Palästinas vergessene »Hitlerjugend«: Al-Futuwwa und die Jugendprogramme der Hamas

Quelle: The Amit Terrorism and Intelligence Research Institute

1936 gründeten palästinensisch-arabische Nationalisten eine Jugendbewegung, die sich teilweise an der Hitlerjugend des nationalsozialistischen Deutschlands orientierte.

Ihre Gründer bewunderten offen Hitlers Aufstieg zur Macht und wollten eine neue Generation für den Kampf gegen den Zionismus und die britische Herrschaft im Mandatsgebiet Palästina mobilisieren. Doch hinter den demonstrativen Bekenntnissen zu Disziplin und nationaler Einheit verbargen sich erbitterte Rivalitäten innerhalb der arabischen Führung. Diese Spaltungen sollten zur arabischen Niederlage im Krieg von 1948 beitragen – dem israelischen Unabhängigkeitskrieg. In dessen Verlauf versuchten arabische Streitkräfte zunächst, die Gründung eines jüdischen Staates zu verhindern, und bedrohten anschließend den neu gegründeten Staat in seiner Existenz.

Am 11. Februar 1936, während Adolf Hitler seine Macht im nationalsozialistischen Deutschland weiter festigte, gründeten palästinensisch-arabische Nationalisten eine Jugendorganisation, die sich an seinem Regime orientierte. Zunächst als »Nazi-Pfadfinder« bekannt, erhielt sie bald den arabischen Namen Al-Futuwwa, der sich etwa mit »jugendliches Rittertum« übersetzen lässt.

Bei der Gründungsversammlung berief sich Jamal al-Husseini, Vorsitzender der Palästinensisch-Arabischen Partei, auf Hitlers außergewöhnlichen politischen Aufstieg. Wie der Historiker Yehoshua Porath in seinem Standardwerk »The Palestinian Arab National Movement, 1929-1939. From Riots to Rebellion« beschreibt, schilderte al-Husseini, wie Hitlers Bewegung von sechs Anhängern auf sechshundert und schließlich auf sechzig Millionen angewachsen sei. Er hoffte, dass auch die neu gegründete arabische Jugendorganisation zur Keimzelle einer mächtigen nationalen Bewegung werden würde.

Diese Bewunderung wurde zu einem Zeitpunkt geäußert, als das nationalsozialistische Deutschland die demokratischen Freiheiten bereits abgeschafft, die antisemitische Diskriminierung gesetzlich verankert und mit den Vorbereitungen für seine territoriale Expansion begonnen hatte. Doch manchen palästinensisch-arabischen Nationalisten erschien Hitlers Fähigkeit, eine ganze Nation zu mobilisieren, als nachahmenswertes Vorbild.

Widerstand gegen den Zionismus und politische Rivalitäten in Palästina

Das von Porath überlieferte Gründungsbekenntnis von Al-Futuwwa lautete: »Freiheit ist mein Recht; Unabhängigkeit ist mein Ziel; das Arabertum ist mein Grundsatz; Palästina ist mein Land und gehört allein mir. Dies bezeuge ich, und Gott ist Zeuge meiner Worte.« Das Bekenntnis verband die Forderung nach Unabhängigkeit mit arabischem Nationalismus und einem exklusiven Anspruch auf Palästina. Die Behauptung, Palästina gehöre allein den Arabern, spiegelte die Ablehnung jüdischer nationaler Bestrebungen durch die Palästinensisch-Arabische Partei wider. Als die jüdische Einwanderung nach Hitlers Machtübernahme 1933 zunahm, verstärkten palästinensisch-arabische Führer ihren Widerstand gegen den Zionismus und die britische Herrschaft.

Für Juden, die vor Verfolgung in Europa und im Nahen Osten flohen, bot das zionistische Projekt sowohl Zuflucht als auch die Möglichkeit, das nationale Leben in ihrer angestammten Heimat wiederherzustellen.

Die jüdischen Bestrebungen verfügten zudem über eine international anerkannte rechtliche Grundlage. Das 1922 vom Völkerbund bestätigte Palästinamandat erkannte ausdrücklich die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit dem Land sowie die Grundlagen für die Wiedererrichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte an. Artikel 2 verpflichtete Großbritannien, die Voraussetzungen für deren Errichtung zu schaffen, während Artikel 6 die Förderung der jüdischen Einwanderung und Ansiedlung vorsah, sofern dadurch die Rechte und die Stellung anderer Bevölkerungsgruppen nicht beeinträchtigt würden. Jüdische Gemeinden waren über Jahrhunderte hinweg in Palästina präsent geblieben. Jüdische Einzelpersonen und Institutionen hatten auch unter osmanischer und britischer Herrschaft Land auf legalem Wege erworben.

Die britische Politik wurde jedoch zunehmend restriktiver. Das Weißbuch von 1922 knüpfte die jüdische Einwanderung an die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes. Das Weißbuch von 1939 begrenzte sie auf 75.000 Menschen innerhalb von fünf Jahren und machte jede weitere Einwanderung von der Zustimmung der arabischen Bevölkerung abhängig. Während sich die nationalsozialistische Judenverfolgung in Europa verschärfte, beschränkte Großbritannien somit den Zugang zu jener jüdischen nationalen Heimstätte, deren Errichtung es ermöglichen sollte.

Innerhalb der palästinensisch-arabischen Führung ging der Widerstand gegen den Zionismus mit einem erbitterten Machtkampf einher. Dabei ging es darum, wer die palästinensischen Araber vertreten und ihre entstehenden nationalen Institutionen kontrollieren sollte. Die im März 1935 unter Jamal al-Husseini gegründete Palästinensisch-Arabische Partei repräsentierte jene politische Strömung, die seinem Verwandten Hajj Amin al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem, nahestand.

Dieser war bereits in die tödlichen antijüdischen Ausschreitungen von 1920 verwickelt gewesen. Später schürte er die unbegründete Befürchtung, jüdische Ansprüche an der Westmauer bedrohten die muslimischen Heiligtümer auf dem Tempelberg. Damit trug er zu den Spannungen bei, die den Unruhen von 1929 vorausgingen. Bei diesen wurden in ganz Palästina 133 Juden getötet, darunter 67 in Hebron. Das Massaker von Hebron zeigte, dass sich die antijüdische Gewalt keineswegs nur gegen zionistische Organisationen richtete. Sie traf auch Familien, deren Wurzeln in der Region weit älter waren als der moderne Zionismus.

Der Einfluss der Familie al-Husseini bedeutete allerdings keineswegs, dass ihre Führungsrolle innerhalb der palästinensisch-arabischen Nationalbewegung unangefochten gewesen wäre. Ihr wichtigster politischer Rivale war Raghib al-Nashashibi, der ehemalige Bürgermeister von Jerusalem. Seine im Dezember 1934 gegründete Nationale Verteidigungspartei stützte sich auf einflussreiche städtische Familien, kommunale Honoratioren und andere Gegner der Husseini-Fraktion. Obwohl beide Lager den Zionismus ablehnten, bevorzugten die Nashashibis im Allgemeinen einen pragmatischeren Umgang mit den britischen Behörden und zeigten sich eher zu Verhandlungen bereit.

Jugendorganisationen wurden zu einem weiteren Schauplatz dieser Rivalität. Emil al-Ghuri, Generalsekretär der Palästinensisch-Arabischen Partei, versuchte zunächst, bestehende arabische Pfadfinderverbände zu mobilisieren. Deren Unabhängigkeit erschwerte jedoch die politische Kontrolle. Deshalb gründete die Partei Al-Futuwwa.

Die Anziehungskraft Nazi-Deutschlands

Laut Porath nahm sich Al-Futuwwa die Hitlerjugend in organisatorischer Hinsicht zum Vorbild. Die Bewegung setzte auf Uniformen, militärische Disziplin und öffentliche Zeremonien, die Stärke und Geschlossenheit demonstrieren sollten. Zugleich sollten ihre Mitglieder darauf vorbereitet werden, nationalistische Ziele gegebenenfalls auch mit Waffengewalt durchzusetzen. Die Anziehungskraft Nazi-Deutschlands hatte auch politische Gründe. Hitlers Feindschaft gegenüber Großbritannien machte Berlin zu einem potenziellen Verbündeten für arabische Nationalisten, die sich gegen die britische Herrschaft stellten. Der nationalsozialistische Antisemitismus traf zudem bei manchen arabischen Nationalisten auf bereits vorhandene antijüdische Vorurteile. Diese Feindseligkeit hatte im Nahen Osten lange vor Hitlers Machtübernahme existiert, doch die NS-Propaganda lieferte ihr neue ideologische Verstärkung.

Der Historiker Charles W. Anderson warnt in seiner Dissertation allerdings davor, die Verbindungen zwischen Al-Futuwwa und Nazi-Deutschland zu überschätzen. Trotz der Bewunderung ihrer Gründer für nationalsozialistische Methoden der politischen Mobilisierung waren die direkten Verbindungen zum deutschen Regime schwach. Al-Futuwwa war kein offizieller Ableger der Hitlerjugend.

Die Gründung von Al-Futuwwa fiel in eine Phase, in der die arabische Gewalt gegen Juden und die britische Herrschaft im Mandatsgebiet Palästina deutlich eskalierte. Der Arabische Aufstand begann im April 1936 mit tödlichen Angriffen auf Juden. Am 15. April ermordeten arabische Bewaffnete zwei jüdische Reisende in der Nähe von Tulkarm. Es folgten jüdische Vergeltungsangriffe sowie weitere Ausschreitungen in Jaffa und Tel Aviv. Noch im selben Monat begann ein Generalstreik. Daraus entwickelte sich eine langwierige bewaffnete Rebellion gegen die britische Herrschaft, die bis 1939 andauerte und von Gewalt, Sabotage sowie Angriffen auf jüdische Zivilisten, Siedlungen und Verkehrswege geprägt war.

Arabische Jugend- und Pfadfinderorganisationen beteiligten sich zunehmend an der nationalistischen Mobilisierung und gingen damit weit über ihre traditionellen Bildungs- und Freizeitaktivitäten hinaus. Wie der Historiker Arnon Degani in seiner Studie zeigt, trug die Pfadfinderbewegung durch Uniformen, militärähnliche Übungen und öffentliche Aufmärsche zur Herausbildung einer gemeinsamen arabischen nationalen Identität bei. Gleichzeitig schuf sie Netzwerke für politische Aktivitäten.

Die britischen Behörden betrachteten diese paramilitärischen Aktivitäten mit wachsender Sorge. 1937 lösten sie Al-Futuwwa im Rahmen ihres umfassenderen Vorgehens gegen arabisch-nationalistische Organisationen während des Aufstands auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Bewegung jedoch wieder auftauchen.

Wiederbelebung: Al-Futuwwa gegen Al-Najjada

Als Al-Futuwwa nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbelebt wurde, blieb ihr Gründer Jamal al-Husseini, der auch der Palästinensisch-Arabischen Partei vorstand, seinem Verwandten Hajj Amin al-Husseini eng verbunden. Der Großmufti von Jerusalem hatte zu diesem Zeitpunkt fast ein Jahrzehnt im Exil verbracht. 1937 war er während des Arabischen Aufstands aus Palästina geflohen, nachdem die britischen Behörden das von ihm geleitete Arabische Hochkomitee verboten hatten. Zunächst fand er Zuflucht im Libanon, bevor er in den Irak übersiedelte, wo er 1941 einen prodeutschen Staatsstreich unterstützte. Nach dessen Scheitern gelangte er schließlich nach Nazi-Deutschland.

In Berlin wurde der Mufti zu einem aktiven Kollaborateur des nationalsozialistischen Regimes. Am 28. November 1941 traf er Adolf Hitler und ersuchte um deutsche Unterstützung für die arabische Unabhängigkeit sowie für die Verhinderung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina. Zudem verbreitete er über den Rundfunk antisemitische Propaganda in der arabischen Welt und beteiligte sich an der Rekrutierung von Muslimen für die Waffen-SS. Seine Aktivitäten sind vom United States Holocaust Memorial Museum ausführlich dokumentiert. Nach der deutschen Niederlage wurde er in Frankreich festgehalten, konnte jedoch 1946 nach Ägypten entkommen. Von dort aus übte er weiterhin erheblichen Einfluss auf die palästinensisch-arabische Politik aus.

Unterdessen war Ende 1945 in Jaffa eine neue paramilitärische Organisation entstanden. Die von einer gleichnamigen libanesischen Bewegung inspirierte Al-Najjada ging aus Mitgliedern eines örtlichen muslimischen Sportvereins hervor. Unter der Führung von Muhammad Nimr al-Hawari, einem Juristen und ehemaligen Mitarbeiter der britischen Mandatsverwaltung, entwickelte sie sich zu einer landesweiten Bewegung, die arabisch-nationalistische Erziehung mit körperlichem Training und militärähnlichen Aktivitäten verband. Anders als Al-Futuwwa präsentierte sich Al-Najjada als parteipolitisch unabhängig.

Die Organisation expandierte rasch und gründete Zweigstellen in Jerusalem, Haifa, Akko, Nablus, Gaza und weiteren Städten. Der britische Geheimdienst schätzte ihre Mitgliederzahl im August 1946 auf etwa 4.000 und im Dezember desselben Jahres bereits auf 8.000. Ihre Mitglieder trugen Uniformen, nahmen an Exerzierübungen teil und erhielten eine grundlegende Waffenausbildung, teilweise durch ehemalige arabische Soldaten der britischen Armee. Außerdem setzten sie den wirtschaftlichen Boykott gegen Juden durch, beschlagnahmten jüdische Waren und überwachten Streiks und Demonstrationen.

Al-Najjada schien damit die Grundlage für eine künftige palästinensisch-arabische Armee bilden zu können. Doch anstatt sich hinter ihr zu vereinen, versuchte die Husseini-Fraktion, die Organisation unter ihre Kontrolle zu bringen. Jamal al-Husseini wollte Al-Najjada seiner Partei unterordnen. Al-Hawari widersetzte sich jedoch und bestand auf der politischen Unabhängigkeit der Bewegung.

Eine vorläufige Vereinbarung vom Juli 1946 sicherte Anhängern al-Husseinis führende Positionen zu. Bei einer Versammlung in Jaffa, an der rund 10.000 Menschen teilnahmen, darunter 2.000 uniformierte Mitglieder, hisste Jamal al-Husseini persönlich die Fahne von Al-Najjada. Doch schon wenige Tage später zerbrach die Vereinbarung an Streitigkeiten über Führungsansprüche und politische Loyalitäten.

Nachdem der Versuch, Al-Najjada zu übernehmen, gescheitert war, ließ die Palästinensisch-Arabische Partei Al-Futuwwa im September 1946 offiziell wiederaufleben. Zum Kommandeur ernannte sie Kamil Arikat, einen ehemaligen Polizeiinspektor und prominenten Unterstützer al-Husseinis. Das vorrangige Ziel der wiederbelebten Organisation bestand darin, Al-Najjada zu schwächen und Jamal al-Husseinis Führungsanspruch zu festigen.

Al-Futuwwa richtete 24 territoriale Bezirke in ganz Palästina ein. Ihre Mitglieder schworen ihren Kommandeuren, der arabischen Heimat und dem Vorsitzenden der Palästinensisch-Arabischen Partei die Treue und verpflichteten sich zugleich, die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte zu bekämpfen. Der Geheimdienst der Haganah schätzte ihre Stärke im Oktober 1946 auf etwa 2.000 Mitglieder; britische Geheimdienstberichte gingen zwei Monate später von 5.000 aus.

Die Rivalität zwischen den beiden Bewegungen lähmte zunehmend die palästinensisch-arabischen Kriegsvorbereitungen. Die Konkurrenz äußerte sich in Propagandakampagnen, gegenseitigen Anschuldigungen und gelegentlichen gewaltsamen Auseinandersetzungen. Jamal al-Husseini verlangte, Al-Najjada müsse sich entweder in Al-Futuwwa auflösen oder seiner Partei unterstellen. Al-Hawari weigerte sich.

Paramilitärische Ambitionen, politisches Scheitern

Trotz ihrer Uniformen, öffentlichen Aufmärsche und militärischen Ambitionen entwickelte sich keine der beiden Organisationen zu einer angemessen ausgerüsteten Kampfeinheit. Die Ausbildung bei Al-Najjada blieb oberflächlich, und Waffen waren Mangelware. Ihr Hauptquartier in Jaffa verfügte Berichten zufolge lediglich über etwa zehn Pistolen und zwei oder drei Maschinenpistolen. Einzelne Ortsgruppen besaßen für Ausbildungszwecke oft nur eine oder zwei Schusswaffen. Dennoch erregten ihre Aktivitäten die Aufmerksamkeit der britischen Behörden. Am 20. November 1946 beantwortete Kolonialminister Arthur Creech Jones im britischen Unterhaus eine schriftliche Anfrage zu den beiden Organisationen. Er bestätigte, dass die Behörden gegen unerlaubte militärische Übungen vorgingen. Zugleich erklärte er laut dem Parlamentsprotokoll, ihnen lägen keine verlässlichen Beweise für eine Ausbildung an Handfeuerwaffen vor.

Die militärischen Schwächen der Organisationen wurden durch ihre politischen Konflikte noch verschärft. Um die Rivalität zu beenden, schaltete sich Hajj Amin al-Husseini aus dem Exil ein und vermittelte im Oktober 1946 eine Vereinbarung über die Zusammenlegung beider Bewegungen zu einer neuen Arabischen Jugendorganisation. Diese sollte den Grundstein für eine palästinensisch-arabische Armee legen. Zunächst bestand der Zusammenschluss jedoch weitgehend nur auf dem Papier, da die jeweiligen Kommandeure ihre Macht nicht aufgeben wollten.

Weitere Verhandlungen führten im Mai 1947 zur Ernennung von Mahmoud Labib, einem ehemaligen ägyptischen Offizier und Aktivisten der Muslimbruderschaft, zum Kommandeur. Labib hatte eine prodeutsche Vergangenheit und zuvor die paramilitärische Jugendbewegung der Muslimbruderschaft in Ägypten organisiert. Im Juni wurde die Vereinigung schließlich formal vollzogen. Die neue Organisation blieb jedoch schlecht ausgebildet, unzureichend finanziert und von internen Rivalitäten zerrissen. Zwar richtete sie ein geheimes Ausbildungslager nahe Tamra in Galiläa ein, doch ihre militärischen Fähigkeiten blieben weit hinter denen der jüdischen Haganah zurück. Im August verwiesen die britischen Behörden Labib aus Palästina. Spätere Versuche al-Hawaris, die Organisation wiederzubeleben, endeten in weiteren Auseinandersetzungen mit dem Mufti, der ihn schließlich seines Kommandos enthob.

Als nach dem UN-Teilungsbeschluss vom 29. November 1947 die Kämpfe ausbrachen, war die Arabische Jugendorganisation faktisch bereits zerfallen. Auch Al-Futuwwa und Al-Najjada existierten nicht mehr als eigenständige Verbände von militärischer Bedeutung. Ihr Verschwinden bedeutete jedoch nicht, dass sämtliche Mitglieder den bewaffneten Kampf gegen die Gründung eines jüdischen Staates aufgaben. Einige ehemalige Al-Futuwwa-Mitglieder schlossen sich der Armee des Heiligen Krieges an, die sich Ende 1947 unter Abd al-Qadir al-Husseini und Hasan Salama formierte. Kamil Arikat, der frühere Kommandeur von Al-Futuwwa, wurde Abd al-Qadirs Stellvertreter. Die neue Formation kämpfte gegen jüdische Streitkräfte, griff Verkehrsverbindungen an und versuchte, die Umsetzung des UN-Teilungsplans zu verhindern. Doch auch sie geriet in Rivalitäten, insbesondere mit der von Fawzi al-Qawuqji befehligten Arabischen Befreiungsarmee.

Am 15. Mai 1948, nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung, griffen reguläre Streitkräfte aus Ägypten, Transjordanien, Syrien, dem Libanon und dem Irak in den Krieg im ehemaligen Mandatsgebiet ein. Die Invasion bedrohte den gerade gegründeten jüdischen Staat in seiner Existenz. Die arabischen Armeen verfügten über Artillerie, Panzerfahrzeuge und andere schwere Waffen, die den jüdischen Streitkräften zunächst nicht in vergleichbarem Umfang zur Verfügung standen. Ihre Operationen wurden jedoch durch mangelhafte Koordination und widerstreitende politische Interessen behindert. Die jüdische Gemeinschaft hatte unterdessen Institutionen aufgebaut, die Personal mobilisieren, Waffen beschaffen und einen langwierigen Krieg führen konnten.

Die Gründer von Al-Futuwwa hatten Hitlers Aufstieg zum Vorbild für den Aufbau einer mächtigen nationalen Bewegung genommen. Ein Jahrzehnt später war ihre Organisation verschwunden, während der jüdische Staat, dessen Entstehung sie hatten verhindern wollen, um sein Überleben kämpfte.

Hamas und die Rückkehr von Al-Futuwwa

Mehr als sieben Jahrzehnte nach der Gründung der historischen Bewegung tauchte der Name Al-Futuwwa im Gazastreifen wieder auf. 2012 führte die Hamas unter dieser Bezeichnung ein eigenes paramilitärisches Programm an den weiterführenden Schulen des Gazastreifens ein. Die Namensgleichheit allein belegt allerdings keine organisatorische Kontinuität zur Bewegung der 1930er Jahre. Unter der Aufsicht der von der Hamas kontrollierten Bildungs- und Sicherheitsbehörden erhielten männliche Jugendliche ideologische Schulung und militärische Ausbildung. Die Teilnehmer, viele von ihnen zwischen fünfzehn und siebzehn Jahre alt, trugen Uniformen, lernten den Umgang mit Schusswaffen und nahmen an Übungen teil, bei denen Angriffe auf israelische Militärstellungen und die Entführung israelischer Soldaten simuliert wurden.

2013 berichtete der Guardian von rund 37.000 Jungen im schulischen Programm und etwa 5.000 Teilnehmern an Ausbildungslagern. Die Fortsetzung dieser Ausbildung wurde 2018 in einem weiteren Bericht dokumentiert. Auch ein UNICEF-Bericht beschrieb für 2019 Übungen mit Gewehrattrappen und Besuche von Angehörigen der Hamas-Sicherheitskräfte in Schulen. Die UNO forderte, Kinder keiner Gewalt auszusetzen und militärisches Personal von Schulen fernzuhalten. Bis zum Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 hatten Zehntausende palästinensische Jungen an militärisch ausgerichteten Jugendprogrammen der Hamas teilgenommen. Über Jahre hinweg wurden Jugendliche damit systematischer ideologischer Indoktrination ausgesetzt und auf den bewaffneten Kampf vorbereitet.

Die historischen Parallelen reichen über den Namen hinaus. Sowohl die ursprüngliche Al-Futuwwa als auch das Programm der Hamas sollten junge Palästinenser durch militärische Disziplin, ideologische Indoktrination und die Vorbereitung auf eine bewaffnete Konfrontation mit dem Zionismus prägen. Die ursprüngliche Al-Futuwwa hatte sich von der Hitlerjugend inspirieren lassen. Im Programm der Hamas finden sich vergleichbare Methoden im ideologischen Rahmen eines revolutionären Islamismus.

Auch die ideengeschichtlichen Verbindungen zwischen Nationalsozialismus und Hamas verdienen Beachtung. Wie bereits erwähnt, trug die Zusammenarbeit Hajj Amin al-Husseinis mit Nazi-Deutschland während des Zweiten Weltkriegs zur Verbreitung europäischer antisemitischer Propaganda in der arabischen Welt bei. Auch die Muslimbruderschaft, aus der 1987 die Hamas hervorging, entwickelte eine eigene Tradition des islamistischen Antisemitismus, in der sich religiös begründete Judenfeindschaft mit modernen europäischen Verschwörungstheorien verband.

Die Gründungscharta der Hamas von 1988 spiegelte diese Einflüsse wider, insbesondere durch ihre Bezugnahme auf die Protokolle der Weisen von Zion in Artikel 32. Bei diesem Text handelt es sich um eine berüchtigte antisemitische Fälschung. Der Antisemitismusforscher David Patterson untersucht die ideengeschichtlichen Verbindungen zwischen Nationalsozialismus, Muslimbruderschaft und Hamas in seiner ausführlichen Analyse » From Hitler to Hamas: A Genealogy of Evil«.

Obwohl die Hamas im politischen Islam und nicht im europäischen Rechtsextremismus verwurzelt ist, weist sie mehrere Merkmale auf, die auch für faschistische Bewegungen charakteristisch sind. Dazu gehören ideologischer Absolutismus, antisemitische Verschwörungstheorien, Autoritarismus, die Verherrlichung von Gewalt und Märtyrertum sowie die Gleichsetzung politischer Opposition mit Verrat. Solche Merkmale lassen sich mit Eigenschaften vergleichen, die Umberto Eco in seinem Essay Ur-Faschismus beschrieb. Diese Parallelen werden in einer weiterführenden Analyse ausführlicher untersucht.

Besonders verstörend ist die Militarisierung von Kindern. Das Al-Futuwwa-Programm der Hamas führte Jugendliche an Waffen und militärische Übungen heran und stellte den bewaffneten Kampf als nationale und religiöse Pflicht dar. Die internationale Debatte sollte diese Ausbeutung Minderjähriger weit stärker in den Blick nehmen. Organisationen wie UNICEF tragen die Verantwortung, sowohl die Folgen des Krieges für Kinder als auch ihre Rekrutierung und militärische Ausbildung zu untersuchen. Die Vereinten Nationen selbst zählen die Rekrutierung Minderjähriger und ihren Einsatz durch bewaffnete Gruppen zu den schwerwiegenden Verletzungen von Kinderrechten. Artikel 4 des einschlägigen Fakultativprotokolls sieht vor, dass nichtstaatliche bewaffnete Gruppen unter keinen Umständen Personen unter achtzehn Jahren rekrutieren oder bei Feindseligkeiten einsetzen sollen.

Hinzu kommt ein verstörendes Paradox in der internationalen Berichterstattung über Gaza. Nach der UN-Kinderrechtskonvention gelten Menschen unter achtzehn Jahren grundsätzlich als Kinder – auch wenn sie als Hamas-Kämpfer aktiv gegen israelische Soldaten kämpfen. Werden solche Jugendlichen getötet, können sie entsprechend ihrem Alter in der Statistik der getöteten Kinder erscheinen. Zugleich unterscheiden die veröffentlichten Opferzahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza nicht systematisch zwischen Zivilisten und Hamas-Kämpfern.

Auf diese fehlende Unterscheidung weisen unter anderem ACLED, Airwars und israelische Stellen hin. Auch die britische Regierung hielt dies in einer Parlamentsantwort vom 30. Mai 2025 ausdrücklich fest. Folglich können Statistiken, auf die sich die Vereinten Nationen und internationale Medien berufen, auch jugendliche Hamas-Kämpfer enthalten, ohne deren Beteiligung an bewaffneten Angriffen auf Israel kenntlich zu machen. Dabei besteht ein grundlegender Unterschied zwischen einem 16-jährigen Zivilisten, der bei einem Luftangriff ums Leben kommt, und einem 16-jährigen Hamas-Kämpfer, der im Gefecht getötet wird. Beide sind Kinder – doch die Umstände ihres Todes sind nicht dieselben.

Die Al-Futuwwa von 1936 wurde von palästinensisch-arabischen Nationalisten gegründet, die Hitlers Methoden der politischen Mobilisierung bewunderten. Mehr als siebzig Jahre später verband die Hamas unter demselben Namen ideologische Indoktrination mit militärischer Ausbildung für Jugendliche in den Schulen des Gazastreifens. Die Ideologien unterschieden sich, doch das Ziel der Militarisierung blieb vergleichbar: Jugendliche sollten auf den Krieg vorbereitet werden.

Vor 80 Jahren: Arabischer Aufstand in Palästina

Am 15. April 1936 geschah es, vor genau achtzig Jahren, am Abend um halb neun. Drei Araber hielten in der Nähe von Nablus  Fahrzeuge an: Einer beobachtete die Straße, ein anderer hielt die Passagiere der gestoppten Fahrzeuge mit der Waffe in Schach, und der Dritte nahm ihnen ihr Geld ab.…

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