Das US-Militär geht davon aus, bis zum 30. September all seine Truppen aus dem Irak abgezogen zu haben. Damit endet eine Präsenz, die mit der Invasion gegen Saddam Hussein im Jahr 2003 begann.
Washington und Bagdad einigten sich im Jahr 2024 darauf, die von den USA geführten Operationen gegen die Terrorgruppe »Islamischer Staat« auslaufen zu lassen. Daraufhin zogen sich die US-Truppen im vergangenen Jahr aus Stützpunkten in den meisten Gebieten des Irak zurück, behielten jedoch eine Präsenz in der halbautonomen kurdischen Region im Norden des Landes bei. Die dortigen Stützpunkte sind regelmäßig Angriffen ausgesetzt, seit die USA und Israel am 28. Februar den Krieg gegen den Iran begonnen haben.
Der irakische Ministerpräsident Ali al-Saidi traf sich am Mittwoch mit dem Leiter des US-Zentralkommandos Brad Cooper. Bei dem Gespräch sei der 30. September als »fixes und endgültiges Datum für die Beendigung der militärischen Mission der Globalen Koalition zur Bekämpfung des IS im Irak« bekräftigt worden, erklärte Al-Saidi anschließend in einer Stellungnahme. Dies würde einen vollständigen Abzug der Streitkräfte der US-geführten Koalition beinhalten, hieß es seitens des irakischen Premiers.
Ein US-Beamter bestätigte, dass die USA davon ausgehen, ihren Abzug bis zum 30. September abzuschließen. Er lehnte es jedoch ab, Angaben dazu zu machen, wie viele Soldaten noch im Irak verbleiben oder wohin sie verlegt werden sollen. »Die Vereinigten Staaten, der Irak und die Koalitionspartner haben bei der Bekämpfung des IS enorme Erfolge erzielt, und nun werden die irakischen Sicherheitskräfte – einschließlich der Peschmerga und anderer Kräfte der Region Irakisch-Kurdistan – den Kampf gegen Terroristen im Irak anführen.«
Zwei Vertreter der irakischen Kurden gaben an, dass der Abzug von US-Truppen und militärischer Ausrüstung aus Erbil vor etwa drei Wochen begonnen habe.
Entwaffnung der Milizen
Die US-Präsenz im Irak wuchs auf mehr als 170.000 Soldaten an, als die Operationen zur Bekämpfung von Aufständischen 2007 ihren Höhepunkt erreichten. Im Dezember 2011 zogen die letzten Kampftruppen ab. Doch 2014 führten der Aufstieg des Islamischen Staats und dessen Eroberung eines beträchtlichen Territoriums im Irak und in Syrien dazu, dass die US-Streitkräfte auf Einladung der irakischen Regierung zurückkehrten.Nachdem der IS die Kontrolle über diese Gebiete wieder verloren hatte, endeten die Militäroperationen der Koalition im Jahr 2021. Die USA behielten etwa 2.500 Soldaten vor Ort, um Ausbildungsmaßnahmen durchzuführen und gemeinsam mit dem irakischen Militär Anti-IS-Operationen durchzuführen.
Der irakische Ministerpräsident hat zudem den 30. September als Frist für die bewaffneten Milizen im Irak gesetzt, ihre Waffen an den Staat. Abzugeben. Nach dem Abzug der ausländischen Truppen hätten sie keine Rechtfertigung mehr, Waffen zu tragen, erklärte al-Saidi. Einige der bewaffneten Gruppierungen haben ihre Existenz mit der Anwesenheit des US-Militärs begründet. Sie betrachten deren Präsenz als »Besatzung«, obwohl diese auf Bitte der irakischen Regierung erfolgte. Einige der mächtigsten und vom Iran unterstützten Milizen haben jedoch bereits erklärt, sie hätten nicht vor, ihre Waffen abzugeben. Insofern erscheint es unwahrscheinlich, dass die irakische Regierung ihre Frist für die Entwaffnung nichtstaatlicher Gruppierungen einhalten wird.
