Die Basidsch-Miliz: Die letzte Verteidigungslinie des iranischen Regimes

Parade der paramilitärischen Basdisch-Einheiten im Iran
Parade der paramilitärischen Basdisch-Einheiten im Iran (© Imago Images / NurPhoto)

Die brutale paramilitärische Freiwilligentruppe der Revolutionsgarde wurde gegründet, um in der Islamischen Republik Iran Dissens um jeden Preis zu unterdrücken.

Shachar Kleiman

Die Basidsch-Miliz war an vorderster Front der Repressionen zur Unterdrückung der jüngsten Protestwelle im Iran beteiligt, bei der Berichten zufolge Tausende durch das harte Vorgehen des Regimes getötet wurden. Seit sieben Jahren werden die Basidsch von Gholamreza Soleimani befehligt, einem Offizier der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC). Der Regimefunktionär, dessen Rang dem eines Brigadegenerals in der Armee entspricht, ist nicht mit dem gleichnamigen Qassem Soleimani, dem ehemaligen Kommandeur der Quds-Truppe der IRGC, der im Januar 2020 von den USA getötet wurde, verwandt.

Gholamreza Soleimani begann seine Karriere bei den Basidsch während des Iran-Irak-Kriegs 1984 zunächst als Kompaniechef und später als Bataillonskommandeur. Wegen seiner Verstrickung in die brutale Unterdrückung von Protesten in den letzten Jahren unterliegt er Sanktionen seitens der USA, Großbritanniens, Kanadas und der Europäischen Union.

Wie andere hochrangige Persönlichkeiten des Regimes erklärte auch er wiederholt, die Islamische Republik werde nicht nur jede Opposition unterdrücken, sondern auch ihre Bemühungen zur Zerstörung Israels fortsetzen. »Der Feind hat sich der Illusion hingegeben, dass die Ermordung von Wissenschaftlern und Kommandeuren den Fortschritt der iranischen Zivilisation aufhalten würde, aber wir werden unseren Weg bis zur vollständigen Befreiung Palästinas fortsetzen«, sagte Soleimani etwa nach der Operation Rising Lion, Israels zwölftägigem Krieg gegen den Iran im Juni vergangenen Jahres.

Im Jahr 2019 prahlte der Basidsch-Kommandeur, seine Miliz sei bereits zu einer »regionalen Militärmacht« geworden, die in vier arabischen Ländern operiere. »Der Einfluss der Basidsch ist nicht mehr auf die Grenzen des Irans beschränkt. Er ist in Syrien, im Irak, an der Mittelmeerküste [Libanon] und im Südosten des Hijaz [Jemen] zu spüren.« Dies war ein klarer Hinweis darauf, dass der Iran Mitglieder seiner Miliz zu den von ihm unterstützten Terrororganisationen im gesamten Nahen Osten entsandt hatte.

Überall gleichzeitig

Tatsächlich ist es schwierig, einen Bereich im Iran zu finden, in dem die Basidsch nicht involviert ist, von der Inhaftierung von Demonstranten bis hin zur Ausführung der obskursten Aufträge. Vor wenigen Tagen beispielsweise nahmen Milizionäre einen jungen Iraner namens Erfan Soltani während einer Anti-Regime-Demonstration in der Stadt Karaj fest. Die Anklage gegen Soltani lautete gemäß iranischen Exilanten, dass er es gewagt hatte, die Demonstration anzuführen. Er wurde zum Tod durch Erhängen verurteilt, was eine Kampagne in den sozialen Medien gegen seine Hinrichtung auslöste. Am Donnerstag hieß es, dass die Bemühungen Früchte getragen hätten, nachdem der Iran bekannt gegeben hatte, dass das Urteil aufgehoben worden war, doch am Samstag wurden Meldungen laut, dass Soltani doch exekutiert worden sein dürfte.

Eine weitere brutale Praxis der Basidsch-Mitglieder ist es, Demonstranten durch direkte Schüsse auf deren Augen zu blenden. Ausländische Medien haben wiederholt berichtet, dass Hunderte von Iranern während der Demonstrationen ihr Augenlicht verloren haben; ein Bericht iranischer Ärzte spricht sogar von etwa achttausend Vorfällen.

Noch vor den aktuellen Unruhen wurde im vergangenen November die Geschichte von Nechirvan Maroufi von IranWire veröffentlicht. Im Jahr 2022 war Maroufi Wehrpflichtiger in der iranischen Armee. Nach Beendigung einer Schicht nahm er an einer Protestkundgebung teil, die rasch von den Sicherheitskräften des Regimes niedergeschlagen wurde, darunter auch Basidsch-Mitglieder, die auf Motorrädern ankamen und das Feuer auf die in alle Richtungen flüchtenden Teilnehmer eröffneten.

Der Protest brach aus, nachdem die junge Kurdin Jina Mahsa Amini von der Sitten– bzw. Moralpolizei des Regimes festgenommen, gefoltert und getötet worden war, weil sie ihren Hidschab nicht richtig getragen hatte. »Es ist unmöglich, den Schmerz zu beschreiben«, erinnert sich der am Auge getroffene Maroufi. »Meine Netzhaut war gerissen. Das Blut schoss nur so heraus.« Heute, nach einer Reihe von Operationen im Iran und im Ausland, kann Maroufi nur noch auf einem Auge sehen.

Laut dem offiziellen Nachrichtensender der Basidsch hatten ihre Mitglieder während der aktuellen Protestwelle die Aufgabe, iranische Blogger festzunehmen, um sie daran zu hindern, über die Ereignisse im Land zu berichten. Darüber hinaus überwachten sie die Online-Aktivitäten, zumindest bis das Regime eine vollständige Abschaltung des Internets anordnete. All dies ist Teil einer strukturierten Doktrin. Bereits 2021 kündigte Soleimani einen »Plan zur Kontrolle des Internets« an und stellte ein ehrgeiziges Programm vor, mit dem acht Millionen Nutzer geschult werden sollten, um »die Kontrolle über den digitalen Raum durchzusetzen«. Mit anderen Worten: Um iranische Bürger in den sozialen Medien auszuspionieren und Propaganda für das Regime zu verbreiten.

In direkter Fortsetzung dieses Ansatzes ist die Miliz ständig an der Überwachung von Nachbarschaften beteiligt, gibt Informationen über Regimegegner weiter und koordiniert sich mit anderen Sicherheits- und Geheimdienstbehörden. Es handelt sich um einen Big Brother, der aus unzähligen Informanten besteht.

Das Ausmaß des Einflusses der Basidsch lässt sich am Fall Mahta Sadri erkennen. Sadri war Chefredakteurin des regionalen Nachrichtensenders Gilan Sadr in der Provinz Gilan im Nordwesten des Landes und wurde im September 2025 vor Gericht geladen, nachdem der Leiter der örtlichen Basidsch-Studentenorganisation eine Beschwerde gegen sie eingereicht hatte mit der Begründung des Vorwurfs der »kritischen Berichterstattung« über einen örtlichen Milizbeamten.

In anderen Fällen wurde die Basidsch von den Geheimdiensten mit Sonderaufträgen betraut. Im vergangenen Sommer etwa wurden im Rahmen der Operation Rising Lion Milizkräfte entsandt, um private Überwachungskameras in den Städten Teheran und Karadsch zu beschlagnahmen.

Die Ursprünge

Vater der Miliz war Ayatollah Ruhollah Khomeini, der erste Führer der Islamischen Republik nach der Revolution von 1979. Er gründete die Organisation in jenem Jahr, um »die Revolution zu verteidigen«, da er nicht unbegründete Befürchtungen hinsichtlich der iranischen Militärgeneräle hegte, die er für nicht loyal und zuverlässig genug hielt. Tatsächlich kam es trotz einer Welle von Säuberungen bereits 1980 zu einem versuchten Militärputsch. Die Basidsch wurde effektiv dazu konzipiert, die Streitkräfte oder jede andere Kraft, die versuchen könnte, eine neue Revolution zu starten, zu blockieren.

Die Miliz wurde schnell zu Khomeinis Weltuntergangswaffe. In den 1980er-Jahren wurde sie dazu benutzt, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu rekrutieren, die in den Krieg gegen den Irak unter Saddam Hussein geschickt wurden, der in den Iran eingefallen war, weil er Wirren der Islamischen Revolution für seine expansiven Zwecke nutzen wollte. Vor allem durch die berüchtigten Angriffe, in der Menschen in Wellen über Minenfelder oder ins feindliche Feuer geschickt wurden, hinterließ die Miliz ihre Spuren. Um die Minenfelder zu räumen, wurden Basidsch-Mitglieder in den sicheren Tod geschickt, damit die Streitkräfte vorrücken konnten. In anderen Fällen wurden sie beauftragt, irakische Truppenformationen anzugreifen.

Seitdem unterhalten die Basidsch innerhalb der Revolutionsgarde ausgebildete Militäreinheiten, die logistische und kampftechnische Unterstützung leisten. Mit dem wachsenden Einfluss der IRGC wurde die Miliz Teil eines riesigen wirtschaftlichen und politischen Netzwerks, das innerhalb der staatlichen Institutionen Privilegien und Positionen genießt. Das US-Finanzministerium schätzt, dass dieses Netzwerk Milliarden von Dollar über Immobilien, Aktienmarktbeteiligungen und andere Vermögenswerte umsetzt.

»Gemäß der Basidsch-Doktrin übernimmt diese Truppe, die sich hauptsächlich aus ausgebildeten und bewaffneten Zivilisten zusammensetzt, das Feld, wenn die offiziellen Sicherheitskräfte und die Armee das Regime nicht verteidigen können oder wollen«, schrieb ein einflussreiches arabisches Medienunternehmen. In Regimekreisen werden die Basidsch als »Hüter der Revolution« und »letzte Verteidigungslinie« dargestellt.

Laut offiziellen iranischen Quellen beläuft sich die Zahl ihrer Mitglieder auf mehrere Millionen. Im Gegensatz dazu behaupteten iranische Oppositionelle gegenüber der Zeitung Israel Hayom, es handle sich nur um Hunderttausende; eine Diskrepanz, die wahrscheinlich auf Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Streitkräften zurückzuführen ist, welche die Basidsch unterhalten. So oder so bilden die bewaffneten Mitglieder der Miliz die größte Streitmacht, über die das iranische Regime unmittelbar verfügt. Sie spielen eine bedeutende ideologische Rolle bei der Förderung des revolutionären Diskurses und der Verbreitung von Loyalitätsbotschaften gegenüber dem Obersten Führer, sei es durch religiöse Aktivitäten, sei es durch Propagandakampagnen.

Die Rekrutierung erfolgt hauptsächlich über Moscheen. Eine iranische Exilantin berichtete Israel Hayom, dass Basidsch-Mitglieder Moscheen auch als Militärzentren nutzten, um sich mit Waffen auszustatten, bevor sie gegen die Demonstranten vorgingen. Infolgedessen seien mehrere Moscheen in Brand gesteckt worden. Dies ist vielleicht das deutlichste Symbol für den Ruf der Basidsch in der iranischen Öffentlichkeit: Selbst Gotteshäuser, die mit der Miliz in Verbindung stehen, sind zu Symbolen der Unterdrückung und Tyrannei geworden.

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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