Durch saudische Luftangriffe unterstützte jemenitische Truppen sollen die Wasserstraße Bab al-Mandab am Roten Meer von den Huthi-Milizen zurückerobern.
Saudi-Arabien bereitet eine neue Militäroffensive gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Milizen im Jemen vor. Dabei werden Pläne geprüft, die von einem gezielten Angriff an der Küste des Roten Meeres bis hin zu einem umfassenderen Angriff an mehreren Fronten reichen, wie regionale und westliche Beamte gegenüber Reuters angaben.
Vor Ort würde die Operation, die in den kommenden Wochen beginnen soll, von jemenitischen Streitkräften durchgeführt werden. Saudi-Arabien selbst würde die Aufsicht über die Offensive innehaben und sie mit Luftangriffen unterstützen, so sechs mit den Vorbereitungen vertraute Personen. Je nach Umfang könnten dazu mehr als 100.000 jemenitische Soldaten mobilisiert werden, so die Beamten.
Ein zentrales Ziel ist es, die raschen Geländegewinne der Huthi rückgängig zu machen. Diese waren im September entlang der jemenitischen Küste vorgerückt und haben dabei die Kontrolle über die Meerenge von Bab al-Mandab erlangt, die eine der weltweit wichtigsten Wasserstraßen ist. Der Bab al-Mandab verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden im Pazifischen Ozean und dient damit als zentrale Route für den Schiffsverkehr zwischen Asien und dem Mittelmeer. Seine Bedeutung hat in diesem Jahr stark zugenommen, da die Straße von Hormus durch den Konflikt mit dem Iran praktisch gesperrt ist.
Zur Offensive bereit?
Riad sei zu dem Schluss gekommen, dass erneute Friedensverhandlungen mit den Huthi nicht realisierbar sind, solange die Gruppe Bab al-Mandab und den damit verbundenen strategischen Einfluss innehat, sagten westliche Diplomaten und ein Vertreter der Golfstaaten. Der genaue Zeitpunkt der Offensive bleibt unklar. Die Einschätzungen reichen von einem Termin innerhalb der nächsten Woche bis zu einem nach den US-Zwischenwahlen Anfang November.
Der ehemalige US-Botschafter in Saudi-Arabien, Michael Ratney, geht davon aus, dass eine etwaige Operation deutlich begrenzter ausfallen werde als die 2015 gestartete und ebenfalls von Saudi-Arabien angeführte Intervention. So ginge es aktuell darum, den Status quo ante wiederherzustellen, der vor der Huthi-Offensive am Bab al-Mandab herrschte. »Im Idealfall wäre es eine recht begrenzte Operation, um die Küstengebiete zurückzuerobern und den normalen Seeverkehr wiederherzustellen.«
Laut einem westlichen Diplomaten stellt Washington bereits Militärberater und Geheimdienstinformationen, einschließlich Zielangaben, zur Unterstützung der saudischen Luftoperationen im Jemen bereit. Eine direkte Beteiligung der USA an den Kampfhandlungen wird jedoch nicht erwartet. In der Vergangenheit war berichtet worden, dass US-Präsident Trump Anträge des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman auf direkte militärische Unterstützung abgelehnt habe.
Jede Bodenoffensive würde stark von den diversen jemenitischen Fraktionen abhängen, die in früheren Phasen des Bürgerkriegs von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bewaffnet und ausgebildet wurden. Analysten erklären jedoch, dass diese Kräfte nach wie vor stark zersplittert sind und Schwierigkeiten haben werden, eine groß angelegte Offensive gegen die Huthi aufrechtzuerhalten.
Viele der jemenitischen Kräfte seien nach wie vor zu unorganisiert und auf keine anhaltende Offensive vorbereitet, die erforderlich ist, um eine disziplinierte Streitmacht wie die der Huthi zurückzudrängen, sagte der Jemen-Analyst Mohammed Albasha. Die jemenitischen Fraktionen wurden durch interne Zusammenstöße im vergangenen Winter weiter geschwächt, nachdem von den VAE unterstützte südjemenitische Kräfte versucht hatten, Gebiete zu erobern und eine Abspaltung anzustreben – nur um dann von den von Saudi-Arabien geförderten Kräften angegriffen und zurückgedrängt zu werden.
