Irakische Schiiten-Milizen zur Unterdrückung der Protesten im Iran

Repression der Prostete: Milizen patrouillieren in den Straßen iransicher Städte

Das Islamische Republik Iran brachte massenhaft schiitische irakische Milizionäre ins Land, um gewaltsam gegen die protestierende Bevölkerung vorzugehen.

Während es keine bestätigten Informationen über die genaue Anzahl der irakischen Milizen gibt, die an der Unterdrückung der iranischen Proteste beteiligt sind, so liegen doch eindeutige Informationen vor, dass mehrere der unter dem Namen Volksmobilisierungskräfte (Hashd al-Shaabi, PMF) bekannten Milizen zu genau diesem Zweck im östlichen Nachbarland des Iraks im Einsatz sind.

Wie die Mutter des 37-jährigen Irakers Mohammed Iyad gegenüber der US-Nachrichtenplattform The Media Line bestätigte, wurde ihr Sohn von der irakischen Kataib Hisbollah für sechshundert Dollar im Monat für den Iran-Einsatz rekrutiert.

»Trotz unserer Ablehnung bestand er darauf, zu gehen. Er reiste am 6. Januar ab und sagte, er würde nach Basra und dann über den Grenzübergang Shalamcheh zur iranischen Grenze fahren. Am Mittwoch verloren wir den Kontakt zu ihm, nachdem das Internet ausgefallen war. Ich weiß nicht, ob er zurückkommen wird oder nicht. Ich bin sehr betroffen und hoffe, dass er lebend zurückkommt.« Ihr Sohn sei in der Vergangenheit Mitglied der Volksmobilisierungskräfte gewesen, »wurde aber 2017 nach der Befreiung vom Islamischen Staat (ISI) [gegen den die PMF im Irak kämpften] entlassen. Seitdem verfolgt ihn der Gedanke, zu kämpfen und zu den Waffen zu greifen, und er kann ihn nicht vergessen.«

Busladungen von Milizionären

Am 7. Januar traf der Kommandeur der iranischen Quds-Truppe, der Auslandseinheit der Islamischen Revolutionsgarde, im Irak ein. Einige Berichte deuteten darauf hin, dass Esmail Ghaanis Besuch dem Zweck diente, Treffen mit irakischen Milizen abzuhalten, während andere Quellen angaben, Zweck der Reise sei es gewesen, über die Auswahl eines irakischen Premierministers zu entscheiden, wobei der ehemalige Premierminister Nouri al-Maliki mehr als zwei Monate nach den irakischen Wahlen der wahrscheinlichste Kandidat sei.

Ein anonym bleibender Mitarbeiter des irakischen Innenministeriums, der am Grenzübergang Shalamcheh zwischen dem Irak und dem Iran arbeitet, berichtete gegenüber The Media Line, dass bis zum Abend des 11. Januar mehr als sechzig Busse die Grenze zwischen dem Irak und dem Iran überquert hatten. In jedem Bus saßen fünfzig als Pilger zu heiligen Stätten im Iran ausgegebenen Personen, was allerdings nicht sehr glaubhaft gewesen sei.

»Diese religiösen Reisegruppen tragen normalerweise die Logos bekannter Unternehmen oder Ämter, und die Busse sind in der Regel mit Familien und jungen Leuten gemischt. Alle diese Busse beförderten jedoch nur junge Männer, die identische schwarze Hemden trugen«, erzählte der Grenzbeamte. Er und seine Kollegen seien noch verwundert gewesen über die massive Präsenz dieser Busse, deren Ziel nicht bekanntgegeben wurde und die sie nicht kontrollieren durften.

Abu Azrael, ein prominenter Kommandeur der Imam-Ali-Brigaden, einer vom Iran unterstützten und unter dem Dach der PMF operierenden irakischen Miliz, veröffentlichte ein Video, in dem er Militärfahrzeuge anweist, ein Lager des irakischen Innenministeriums zu verlassen.

Das Video zeigt Militärfahrzeuge, welche die achte Einheit des Law Enforcement Command der irakischen Bundespolizei verlassen. »Wer Gotteshäuser anzündet und die Institutionen des Volks angreift, ist weder ein Revolutionär noch ein Reformer, sondern ein billiges Werkzeug in den Händen der Feinde der Nation, das unter dem Deckmantel von Chaos und falschen Parolen zionistische Agenden umsetzt … Mit der Republik gegen globale Arroganz!«, kommentierte Azrael die Aufnahmen. Ob die mit irakischen Regierungskennzeichen des Innenministeriums versehenen Militärfahrzeuge tatsächlich den Iran erreicht haben, ist nicht bestätigt.

Unterstützungserklärungen

Der persischsprachige Account des US-Außenministeriums auf der Social-Media-Plattform X zeigte sich alarmiert über Berichte, wonach das Regime der Islamischen Republik Mitglieder der Terrorgruppe Hisbollah und irakische Milizionäre eingesetzt hat, um friedliche Proteste zu unterdrücken: »Dieses Regime hat Milliarden von Dollar, die dem iranischen Volk gehören, für terroristische Stellvertreterkräfte ausgegeben. Der Einsatz dieser Kräfte gegen die eigene Bevölkerung wäre ein weiterer schwerwiegender Verrat am iranischen Volk.«

Der iranische Oppositionelle Mehdi Reza, einer der Anführer der Medienkampagnen zur Unterstützung der Proteste, sagte gegenüber The Media Line, aus dem Iran gebe es eindeutige Hinweise auf den Einsatz von PMF-Kräften bei der Repression der Proteste. »Seit mehr als einer Woche sind irakische Milizen an der Unterdrückung der Demonstrationen in verschiedenen Teilen des Irans beteiligt und viele von ihnen wurden laut Erklärungen von Demonstranten im Iran zur Bewachung von zivilen oder militärischen Hauptquartieren eingesetzt. Augenzeugen in Ahvaz, die an den Demonstrationen teilgenommen haben, berichteten, dass unter denjenigen, die an der Unterdrückung beteiligt waren, auch Personen waren, die Arabisch mit irakischem Akzent sprachen.

Derzeit finden in den schiitischen Provinzen des Iraks täglich mehrere Demonstrationen zur Unterstützung des iranischen Regimes statt. Diese Demonstrationen stellen die Ereignisse im Iran als zionistisch-amerikanische Manöver zur Auslöschung der Islamischen Revolution dar. Tausende irakische Schiiten, darunter Mitglieder der vom Iran unterstützten Milizen, haben an diesen Demonstrationen teilgenommen; viele von ihnen trugen die Flaggen ihrer jeweiligen Milizen oder waren mit T-Shirts mit deren Slogans bekleidet.

Anders als im Juni 2025, als die meisten irakischen Milizen Erklärungen abgaben, in denen sie ihre Nichtbeteiligung an den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Iran und Israel bekräftigten, haben dieselben Milizen nun Erklärungen abgegeben, in denen sie das iranische Regime unterstützen und die Proteste verurteilen.

Die am weitesten verbreitete Erklärung stammt von Abu Hussein al-Hamidawi, dem Generalsekretär der irakischen Kataib Hisbollah, der schrieb: »Die religiöse und moralische Pflicht zwingt diejenigen, die auf dem Weg Gottes kämpfen, mit aller Kraft an der Seite des ehrenwerten muslimischen Volks des Iran zu stehen, das von den Mächten des Bösen und der Kriminalität belagert wird. Die Verteidigung der Heiligkeit der Islamischen Republik ist in Wahrheit die Verteidigung der heiligen Werte der Nation.«

Keinerlei Hemmungen

Der internationale Flughafen von Nadschaf im Irak verzeichnete einen bedeutenden Anstieg der Flüge nach Teheran und Maschhad, die von mehreren iranischen Fluggesellschaften durchgeführt wurden, wobei einige außerplanmäßig stattfanden. Nach Angaben des Flughafens betrug die Zahl dieser Flüge allein am 12. Januar dreizehn Flüge, verglichen mit nur sieben planmäßigen.

Nadschaf ist eine jener Provinzen mit einer absoluten schiitischen Mehrheit und das Zentrum der religiösen Autoritäten. Der Flughafen dort unterliegt nicht denselben strengen Sicherheitsmaßnahmen wie der internationale Flughafen von Bagdad, sodass Kämpfer ihn bereits in den vergangenen Jahren auf ihrem Weg nach Syrien und in den Libanon genutzt haben. Außerdem wurden hier Tausende ausländischer Kämpfer empfangen, die während des Kriegs gegen den Islamischen Staat (IS) in den Irak kamen, um an der Seite der irakischen Milizen zu kämpfen.

Der ehemalige General der irakischen Armee Ibrahim al-Khayyat erklärte gegenüber The Media Line, die schiitischen Milizen im Irak wüssten, dass das Ende des Irans auch ihr Ende bedeutet. »Diesmal scheinen die Dinge im Iran außer Kontrolle geraten zu sein. Die Proteste toben und könnten sogar noch schlimmer sein als zuvor, und es scheint, dass US-Präsident Donald Trump entschlossen sein könnte, einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen, selbst mit Gewalt.«

Die Beteiligung irakischer Milizen an der Unterdrückung der iranischen Proteste sei so gut wie sicher, so der Ex-General: »Sie werden einberufen, obwohl es im Iran Hunderttausende Kämpfer in den Basidsch und der Revolutionsgarde sowie in der Polizei und anderen Streitkräften gibt. Es handelt sich um die Beteiligung der repressivsten Milizen. Vielleicht sind iranische Soldaten weniger mächtig und brutal, und obendrein haben Milizionäre keine familiären oder andere Bindungen. Sie sind Söldner, die für ihre Dienste bezahlt werden, und daher ist die Beteiligung von Söldnern an der Unterdrückung von Protesten in repressiven Regimes gängige Praxis.«

Laut Al-Khayyat seien weitere Milizionäre bereit, im Iran zu kämpfen, weil sie nicht wissen, was mit ihnen geschehen wird, sollte das schiitische Herrschaftsregime im Iran stürzen.

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