Feindbild Israel – zwischen Kritik und Antisemitismus

»Kindermörder Israel«: Antisemitische Demonstration in Großbritannien
»Kindermörder Israel«: Antisemitische Demonstration in Großbritannien (© Imago Images Bihlmayerfotografie)

Kein anderer Staat steht weltweit derart im Zentrum moralischer Empörung wie Israel. Zwischen legitimer Regierungskritik, ideologischer Feindschaft und Antisemitismus im Gewand des Antizionismus verschwimmen zunehmend die Grenzen.

Der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 war das schwerste Massaker am jüdischen Volk seit dem Holocaust. Bei dem versuchten Völkermord der palästinensischen Terrororganisation wurden an diesem schwarzen Samstag über 1.200 Menschen – meistens Zivilisten – brutal getötet, knapp 5.500 verletzt und 251 Geiseln nach Gaza gewaltsam verschleppt.

Für einen kurzen Moment schien die internationale Öffentlichkeit die Dimension dieses Verbrechens zu erkennen. Weltweit wurden Mahnwachen abgehalten, Kerzen entzündet und Lichterketten gebildet. Staatsoberhäupter besuchten Israel und bekundeten ihre Verbundenheit mit den Menschen.

Doch diese Solidarität hielt vielerorts nicht lange an. Noch während viele Freiwillige sowie die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) und weitere Sicherheitsorganisationen wie die Polizei im jüdischen Staat gegen die eingedrungenen Terroristen kämpften, wurden bereits Stimmen laut, die Israel Völkermord vorwarfen. Die Aufmerksamkeit verlagerte sich rasch von den ermordeten und verschleppten Israelis auf die militärische Reaktion der IDF in Gaza. Aus dem Opfer des Angriffs wurde in Teilen der öffentlichen Debatte binnen kürzester Zeit der Angeklagte.

Stimmungsumschwung

Ein ähnlicher Stimmungsumschwung hatte sich bereits Jahrzehnte zuvor abgezeichnet. Am Vorabend des Sechstagekriegs von 1967 galt Israel in weiten Teilen der westlichen Öffentlichkeit als ein kleiner Staat, dessen Existenz angesichts der arabischen Kriegsdrohungen auf dem Spiel stand. Vor allem in linken Kreisen faszinierte der Kibbuz als sozialistisches Gesellschaftsmodell und Utopie eines gemeinschaftlichen Lebens, das Gleichheit, kollektive Verantwortung und gesellschaftlichen Wandel verkörperte.

Nach Israels militärischem Sieg und der Eroberung der Golanhöhen, des Westjordanlands, Ost-Jerusalems, Gazas und des Sinai veränderte sich die Wahrnehmung jedoch grundlegend. Mit Ausnahme der ägyptischen Halbinsel, die 1982 vollständig zurückgegeben wurde, stehen die übrigen Gebiete seither im Zentrum des Konflikts. Teile der Neuen Linken ordneten den jüdischen Staat zunehmend dem westlichen Imperialismus zu; aus dem bedrohten kleinen Land wurde für viele ein Symbol des Kolonialismus und der Unterdrückung. Nicht alle vollzogen diesen Wandel, doch er prägte die politische Auseinandersetzung über Israel nachhaltig.

Auch wenn sich der 7. Oktober und der dadurch beginnende Gazakrieg nicht mit den historischen Ereignissen von 1967 gleichsetzen lassen, werfen beide Geschehnisse eine ähnliche Frage auf: Warum kann die Wahrnehmung Israels so rasch von Solidarität in Feindschaft umschlagen? Wo endet die legitime Kritik an der Politik seiner Regierung? Wo beginnt der Antizionismus, der dem jüdischen Staat Maßstäbe auferlegt, die anderswo kaum gelten, seine Existenzberechtigung infrage stellt oder die Verantwortung für den Terror seiner Gegner auf ihn selbst zurückwirft?

»Der Antisemitismus ist nicht verschwunden«, sagt Ruth-Frances Alon aus dem Kibbuz Neot Mordechai in Obergaliläa, nahe der libanesischen Grenze und zehn Kilometer südlich von Kirjat Schmona. »Er äußert sich in unterschiedlichen historischen Formen und ist nach dem 7. Oktober erneut sichtbar geworden. Israel wird als der kollektive Jude betrachtet, der nach der Macht greift. Wurden jüdische Menschen früher mit den jahrhundertealten antisemitischen Verschwörungstheorien sowie Vorurteilen über den Kapitalismus identifiziert, so kommt heute mit dem Antizionismus auch der Vorwurf des Imperialismus dazu. Juden werden als Gegner der vermeintlich Unterdrückten dargestellt.«

Die 79-jährige Sozialpädagogin stammt ursprünglich aus Rennes, der Hauptstadt der französischen Region Bretagne. Am Vorabend des Sechstagekriegs kam die junge links-alternative Studentin für mehrere Wochen nach Neot Mordechai, um als westliche Volontärin in der Landwirtschaft zu arbeiten. Die Ereignisse des Junikriegs von 1967 sollten sie für immer verändern. Im Kibbuz lernte die wortgewandte Französin nicht nur ihren späteren Ehemann kennen, sondern trat auch Jahre später zum Judentum über. Sie argumentiert, dass vor allem die Linke zunehmend die Perspektive der Dekolonisierung übernahm und die Geschichte der Juden als verfolgte Minderheit weniger präsent hatte.

»Als ich damals nach Frankreich zurückkehrte, wurde ich als Faschistin behandelt, denn für meine Freunde war Israel über Nacht zu einem imperialistischen Land geworden«, erinnert sich Alon. »Schon vor dem Sechstagekrieg entwickelten nicht wenige sozialistische und kommunistische Kommilitonen eine stärkere Nähe zur palästinensischen Nationalbewegung. Diese politische Tradition sollte sich aber nach dem Sieg des jüdischen Staates über die Araber extrem verstärken.«

Die zweifache Mutter und mittlerweile vierfache Großmutter erlebte selbst die Gräueltaten des 7. Oktober während eines Verwandtenbesuchs im Kibbuz Nahal Oz und verbrachte mit sieben weiteren Familienmitgliedern knapp siebzehn Stunden im Schutzraum. »Im Westen gibt es eine verzerrte öffentliche Darstellung des Krieges, die den Hass verstärke«, kritisiert Alon. »Speziell nach dem Hamas-Massaker werden Juden heute oft als ein Volk dargestellt, das einen Genozid begehe und ethnische Säuberung betreibe. Damit von einer bedrohten zu einer vermeintlich verfolgenden Gruppe umgedeutet.«

Delegitimierung jüdischer Selbstbestimmung

Die Verschiebung im Blick auf Israel lässt sich nicht allein mit den Ereignissen einzelner Kriege erklären. Sie verweist auch auf einen tiefer liegenden Wandel politischer Deutungsmuster: auf die Frage, wer als Opfer gilt, wem Macht zugeschrieben und wem moralische Legitimität zugestanden wird. Gerade dort, wo der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern vorwiegend durch das Raster von Unterdrückung und Befreiung betrachtet wird, gerät die historische Dimension jüdischer Selbstbestimmung leicht aus dem Blick.

 Das jüdische Volk ist historisch rund 4.000 Jahre im Land Israel verwurzelt; seine Geschichte, Religion und kollektive Erinnerung sind untrennbar mit diesem Land verbunden. Selbst nach der römischen Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstands im zweiten Jahrhundert unserer Zeit und der anschließenden Umbenennung der Provinz Judäa durch Kaiser Hadrian in Syria-Palaestina blieb die jüdische Präsenz bestehen. Über Jahrhunderte hinweg wanderten Juden aus unterschiedlichen Teilen der Welt wegen verschiedener Formen der Verfolgung – zunächst des Antijudaismus und später des Antisemitismus – in das Land ihrer Vorfahren ein. Für jene, die in der Diaspora lebten, blieb die Rückkehr ein religiöser und kultureller Bezugspunkt – verdichtet in der über Generationen weitergegebenen Hoffnung: »Nächstes Jahr in Jerusalem.«

Mit dem zunehmenden Widerstand gegen die europäischen Imperien und dem Aufkommen des modernen Zionismus erhielt dieses jahrhundertealte Streben nach Rückkehr eine politische Form: die Forderung nach nationaler Selbstbestimmung im historischen Heimatland.

Diese Verwurzelung verschwindet jedoch aus dem Blick, wenn Israel ausschließlich als Produkt westlicher Machtpolitik und als Verkörperung kolonialer Herrschaft interpretiert wird. Das bedeutet keineswegs, Kritik an israelischer Regierungspolitik zurückzuweisen oder die arabische Geschichte im Lande Israel auszublenden. Doch wo jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich delegitimiert, Israel sein Existenzrecht abgesprochen oder das Land zum Inbegriff des Bösen stilisiert wird, verschwimmen die Grenzen zwischen politischer Anklage und einem Antizionismus, der antisemitische Denkmuster in zeitgemäßer Sprache fortschreibt.

»Der Antizionismus ist eine existenzielle Bedrohung für das jüdische Volk«, warnt Yossi Klein Halevi, leitender Wissenschaftler am Shalom-Hartman-Institut in Jerusalem. »Die Gefahr ist für Juden in der Diaspora sogar größer als für Israelis. Vor allem die antizionistische Linke habe eine Entwicklung in Gang gesetzt, die einer Rückkehr zu einer an Bedingungen geknüpften gesellschaftlichen Akzeptanz gleichkomme: ›Wir akzeptieren euch, aber ihr müsst diesen Teil eurer jüdischen Identität – eure Verbundenheit mit Israel – aufgeben.‹«

Der Publizist forscht über das Verhältnis zwischen jüdischer Identität, nationaler Selbstbestimmung und der Wahrnehmung Israels in der westlichen Welt. In der heutigen Debatte beobachtet er eine Entwicklung, die für ihn über die Ablehnung der Regierungspolitik Jerusalems weit hinausgeht: Der jüdische Staat werde nicht mehr nur für seine militärischen Entscheidungen kritisiert, sondern zunehmend zum moralischen Gegenbild einer vermeintlich aufgeklärten westlichen Gesellschaft stilisiert. Dabei gerate aus dem Blick, dass Israel für Millionen Juden nicht nur ein politisches Projekt, sondern auch die Konsequenz einer jahrhundertelangen Geschichte von Verfolgung und Staatenlosigkeit ist.

Besonders deutlich wird diese Umkehrung der moralischen Rollenverteilung in der Reaktion auf den 7. Oktober. Während das Massaker an israelischen Zivilisten vielerorts rasch hinter der internationalen Debatte über die israelische Kriegsführung zurücktrat, sieht der Klein-Halevi eine Entwicklung, die er als eine der bittersten Erfahrungen jüdischer Geschichte beschreibt. »Wir erleben den ultimativen jüdischen Albtraum: erst abgeschlachtet und anschließend zum Verbrecher erklärt zu werden«, stellt er fest. »Beim Antizionismus muss man sich deshalb nicht nur mit der Frage auseinandersetzen, wie Israel international wahrgenommen wird. Diese neue Form des Antisemitismus berührt vielmehr den Kern jüdischer Sicherheit und politischer Selbstbestimmung: Sieben Millionen Juden ohne jüdische Souveränität und ohne eine eigene Armee im Nahen Osten zurückzulassen, wäre ein Todesurteil.«

Fixierung auf Israel

Über die Delegitimierung jüdischer Selbstbestimmung hinaus zeigt sich ein weiteres Phänomen: die außergewöhnliche Fixierung auf den jüdischen Staat. Kaum ein anderer internationaler Konflikt wird derart emotional aufgeladen und mit einer vergleichbaren symbolischen Bedeutung versehen.

Während im Sudan oder Jemen Hunderttausende Menschen durch Krieg, Vertreibung und Hunger bedroht sind, im Iran politische Gegner verfolgt und hingerichtet werden und in anderen Teilen der Welt – etwa in China, Russland, der Türkei oder Katar – schwere Menschenrechtsverletzungen stattfinden, richtet sich ein erheblicher Teil der internationalen Protestbewegungen auf Israel. Es geht somit nicht allein um die Kritik an israelischer Politik, sondern um die Frage, weshalb sich die internationale Empörung derart stark auf den jüdischen Staat konzentriert und warum er für so viele Menschen zum Inbegriff des Bösen geworden ist.

Besonders deutlich wird dieser Widerspruch in der Debatte über den Kolonialismus. Die Entstehungsgeschichte zahlreicher heutiger Nationalstaaten ist von Eroberung, Vertreibung, Migration und territorialer Expansion geprägt. Die Vereinigten Staaten, Kanada, Uruguay, Australien und Neuseeland sind ohne die europäische Besiedlung und die Verdrängung der indigenen Bevölkerung nicht zu verstehen. Auch die politische Landkarte des Nahen Ostens wurde durch den Imperialismus im Namen Allahs sowie später durch Eroberungen und koloniale Grenzziehungen geprägt. Dennoch stellt kaum jemand grundsätzlich das Existenzrecht dieser Staaten infrage.

Bei Israel hingegen wird die Einwanderung von Juden in ihr historisches Heimatland häufig ausschließlich als koloniales Projekt interpretiert. Dass der Zionismus zugleich die nationale Selbstbestimmungsbewegung eines über Jahrhunderte verfolgten Volkes war, findet in diesem Deutungsmuster wenig Platz. Die Frage ist daher, ob hier tatsächlich ein universeller Maßstab für die Bewertung von Nationalstaaten angelegt wird – oder ob Israel einer Sonderbehandlung unterliegt.

»Der Antizionismus ist in seiner Obsession mit Israel ein pathologisches Weltbild«, argumentiert Shany Mor, Dozent für politische Theorie an der Reichman-Universität in Herzliya. «Ausgerechnet die nationale Befreiung eines einzigen Volkes soll ein Verbrechen sein, während die Selbstbestimmung aller anderen gefeiert wird. Diese Vorstellung ist schlicht widersprüchlich.«

Der Politikwissenschaftler sieht darin eine ideologische Verschiebung, bei der die historische Entstehung Israels nicht nach denselben Maßstäben beurteilt werde wie die anderer Nationalstaaten. Während nationale Befreiungsbewegungen andernorts als Ausdruck legitimer Selbstbestimmung gelten, werde der Zionismus zunehmend als grundsätzlich illegitimes koloniales Projekt interpretiert. Dass die jüdische Nationalbewegung ebenso wie andere europäische und mediterrane Nationalbewegungen im Zeitalter zerfallender Vielvölkerreiche entstand, werde dabei ausgeblendet.

Weiter erklärt er, dass antiisraelische Aktivisten im Westen zwei beinahe theologischen Grundsätzen folgen: Während Israel als böse gilt, werden palästinensische Handlungen niemals im Zusammenhang mit ihren Folgen für die palästinensische Bevölkerung betrachtet.

»Besonders deutlich hat sich diese Dynamik nach dem 7. Oktober gezeigt«, betont Mor. »Der Hamas-Angriff hätte eigentlich die bisherigen politischen Gewissheiten vieler Israelgegner erschüttern müssen. Stattdessen gab es eine gegenteilige Reaktion. Das Massaker stellte dieses Weltbild infrage und die einzige Möglichkeit, den Widerspruch aufzulösen, bestand darin, die vermeintliche Bösartigkeit Israels noch weiter zu steigern.« Mor erklärt diesen Mechanismus mit dem psychologischen Konzept der kognitiven Dissonanz: Widersprechen neue Informationen einem bereits verfestigten Weltbild, werden sie nicht zwangsläufig zum Anlass genommen, die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. Stattdessen können sie so umgedeutet werden, dass das bisherige Feindbild erhalten bleibt.

In einem weiteren Zusammenhang verweist der Wissenschaftler auf die religiösen Ursprünge bestimmter moralischer Deutungsmuster in der westlichen Gesellschaft. »Die Rituale des Antizionismus – seine grundlegenden moralischen Überzeugungen, die Vorstellung, dass Schuld über Generationen weitergegeben wird und niemals vollständig getilgt werden kann – haben eine sehr deutliche christliche Genealogie.«

Dabei gerät leicht in Vergessenheit, wie eng das Christentum selbst mit dem Judentum und dem Land Israel verbunden ist: Jesus war Jude, betete in Synagogen und wirkte in Judäa und Galiläa. Die jüdischen Wurzeln des Christentums sind unbestreitbar – umso bemerkenswerter ist es, wenn ausgerechnet die jüdische Verbindung zu diesem Land heute zum Gegenstand moralischer Verurteilung wird. Auch der Islam weist enge Bezüge zum Judentum auf: Der Koran greift zahlreiche Gestalten und Überlieferungen der jüdischen Tradition auf, und die jüdische Geschichte gehört zu den religiösen Bezugspunkten des Islam.

Die Folgen dieser Entwicklung reichen längst über die politische Auseinandersetzung um den Nahen Osten hinaus. Wo die Feindschaft gegen Israel zum gesellschaftlich akzeptierten Ausdruck moralischer Haltung wird, verschwimmen die Grenzen zwischen politischer Positionierung und der Feindseligkeit gegenüber Juden. Diese Entwicklung bleibt dann nicht auf diplomatische Erklärungen, Universitätscampus oder Demonstrationen beschränkt. Es schlägt auf das jüdische Leben in Europa, Nordamerika und anderen westlichen Ländern durch – in Form von Einschüchterung, öffentlicher Diffamierung und zunehmend auch körperlicher Gewalt. Die alte Vorstellung, Juden seien für die Übel der Welt verantwortlich, hat damit eine neue politische Sprache gefunden.

Anders als in der Vergangenheit

Doch die Geschichte kennt nicht nur Verfolgung, Ausgrenzung und Feindschaft. Sie erzählt auch von Menschen, die sich Vorurteilen widersetzten, Haltung zeigten und sich trotz aller Widerstände für Menschlichkeit und Solidarität entschieden. Diese andere Seite der Geschichte ist gerade in Zeiten wie diesen nicht aus dem Blick zu verlieren.

»In den dunkelsten Stunden der Geschichte gab es immer wieder außergewöhnliche nichtjüdische Verbündete, die sich für jüdische Anliegen einsetzten«, erinnert Ruth-Frances Alon aus dem Kibbuz Neot Mordechai. »Auch diese Stimmen dürften in der gegenwärtigen Debatte nicht aus dem Blick geraten. Entscheidend sei, dass Menschen nicht nur antisemitischen Äußerungen und Übergriffen widersprechen, sondern sich auch mit deren Ursachen auseinandersetzen.«

Natürlich sei heute die Situation eine andere als in früheren Jahrhunderten: Mit einem eigenen Land, einer starken Armee und einer widerstandsfähigen Gesellschaft könnten die Israelis ihre Sicherheit selbst gewährleisten und ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Zugleich bleibe der jüdische Staat auch auf Freunde und Verbündete in aller Welt angewiesen. Es gehe deshalb darum, Vertrauen zurückzugewinnen, internationale Beziehungen zu stärken und wieder als selbstverständlicher Teil der Völkergemeinschaft wahrgenommen zu werden.

»Aufklärung und Bildung seien dabei von besonderer Bedeutung«, hebt Alon hervor. »Auch wenn es noch lange dauern wird, kann Wissen Vorurteile abbauen und den Blick für die Geschichte und die Erfahrungen anderer öffnen. Denn wo Erkenntnis an die Stelle von Feindbildern tritt, entsteht Raum für Verständnis – und damit auch für die Hoffnung auf eine Zukunft, in der Israel seinen Platz in der internationalen Gemeinschaft selbstbewusst behaupten kann und jüdisches Leben überall selbstverständlich respektiert wird.«

Vom Antizionismus zum Antisemitismus

Bis vor kurzem sagte man verschämt »Zionisten« statt »Juden«, wenn man seinem antisemitischen Ressentiment Ausdruck verleihen wollte. Das scheint sich zu ändern.

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