Während die Regierungstruppen erklären, ihre Gegenoffensive gegen die Huthi werde ausgeweitet, eroberte die vom Iran unterstützte Terrorgruppe die am Roten Meer gelegene Stadt Mokka.
Laut Angabe von Regierungsbeamten haben jemenitische Truppen an mehreren Fronten eine Gegenoffensive gegen die von Teheran unterstützten Huthi-Milizen gestartet. Sie beschreiben die Offensive als Versuch, die Hauptstadt Sanaa nach Jahren der militärischen Pattstellung zurückzuerobern. Der stellvertretende Verteidigungsminister Samir al-Sabri erklärte im offiziellen jemenitischen Fernsehen, dass »die Entscheidung zur Befreiung von Sanaa endgültig und mit Entschlossenheit getroffen wurde«. Die Regierungstruppen rückten an mehreren Fronten vor, mit dem Ziel, die staatlichen Institutionen wiederherzustellen und die Kontrolle der Huthi über die Hauptstadt zu beenden, hieß es.
Die Huthi kontrollieren Sanaa seit Ende 2014, nachdem sie die Regierung aus der jemenitischen Hauptstadt vertrieben hatten. Zusammen mit einer Koalition startete Saudi-Arabien im März 2015 zwei Militäroperationen, denen es jedoch nicht gelang, die Terrorgruppe zum Rückzug zu bringen. Nach einem von der UNO vermittelten Waffenstillstand im Jahr 2022 ließen die Kämpfe nach. Der Jemen blieb jedoch weiterhin gespalten zwischen den von den Huthi kontrollierten Regionen im Norden und den von der international anerkannten Regierung sowie den südlichen Kräften verwalteten Gebieten. Forderungen nach einer Abspaltung des Südens haben die Bemühungen um den Wiederaufbau eines vereinten Staates weiter erschwert.
Der offizielle Sprecher der jemenitischen Streitkräfte, Majid al-Nuzaili, erklärte: »Die Huthi haben in den vergangenen Jahren versucht, der jemenitischen Gesellschaft ein über die Politik hinausgehendes Projekt aufzuzwingen und damit das Wesen des religiösen, sozialen und kulturellen Lebens zu verändern, wie es die Jemeniten seit jeher kennen. Wir wollen nicht, dass der Jemen zu einer Kopie des Iran wird; noch wollen wir jahrhundertealte konfessionelle und historische Konflikte in unser Land importieren; noch wollen wir, dass die Jemeniten gezwungen sind, Auseinandersetzungen zu erdulden, die nie ihr Hauptanliegen waren.«
Eroberung von Mokka
Regierungsvertreter geben an, dass die aktuelle Offensive zu Fortschritten in mehreren Provinzen im Norden des Landes geführt habe. Zugleich gibt es Berichte, dass der kürzlich gestartete Huthi-Vorstoß auf das an der Meerenge Bab al-Mandab gelegene Mokka zu einem Rückzug der Regierungstruppen aus der Stadt führte. In einer Erklärung sagte der stellvertretende Vorsitzende des jemenitischen Präsidialrats, Tareq Saleh, dass »die Einrichtung einer alternativen Kommandozentrale an einem sicheren Ort [südlich der Stadt] angeordnet wurde, um die Truppen in Absprache mit dem Kommando der arabischen Koalition und dem Präsidialrat neu zu formieren.«
Die neu aufgeflammten Kämpfe erfolgten im Zusammenhang mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien, die von den Huthi als Vergeltungsmaßnahme für saudische Militäroperationen im Jemen bezeichnet wurden. Der Huthi-Sprecher Yahya Saree erklärte, die Operationen im Jemen stellten eine »saudische Aggression« dar. Er betonte, dass »Saudi-Arabien diese Operationen durchführt« und nicht die jemenitische Armee. Saree drohte mit weiteren Angriffen, sollte die Offensive fortgesetzt werden.
In einer Erklärung vom 8. September schrieb die US-Botschaft im Jemen: »Die Huthi haben diesen Konflikt ausgelöst und müssen die Konsequenzen ihrer Aggression tragen. Die Republik Jemen ist die einzig legitime Regierung und hat jedes Recht, ihre Bevölkerung zu verteidigen und den Huthi die Möglichkeit zu nehmen, Terror zu verbreiten.«
Bei einer Pressekonferenz mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag erklärte der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan, dass »die Huthi sich selbst die Büchse der Pandora geöffnet haben. Sie stellen ihre engstirnigen, eigennützigen Interessen über die Interessen des Jemen und greifen immer dann zu Gewalt, wenn sie sich in einer schwierigen Lage befinden.« Der Weg für diplomatische Bemühungen bleibe seitens Riad aber offen, fügte Faisal bin Farhan hinzu.
