»Ich sollte nicht erklären müssen, dass es das Richtige ist, ein Mensch zu sein«, sagte der britische Sänger Boy George während einer Reise durch den Süden Israels.
Etgar Lefkovits
Der britische Popstar Boy George besuchte am Dienstag den Ort des Hamas-Massakers beim Nova-Musikfestival im Süden Israels, das ihn zu seinem Song »We Will Dance Again« inspirierte. Der Sänger erklärte, sich zu Wort zu melden sei als Mensch einfach das Richtige. »Ich habe gesehen, was am 7. Oktober passiert ist, und es hat mich entsetzt«, erläuterte er bei einer Presseveranstaltung an der Gedenkstätte. »Was mich noch mehr entsetzte, war, von Menschen zu hören, die keinerlei Verbindung zu den Geschehnissen hatten, dass es nicht wahr sei, dass alles erfunden sei.«
Boy George erzählte, den Song geschrieben zu haben, nachdem er bei einer Ausstellung in London die Geschichten von Überlebenden und Angehörigen gelesen und gehört hatte, wie verängstigt seine jüdischen Freunde dort waren. Der Song drücke aus, was er tief in seinem Inneren empfand. »Ich konnte nicht einfach nur dasitzen und nichts tun. Ich finde es seltsam, Dankbarkeit dafür zu erfahren, dass ich das tue, was einfach normal ist.«
Er sagte, es sei »ziemlich schockierend« und »ein wenig vorhersehbar« gewesen, zu hören, was andere Musiker nach dem 7. Oktober verlautbarten – von denen viele Israel scharf kritisierten oder aus Angst schwiegen, nachdem es zum schlimmsten Angriff auf das jüdische Volk seit dem Holocaust gekommen war. »Manche Dinge werden irgendwie zum Trend, und es wird einfacher, dem zu folgen, was andere Leute sagen. Ich sollte nicht erklären müssen, dass es das Richtige ist, ein Mensch zu sein. Die meisten Menschen haben ihren gesunden Menschenverstand verloren.«
Moralische Klarheit
»In einer Zeit, in der sich viel zu viele internationale Künstler dafür entschieden haben, Israel zu boykottieren oder angesichts von Antisemitismus zu schweigen, haben Sie sich dafür entschieden, zu kommen. Sie haben Ihre Stimme und Ihre internationale Plattform genutzt, um sich trotz der Drohungen und Boykotte auf die Seite des jüdischen Volkes zu stellen. Das erfordert Mut. Und moralische Klarheit«, sagte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses in Israel, Sylvan Adams, zu Boy George. »Wenn Sie die Bühne betreten, wird das eine Erklärung sein, dass der Terror niemals das letzte Wort haben wird«, sagte Adams.
Der ehemalige Frontmann der Band Culture Club, der für Hits wie »Karma Chameleon« und »Do You Really Want to Hurt Me?« bekannt ist, wird während seines einwöchigen Besuchs zwei Konzerte in Israel geben, darunter eines für die Überlebenden des Nova-Festivals. Zuvor besuchte er das Nova-Gelände im Negev, das nun mit Fotos der mehr als 360 Menschen geschmückt ist, die bei dem Musikfestival ermordet wurden. Er hörte sich Augenzeugenberichte an und hielt inne, um Besuchern die Hand zu schütteln, darunter auch Hinterbliebenen, die regelmäßig die dort errichtete Gedenkstätte aufsuchen.
»In der heutigen Welt braucht es echten Mut, sich offen zu Israel und dem jüdischen Volk zu bekennen – und zwar überall auf der Welt. Noch mehr Mut braucht es, nach Israel zu kommen, um hier aufzutreten«, sagte der 24-jährige Omer Shem-Tov, der während des Angriffs am 7. Oktober vom Musikfestival entführt und 505 Tage lang von der Hamas im Gazastreifen festgehalten wurde.
Shem-Tov erzählte, er sei am Dienstag erst zum zweiten Mal seit seiner Freilassung aus der Gefangenschaft an den Ort des Nova-Festivals zurückgekehrt und habe sowohl ein intensives Gefühl der Dunkelheit und Traurigkeit als auch eine Energie des Lichts gespürt. »Sie hätten sich entscheiden können, fernzubleiben, aber Sie haben sich entschieden, zu kommen. Wir können wirklich sehen, wie sehr es Ihnen am Herzen liegt und wie sehr Sie uns alle lieben«, sagte er zu Boy George.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)
