Sahelzone: Rekordniveau an Al-Qaida- und IS-Gewalt

25 Jahre nach 9/11 hat sich sie Sahelzone zum Hauptaktionsgebiet von al-Qaida entwickel
25 Jahre nach 9/11 hat sich sie Sahelzone zum Hauptaktionsgebiet von al-Qaida entwickelt (© Imago Images / LePictorium)

25 Jahre nach dem 11. September unterstreicht ein aktueller Bericht, wie sehr sich die afrikanische Sahelzone zu einem Zentrum des islamistischen Terrors entwickelt hat.

Nach einer Reihe großangelegter Offensiven von Gruppierungen, die mit Al-Qaida und dem Islamischen Staat in Verbindung stehen, dürfte die islamistische Gewalt in der afrikanischen Sahelzone historische Höchststände erreichen. Die geht aus neuen Zahlen des Konfliktbeobachters Armed Conflict Location and Event Data (Acled) hervor. Die Statistiken unterstreichen die anhaltende Ausbreitung der beiden Terrorgruppen in Teilen Afrikas, die im Gegensatz zu ihrer relativen Schwäche in anderen Regionen steht.

Die von Acled zusammengestellten Statistiken konzentrieren sich auf die Hochburg der islamistischen Militanz in drei Ländern – Mali, Burkina Faso und Niger –, die zusammen ein riesiges und stark umkämpftes Gebiet im Herzen der strategisch wichtigen Sahelzone bilden. Nach Angaben der Organisation ist die Zahl der Gewalttaten durch dschihadistische Gruppen in den drei Ländern von 63 im Jahr 2016 auf 2.845 im Jahr 2025 angestiegen. Im laufenden Jahr wurden bisher bereits 2.145 Vorfälle registriert. Sollte sich der aktuelle Trend in den kommenden Monaten fortsetzen, ist eine Gesamtzahl von deutlich über 3.000 Vorfällen für das Jahr 2026 wahrscheinlich.

Obwohl die Gesamtzahl der Todesopfer durch Terrorismus weltweit auf den niedrigsten Stand seit 2008 gesunken ist, ist sie in der Sahelzone stark angestiegen. »Der Terrorismus hat sich geografisch stärker konzentriert: Die Sahelzone verzeichnet weiterhin einige der weltweit höchsten Opferzahlen durch Terrorismus, wobei die UNO im Jahr 2025 mehr als 9.000 Todesfälle aufgrund von Sicherheitsvorfällen in Burkina Faso, Mali und Niger registrierte«, heißt es im Bericht des Global Peace Index 2026, der Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde.

Afrika als Hauptaktionsgebiet

Im April starteten die mit Al-Qaida verbundene Gruppe Jama’at Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin (JNIM) und die von Tuareg dominierte Rebellengruppe Befreiungsfront von Azawad (FLA) eine gemeinsame Offensive. Diese richtete sich mit Hinterhalten, Autobomben, Drohnenangriffen und Überfällen gegen strategisch bedeutsame Städte, Regierungstruppen und deren russische Hilfskräfte und forderte erhebliche Verluste.

In Burkina Faso hat die JNIM im Jahr 2026 mehr als 130 Anschläge für sich beansprucht und dabei immer näher an der Hauptstadt Ouagadougou zugeschlagen. Im Niger beanspruchte die Gruppe mindestens siebzehn Anschläge für sich, blieb jedoch deutlich weniger aktiv als ihr Rivale, der Islamische Staat in der Groß-Sahara. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen hervor, der auf von den Mitgliedstaaten bereitgestellten Geheimdienstinformationen basiert.

Experten sagten, JNIM habe sich von den historischen Zielen von Al-Qaida, nämlich Anschläge gegen die USA und ihre Verbündeten zu verüben, distanziert. »In der Sahelzone kontrollieren der Islamische Staat und Al-Qaida mittlerweile große Gebiete, doch handelt es sich dabei um sehr lokal begrenzte Gruppen. Kein einziger Anschlag in Europa oder den USA wurde in der Sahelzone geplant«, wird etwa Ulf Laessing, leitender Analyst bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, vom Guardian zitiert.

Die andere bedeutende Gruppe in Subsahara-Afrika mit Verbindungen zu Al-Qaida ist Al-Shabaab, die seit vielen Jahren weite Teile der ländlichen Gebiete Somalias beherrscht. »In Ostafrika bleibt al-Shabaab eine der tödlichsten Gruppen des Kontinents; Acled verzeichnete in den vergangenen achtzehn Monaten mehr als 10.000 gemeldete Todesfälle im Zusammenhang mit Gewalt durch al-Shabaab«, sagte Peter Bofin, leitender Analyst der Organisation für Südostafrika. »Trotz eines gewissen Rückgangs ihrer Erpressungsaktivitäten in Mogadischu erstrecken sich ihre Einnahmequellen über das ganze Land und die Region.«

Militante Gruppen, die lose mit dem IS verbunden sind, sind in der Demokratischen Republik Kongo, in Mosambik, im Tschad und in Nigeria aktiv, wo sie im vergangenen Jahr Ziel von US-Luftangriffen waren.

Während die anhaltende Expansion in Subsahara-Afrika in der Propaganda von al-Qaida mittlerweile eine zentrale Rolle spielt, weisen Experten darauf hin, dass der Kontinent bis vor wenigen Jahren in der strategischen Planung der Terrorgruppe kaum eine Rolle spielte. »Vor 25 Jahren drehte sich alles um Afghanistan und dann um den Irak. Afrika war damals nicht wirklich von Interesse. Mittlerweile ist es das Hauptaktionsgebiet«, sagte Laessing.

Al-Qaida im Jemen

Die einflussreichste Al-Qaida-Zweigstelle außerhalb Afrikas ist die im Jemen ansässige Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), die im UN-Bericht als »Vorhut der globalen Al-Qaida-Bewegung« und als eine der wenigen Zweigstellen beschrieben wurde, die sich der Fortsetzung des jahrzehntelangen Kampfes der Al-Qaida gegen die USA verschrieben haben. Im Mai veröffentlichten die AQAP-Medienkanäle ein Video, in dem Muslime in Europa und den USA dazu aufgerufen wurden, Anschläge vor Ort zu verüben und »im Namen der Umma [islamischen Gemeinschaft] auf jede erdenkliche Weise« zu kämpfen.

Obwohl AQAP weiterhin schätzungsweise 2.000 Kämpfer unterhält, die größtenteils in den Bergen zwischen Abyan und Shabwa im Süden des Jemen verschanzt sind, ging die Aktivität der Gruppe laut Acled um etwa siebzig Prozent zurück. Gingen in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 noch 63 Vorfälle auf ihre Rechnung, waren es im gleichen Zeitraum des Jahres 2026 nur noch neunzehn.

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