Eine Auswertung von 136 Lehrbüchern stellte eine Mäßigung sowie Reformen im saudischen Lehrplan fest, die mit einem Rückgang extremistischer Inhalte einhergehen.
Der saudische Lehrplan sei nun vollständig frei von antisemitischen Inhalten und fördere Frieden und Koexistenz, während er islamischen Extremismus offen als Bedrohung darstelle, wie eine am Montag veröffentlichte Studie ergab. Die fortgesetzte Bildungsreform und die unmissverständlichen Zeichen der Mäßigung erfolgen vor dem Hintergrund der Bemühungen, in der verbleibenden Amtszeit der Trump-Regierung ein Friedensabkommen zwischen Saudi-Arabien und Israel zu erzielen. Sie spiegeln die sich wandelnden Bündnisse im Nahen Osten wider und stehen in scharfem Kontrast zu der anhaltenden antisemitischen Hetze, die in den Schulbüchern der Palästinensischen Autonomiebehörde vorherrscht.
Die von der in London ansässigen Nichtregierungsorganisation IMPACT-se veröffentlichte Auswertung von 136 Lehrbüchern, die im Schuljahr 2025/26 verwendet werden, stellt eine anhaltende Mäßigung sowie Reformen im saudischen Lehrplan fest, die mit einem Rückgang extremistischer und intoleranter Inhalte einhergehen.
Der Lehrplan fördere die Loyalität gegenüber dem saudischen Staat und nehme eine entschiedene Haltung gegen Extremismus ein, während gleichzeitig die Darstellung Israels ausgewogener gestaltet sei, so das Ergebnis der Studie. So enthalte eine Übung für den Arabischunterricht der 11. Klasse beispielsweise den Satz: »Die Muslime werden Jerusalem niemals aufgeben« nicht mehr. Damit ist eine Formulierung gestrichen, die implizierte, dass die Stadt durch Israel und/oder die Juden bedroht sei.
Toleranz und Koexistenz
Die Schulbücher betonen nachdrücklich den Gehorsam gegenüber dem saudischen Herrscher. Sie verurteilen extremistische Organisationen wie den Islamischen Staat, Al-Qaida, die Hisbollah, die Huthi und die Muslimbruderschaft und stellen den islamischen Extremismus als Bedrohung für die nationale Stabilität dar.
Der Unterricht zu Dschihad und bewaffneten Konflikten entfernt sich weiter von der Verherrlichung von Gewalt und unterstreicht damit die allgemeine Ausrichtung des Lehrplans auf staatliche Autorität und den Schutz der Zivilbevölkerung. Ein Lehrbuch für Islamkunde der 9. Klasse verbietet nun unmissverständlich, Nichtkombattanten im Krieg Schaden zuzufügen, und streicht frühere Formulierungen, die Ausnahmen zuließen, wenn diese als »notwendig« erachtet würden.
Lehrbücher für Islamkunde präsentieren positive Vorbilder für interreligiöse Beziehungen. Sie stellen die freundliche Behandlung von Nicht-Muslimen durch den Propheten Mohammed in den Mittelpunkt, wobei seine Friedensabkommen mit Juden, Christen und arabischen Stämmen hervorgehoben werden. Ein in dem Bericht zitiertes Lehrbuch für die 7. Klasse bezeichnet Anhänger des Judentums, des Christentums und des Zoroastrismus nicht mehr als »verstümmelte Tiere«.
»Der saudische Lehrplan war noch nie so positiv in seiner Darstellung religiöser Minderheiten und hat Frieden und Toleranz noch nie so sehr gefördert«, sagte IMPACT-se-Geschäftsführer Marcus Sheff. »Die allgemeine Entwicklung ist äußerst ermutigend und wird unweigerlich zu größerer regionaler Stabilität und mehr Verständnis beitragen.«
