Das Combat Antisemitism Movement fand fast 3.000 Beiträge, in denen Israel oder Juden beschuldigt wurden, wobei Behauptungen über eine False-Flag-Aktion in den Stunden nach dem Vorfall stark zunahmen.
In den sozialen Medien kursierten die antisemitischen Verschwörungstheorien bereits 67 Minuten nach dem ersten Notsignal des flydubai-Flugs, der am Mittwoch offenbar Ziel eines Terroranschlags wurde. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Combat Antisemitism Movement (CAM). Das Antisemitismus-Forschungszentrum identifizierte während eines zwölfstündigen Beobachtungszeitraums 2.963 Beiträge auf X, die den Vorfall rund um den Flug FZ1073 entweder Israel, dem Mossad, dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, den Zionisten oder den Juden zuschrieben.
Innerhalb von fünf Stunden hatten die Forscher 1.000 Beiträge dokumentiert, die solche Behauptungen verbreiteten. Insgesamt sammelte die Organisation 4.136 Beiträge, die den Ausdruck »False Flag« enthielten. Davon enthielten etwa 72 Prozent Verschwörungstheorien, die Israel oder Juden die Schuld zuschoben. In der letzten Phase des Untersuchungszeitraums betrug dieser Anteil gar 82 Prozent, stieg also kontinuierlich an.
»Verborgene Hand«
»Was hier auffällt, ist nicht nur die Menge, sondern auch die Geschwindigkeit«, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter am Antisemitismus-Forschungszentrum von CAM, Oliver Marks. »Es dauerte nur 67 Minuten, bis der Beinahe-Absturz eines Verkehrsflugzeugs durch einen mutmaßlich terroristischen Piloten zum Futter für antisemitische Verschwörungstheoretiker auf der ganzen Welt wurde. Es ist klar, dass dies keine Erzählung ist, die sich als Reaktion auf den Vorfall entwickelte. Vielmehr ist sie Teil eines bereits bestehenden Drehbuchs, das bereitliegt, um bei jeder sich bietenden Gelegenheit eingesetzt zu werden.«
Die Beiträge stellen eine Täter-Opfer-Umkehrung dar, bei der die an Bord des Flugzeugs in Gefahr geratenen Israelis zur Adresse von Vorwürfen wurden, Israel oder Juden hätten den Vorfall heimlich inszeniert. Die Argumentation spiegelt ein klassisch antisemitisches Muster wider, mit dem »Israel und die Juden als ›verborgene Hand‹ dahinter dargestellt werden«, so das Fazit der Untersuchung.
CAM erklärte, die Geschwindigkeit, mit der sich die Behauptungen verbreiteten, zeige, wie etablierte antisemitische Klischees auf aktuelle Ereignisse angewendet werden können, noch bevor die Fakten eines Vorfalls bekannt sind. Die Organisation erklärte, solche Narrative blendeten das Leid der Opfer aus, verteilten die Schuld um und wirkten als Verstärker für alte Verschwörungstheorien, die Juden als heimliche Manipulatoren des Weltgeschehens darstellen.
