Wer wird der Nachfolger von UNO-Generaldirektor Antonio Guterres werden?

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in der Generalversammlung
UNO-Generalsekretär Antonio Guterres in der Generalversammlung (© Imago Images / ZUMA Press)

Jerusalem wäre an einem Nachfolger interessiert, der die UNO reformieren und ihre verwurzelte antiisraelische Voreingenommenheit angehen kann.

Israel verfolgt das Rennen um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres mit großer Aufmerksamkeit. Bislang hat Jerusalem aber noch für keinen der Kandidaten, die sich um das Amt des nächsten bewerben, seine Unterstützung erklärt.

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon erklärte gegenüber Mena Watch, Jerusalem prüfe die Bewerber und deren bisherige Bilanz, während es überlegt, welche Art von Führungskraft die Nachfolge von António Guterres antreten sollte, dessen zweite und damit letzte Amtszeit Ende des Jahres ausläuft. »Jeder wäre besser als Guterres«, sagte Danon. »Die Art und Weise, wie er die UN heute führt, ist beschämend. Er hat das Massaker vom 7. Oktober gerechtfertigt und sich nie dafür entschuldigt.«

Danons Kritik spiegelt die drastische Verschlechterung der Beziehungen des jüdischen Staates zu den Vereinten Nationen wider, die sich während Guterres’ Amtszeit vollzog, insbesondere seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg im Gazastreifen. »Das geschah nicht in einem Vakuum. Das palästinensische Volk hatte 56 Jahre lang unter Besatzung, Blockaden, dem Ausbau der Siedlungen und schwindenden Hoffnungen auf eine politische Lösung gelitten«, sagte Guterres wenige Tage nach dem 7. Oktober und zog schon damals massive Kritik aus Jerusalem auf sich.

Israels Bedenken gehen allerdings über die Person des Generalsekretärs hinaus. Jerusalem möchte, dass der nächste UN-Chef die strukturellen Probleme innerhalb der Organisation angeht, darunter auch das, was Danon als »Besessenheit mit Israel« bezeichnete. »Der nächste UN-Chef muss bedenken, dass die Vereinten Nationen gegründet wurden, um allen Mitgliedstaaten gleichermaßen zu dienen«, erklärte Danon gegenüber Mena-Watch. Der nächste Generalsekretär müsse »den institutionellen Antisemitismus, der sich in Teilen des UN-Systems festgesetzt hat«, angehen und die Organisation wieder auf die Grundsätze der Professionalität und Unparteilichkeit zurückführen.

Mögliche Nachfolger

Es sind vor allem Kandidaten aus Lateinamerika, die versuchen, sich die Unterstützung der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats und letztlich der Generalversammlung zu sichern. Zu den prominentesten Bewerberinnen zählt Rebeca Grynspan aus Costa Rica, eine ehemalige Vizepräsidentin des Landes und langjährige UNO-Beamtin, die derzeit die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) leitet. Ein weiterer Anwärter ist der Argentinier und derzeitige Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Rafael Grossi. Auch die guyanische Diplomatin Carolyn Rodrigues-Birkett gilt als führende Anwärterin.

Ebenfalls zu den Kandidaten gehört die ehemalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, deren Wahl von israelischen Vertretern abgelehnt wird. Während ihrer Amtszeit als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte äußerte Bachelet wiederholt einseitige Kritik an Israel. So verurteilte sie Jerusalem nicht nur mehr als doppelt so oft wie Peking und erklärte bei mehreren Gelegenheiten, dass Israel Kriegsverbrechen begehe. Darüber hinaus unternahm sie auch nichts, als das Mitglied ihres Büros, Francesca Albanese, soweit ging, das Recht des jüdischen Staates auf UN-Mitgliedschaft überhaupt in Frage zu stellen.

Laut Danon hofft Israel auf einen Generalsekretär, der sich diesen Herausforderungen stellt und Israel dabei als einen gleichwertigen Mitgliedstaat behandelt, statt zuzulassen, dass sich die Vereinten Nationen weiterhin derart unverhältnismäßig auf den jüdischen Staat fokussieren. Danon argumentiert, dass Israel aber in jedem Fall mit der UNO in Kontakt bleiben müsse, auch wenn sie einen Guterres-Nachfolger wählen sollte, der Jerusalem feindlich gesinnt sei. Seiner Ansicht nach würde ein Austritt Israels Gegnern nur noch mehr Spielraum lassen, die diplomatische Agenda zu bestimmen.

Das Auswahlverfahren der UNO wird voraussichtlich bis in den Spätherbst hinein andauern, wobei der Sicherheitsrat nach einem Kandidaten sucht, der in der Lage ist, sich die notwendige Unterstützung zu sichern, bevor die Generalversammlung den Nachfolger von Guterres offiziell ernennt. Für die UNO selbst wird die Wahl des nächsten Generalsekretärs eine Entscheidung darstellen, die die Ausrichtung der Organisation für die kommenden Jahre prägt. Wird sie den Weg der antiisraelischen Obsession weitergehen oder zu mehr Ausgewogenheit zurückfinden?

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