In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit mehreren Wochen nahm der Oberste Führer des Irans am vergangenen Samstag an einer religiösen Versammlung teil.
In einem vom staatlichen iranischen Fernsehsender Press TV auf X veröffentlichten Video winkte der seit dem Kriegsbeginn am 13. Juni öffentlich nicht mehr aufgetretene Ayatollah Ali Khamenei einer Menge schwarz gekleideter Gläubiger zu, die den Vorabend von Aschura begingen, an dem schiitische Muslime trauernd des Tods von Hussein ibn Ali gedenken, Mohammeds Enkels, der in schiitischer Tradition der rechtmäßige Nachfolger des Propheten war. Die Menge begrüßte den geistlichen Führern mit Jubelrufen und Gesängen.
Versteckt im Bunker
Khamenei soll den zwölftägigen Konflikt mit Israel und den USA in einem Bunker verbracht haben, wo er kaum Zugang zu Außenkommunikation hatte. Während des Konflikts diskutierten sowohl israelische Politiker als auch US-Präsident Donald Trump offen über den Sturz der Regierung Khamenei und dessen gewaltsame Absetzung. Nachdem Trump Berichten zufolge einen israelischen Plan zur Liquidierung Khameneis abgelehnt hatte, erklärte er Ende Juni, der Geistliche sei ein »leichtes Ziel«. Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schloss eine gezielte Tötung Khameneis nicht aus und erklärte, sein Tod würde den Konflikt nicht eskalieren, sondern beenden.
In einer aufgezeichneten Erklärung, die wenige Tage nach Beginn der Waffenruhe von einem unbekannten Ort aus veröffentlicht wurde, zeigte sich Khamenei mit trotziger Miene und erklärte den Sieg über Israel und die USA. Khamenei reagierte dabei auch direkt auf Trump, der kurz vor seiner Anordnung der Luftangriffe die »bedingungslose Kapitulation« des Irans gefordert hatte. Bei diesem Konflikt gehe »es nicht um unser Atomprogramm. Es geht um die Kapitulation des Irans … In seiner Erklärung hat [Trump] die Wahrheit offenbart, er hat seine Karten auf den Tisch gelegt. Die Amerikaner haben seit unserer Revolution ein grundlegendes Problem mit dem islamischen Iran.« Eine Kapitulation werde niemals erfolgen, sagte Khamenei damals zu Trumps Forderung.
Der Konflikt mit Israel und den USA dürfte Khameneis Ansehen im eigenen Land jedoch beschädigt haben, meinten Analysten im Juni gegenüber CNN. Die Angriffe Israels waren in ihrer Intensität beispiellos und töteten am ersten Tag einige der höchsten Militärführer der Islamischen Republik.
Kein Atomprogramm
Khameneis jüngster öffentlicher Auftritt erfolgte einen Tag nachdem der amerikanische Präsident Journalisten an Bord der Air Force One mitgeteilt hatte, die USA würden die Aufnahme des iranischen Atomprogramms nicht zulassen: »Würden sie damit anfangen, gäbe es ein Problem. Wir würden das nicht zulassen.« Weiters kündigte er an, die bisherigen Angriffe mit Netanjahu zu besprechen, der am Montag zu einem Besuch in Washington eintraf. Trumps Äußerungen spiegelten die Kommentare des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz vom Freitag wider, der sagte, sein Land müsse die Luftüberlegenheit über den Iran aufrechterhalten, um sicherzustellen, dass dieser sein Atom- bzw. Raketenprogramm nicht wiederaufnehmen könne.
Präsident Trump bekräftigte seine Behauptung, dass der Iran zu Gesprächen mit den USA bereit sei, was iranische Regierungsvertreter wiederum wiederholt zurückgewiesen haben. Die Trump-Regierung hat darüber diskutiert, den Iran möglicherweise zu mit bis zu dreißig Milliarden Dollar zu unterstützen, und zwar für den Aufbau eines Atomprogramms zur zivilen Energieerzeugung, Sanktionen zu lockern und Milliarden Dollar an eingefrorenen iranischen Geldern freizugeben – alles Teil intensiver Bemühungen, Teheran zurück an den Verhandlungstisch zu bringen, wie vier mit der Sachlage vertraute Quellen berichteten.
