Demonstranten in Bagdad erinnern an den Beginn der »Tishreen-Proteste« 2019

Am Jahrestag der Tishreen-Proteste versammelte sich tausende Demontsranten in Bagdad
Am Jahrestag der Tishreen-Proteste versammelte sich tausende Demontsranten in Bagdad (© Imago Images ZUMA Press Wire)

In Bagdad erinnern Demonstranten am siebten Jahrestag des Beginns der sogenannten Tishreen-Proteste, dass ihre Forderungen noch immer nicht erfüllt wurden.

Im Oktober 2019 brachen die bis dahin größten und dann auch längsten Massenproteste gegen Korruption, konfessionelle Spaltung und den iranischen Einfluss im Irak aus. Hunderttausende besetzten damals in Bagdad und anderen Städten des Zentral- und Südiraks zentrale Plätze. Erst der Ausbruch der Corona-Pandemie beendete diese Tishreen-Proteste genannten Demonstrationen, gegen die irakische Sicherheitskräfte und vom Iran unterstützte Milizen mit teils unglaublicher Brutalität vorgingen.

Unter anderem forderten die Demonstranten damals eine strikte Trennung von Religion und Staat, was in Slogans wie »Die Trennung von Staat und Religion ist viel besser als die Trennung von Mann und Frau« seinen Ausdruck fand. Dies war, schrieb ich damals, über diese Proteste

»nur einer von vielen Slogans, die sich gegen den Einfluss des Klerus und vor allem des iranischen Regimes auf die irakische Politik richten; es wird sogar so etwas wie eine Kulturrevolution gefordert. Noch nie seien so viele Frauen an Protesten im Irak beteiligt gewesen, stellen Beobachter fest – sogar in schiitischen Hochburgen im Süden des Landes.

In den sozialen Medien kursierte das Bild eines jungen Paares, das sich in Straßenkampfmontur auf dem Tahrir-Platz in Bagdad ablichtete, und das Foto mit der Überschrift ›Liebe in Zeiten der Revolution‹ ins Netz stellte. Die beiden wurden zu einem Symbol dieser neuen Proteste, ebenso wie die Fahrer der dreirädrigen Tuk-Tuk-Taxis, die unter Einsatz ihres Lebens Schwerverletzte in Krankenhäuser transportieren. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten spielt es offenbar keine oder kaum noch eine Rolle, aus welcher Gruppe der irakischen Gesellschaft man stammt.«

Nicht vergessen

Am Wochenende zeigte sich, dass die Tishreen-Bewegung keineswegs vergessen ist. Zum Jahrestag der Proteste versammelten sich am 25. Oktober mehrere tausend Menschen in Bagdad. Sie forderten unter anderem die Freilassung jener Demonstranten, die noch immer in Haft sitzen, und eine Untersuchungskommission, die die Verantwortlichen für Repressionen zur Rechenschaft ziehen soll. Denn »Menschenrechtsorganisationen geben an, dass während der Bewegung mehr als 600 Demonstranten getötet, rund 20.000 verletzt und etwa 3.000 festgenommen wurden. Keine Partei wurde zur Rechenschaft gezogen.«

Anders als 2019 verlief der Protest friedlich, offenbar hatte die Polizei Anweisungen, sich diesmal zurückzuhalten. Auch sagte Premierminister Ali al-Saidi zu, er werde sich die Beschwerden anhören und versuchen, die Forderungen zu erfüllen. Das sind immerhin andere Töne als 2019.

Und der aktuelle Protest am Wochenende hat auch gezeigt, dass die Massendemonstrationen von damals nicht in Vergessenheit geraten sind. Sollte die Lage sich nicht ändern, sei die Tishreen-Bewegung durchaus in der Lage, erneut zu mobilisieren, so die Botschaft. Nicht nur in Bagdad, sondern auch in Nadschaf und anderen Städten im Südirak fanden kleinere Demonstrationen statt.

Der Artikel erschien zuerst bei JungleBlog.

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