen auf Wikimedia-Websites, darunter Wikipedia, Wikibooks, Wiktionary und Wikiquote, vorgenommen haben – wobei mindestens zwanzig in den Zeitraum zwischen dem 27. August 2024 und dem 28. Juli 2025 fallen müssen –, können zwischen dem 8. und 23. Oktober für den Stiftungsvorstand stimmen. (Personen, die bei einem Wikimedia-Projekt gesperrt wurden, sind laut Stiftung nicht wahlberechtigt.)
Die Stiftung beabsichtigt, nach Ablauf der Wahlperiode vorläufige Ergebnisse zu veröffentlichen; der Vorstand will die neuen Mitglieder im Dezember bestätigen. Ursprünglich war geplant, die Wahl vom 27. August bis zum 10. September abzuhalten, aber am 21. August haben der Wahl- und der Governance-Ausschuss die Wahl verschoben, angeblich wegen »best Practices, der zunehmenden Kontrolle, welcher der Vorstand ausgesetzt ist, und um die Unsicherheit hinsichtlich der Wählbarkeit der Kandidaten vor der Abstimmung durch die Community-Mitglieder zu verringern«.
Al-Taie, ehemalige Administratorin des arabischsprachigen Wikipedia, ist eine von sechs Kandidaten, die sich um zwei freie Sitze im Kuratorium der Stiftung bewerben. Dabei sind inzwischen gelöschte Social-Media-Beiträge aufgetaucht, die angeblich von al-Taie stammen und laut denen Israel zum Beispiel »hunderte von Völkermorden« begangen habensoll.
Ein israelischer Diplomat in Großbritannien veröffentlichte einen Screenshot einer ihrer Beiträge, in dem al-Taie auf die »Fake News über ›Vergewaltigungsangriffe‹ am 7. Oktober [2023]« Bezug nahm. »Über fünfzig Prozent der britischen Erwachsenen nutzen Wikipedia für Recherchen. Derzeit erwägt die Muttergesellschaft, die Wikimedia Foundation, Ravan Jaafar al-Taie in ihren Stiftungsrat aufzunehmen«, schrieb der Diplomat. »Entspricht die Leugnung von Vergewaltigungen Ihrem Verhaltenskodex für Treuhänder, Wikimedia?«
Ernsthafte Angelegenheit
Shlomit Aharoni Lir, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Haifa, die auf al-Taies frühere Social-Media-Beiträge aufmerksam gemacht hatte – die Irakerin scheint kürzlich ihr gesamtes Konto auf X gelöscht zu haben –, sagte gegenüber Jewish News Syndicate, sie halte die Kandidatur der Irakerin für eine »sehr ernste« Angelegenheit. Der Wikimedia-Vorstand »leitet und überwacht die Aktivitäten der Stiftung« und legt die »Strategie, die langfristigen Ziele und die zu ihrer Erreichung erforderlichen Ansätze« fest.
Al-Taies Beiträge verstießen gegen den universellen Verhaltenskodex von Wikimedia, der »Hassreden, diskriminierende Sprache und die Verwendung von Symbolen oder Inhalten verbietet, die dazu dienen, Menschen als Gruppen oder Einzelpersonen einzuschüchtern, zu schädigen oder auszugrenzen«, erklärte Aharoni Lir. »Eine Kuratorin, die öffentlich dokumentierte Gräueltaten geleugnet und antisemitische Klischees verbreitet hat und Israel auslöscht, indem sie das gesamte Gebiet als ›Palästina‹ bezeichnet und damit die Selbstbestimmung der Juden leugnet, verstößt gegen den universellen Verhaltenskodex und zeigt genau die Art von Voreingenommenheit, vor der die Stiftung gewarnt wurde«.
Al-Taies »Anwesenheit am Konferenztisch des Kuratoriums würde extremistische Ansichten legitimieren und die Glaubwürdigkeit des Kuratoriums weiter schädigen, wodurch es sich mitschuldig an genau der Manipulation von Wissen machen würde, die es eigentlich bekämpfen sollte, was ihm jedoch nicht gelungen ist«, so Lir.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)
Anti-Israeli information manipulation on Wikipedia is somewhat subtle, but on Simple English Wikipedia, it is overt. Using Hamas's name of the war Al-Aqsa Flood, terror-based phrases like Palestinian resistance and Palestinian civilian martyrs, and openly citing biased sources. pic.twitter.com/VIfrh9SBZ9
— Dr. Shlomit Aharoni Lir (@shlomitlir) August 20, 2025
