Zufluss des Euphrat in den Irak hat sich gegenüber dem Vorjahr vervierfacht

Der Euphrat am irakischen Haditha-Staudamm
Der Euphrat am irakischen Haditha-Staudamm (Quelle: RUDAW)

Aufgrund von starken Regenfällen im Frühling und Abkommen mit der Türkei und Syrien verfügt der Euphrat im Irak wieder über größere Wassermengen als in der jüngeren Vergangenheit.

Die Wassermenge, die aus Syrien über den Euphrat in den Irak fließt, beträgt mehr als das Vierfache des Vorjahreswerts, teilte das irakische Ministerium für Wasserressourcen Anfang der Woche mit. »Derzeit gelangen 680 Kubikmeter Wasser pro Sekunde von der syrischen Grenze und dem Haditha-Staudamm in der Provinz Anbar in den Irak«, erklärte der Ministeriumssprecher Khalid Shimal, gegenüber der irakisch-kurdischen Nachrichtenplattform Rudaw.

Shimal fügte hinzu, dass am Haditha-Staudamm in der Provinz Anbar etwa »500 Kubikmeter pro Sekunde weiter durch den Euphrat fließen, während wir dort 180 Kubikmeter pro Sekunde speichern. Diese Menge ist viermal so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres«, als nur 151 Kubikmeter pro Sekunde den Irak erreichten. Der Haditha-Damm, der größte irakische Staudamm am Euphrat und dessen zweitgrößtes Wasserkraftwerk, verfügt derzeit über ein Speichervolumen von 4,8 Milliarden Kubikmetern, wobei laut Shimal noch etwa 3,4 Milliarden Kubikmeter verfügbar sind, bevor die volle Kapazität erreicht ist.

Der Anstieg erfolgt vor dem Hintergrund, dass der Irak bestrebt ist, seine Wasserversorgungssicherheit zu stärken, nachdem es jahrelang zu Engpässen gekommen war. Diese waren auf einen Rückgang der Zuflüsse aus Euphrat und Tigris zurückzuführen, die erhebliche Teile des Oberflächenwasserverbrauchs im Irak decken. Hinzu kommen große Staudämme stromaufwärts in der Türkei, die den Wasserzufluss in den Irak drastisch reduzieren und damit die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung sowie lokale Ökosysteme beeinträchtigen.

Shimal führte den höheren Zufluss des Euphrat auf drei Faktoren zurück: die erhöhte Wasserverfügbarkeit in der Türkei und Syrien, die Wasserbewirtschaftungspraktiken der Türkei sowie das Bewirtschaftungs- und Speichersystem Syriens.

Abkommen geschlossen

Laut Shimal bereitet das Ministerium fünf Schlüsselmaßnahmen vor, um nachhaltige Wasserressourcen in den zentralen und südlichen Provinzen zu sichern und zu verwalten. Dazu gehören die Entwicklung eines Plans zur Stärkung der Speicherkapazitäten und zur Aufrechterhaltung der Flusspegel, die Einführung eines einheitlichen Mechanismus zur Wasserverteilung unter den Provinzen sowie die Stärkung des Wasserrationssystems. Außerdem soll eine nationale Kampagne eingeleitet werden, mit der Eingriffe in die Wasserressourcen reguliert und die Verwaltung von Wasserprojekten und -institutionen reformiert werden sollen.

Auch eine Koordinierung mit Ministerien, dem Parlament und zivilgesellschaftlichen Organisationen ist vorgesehen, um die Finanzierung von Wasserprojekten sicherzustellen. »Durch die Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium und dem Umweltministerium gibt es eine Vision und einen strategischen Plan, um den Risiken der Wasserknappheit und der Umweltveränderungen zu begegnen«, sagte Shimal.

Anfang August teilte das Ministerium für Wasserressourcen mit, dass der Irak nach starken Regenfällen während der Regenzeit 2025/26 über ausreichende Reserven in seinen großen Stauseen verfüge. Zu diesem Zeitpunkt erklärte Shimal, dass 428 Kubikmeter pro Sekunde aus dem Euphrat in den Haditha-Stausee flossen.

Im August begannen der Irak und die Türkei mit der Umsetzung eines zweijährigen Abkommens zur Zusammenarbeit im Wasserbereich. Bereits Ende Juni unterzeichnen der Irak und Syrien ein Protokoll zur Zusammenarbeit bei gemeinsamen Wasserressourcen und zum Austausch technischer Informationen über den Euphrat. Die Abkommen sind Teil der irakischen Bestrebungen, sich auf die längerfristigen Auswirkungen von Wasserknappheit und Klimawandel vorzubereiten.

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