Pilotzonen im Südlibanon: Ein vorhersehbares Scheitern

Die Armee in Zoutar al-Gharbiyeh soll eigentlich die Rückkehr der Hisbollah in den Südlibanon verhindern
Die Armee in Zoutar al-Gharbiyeh soll eigentlich die Rückkehr der Hisbollah in den Südlibanon verhindern (© Imago Images / JNA Press)

Die Demontage von militärischer Infrastruktur reicht nicht aus, wenn zugleich den zivilen Strukturen der Hisbollah die Rückkehr in den Südlibanon gestattet wird.

Tal Beeri

Die Pilotzonen im Südlibanon sollten als praktischer Test dienen, um die Fähigkeit und Bereitschaft des libanesischen Staates zu prüfen, seine Vereinbarungen mit Israel umzusetzen. Beirut hat sich verpflichtet, die Präsenz der libanesischen Streitkräfte vor Ort zu etablieren, die Rückkehr der Hisbollah zu verhindern und den Wiederaufbau ihrer Infrastruktur zu unterbinden. Die Entwicklungen in der ersten Pilotzone, Zoutar al-Gharbiyeh, deuten jedoch bereits auf einen gegenteiligen Trend hin. Unter dem Deckmantel der Präsenz der libanesischen Armee kehren die Hisbollah-Strukturen in das Dorf zurück. Die Terrorgruppe etabliert dort erneut eine zivile Präsenz, die später als Grundlage für eine militärische Verfestigung dienen könnte.

Ein erstes Anzeichen hierfür war die Rückkehr der »Islamischen Gesundheitsorganisation« der Hisbollah Ende Juli. In offiziell veröffentlichten Dokumentationen waren Hisbollah-Aktivisten dieser Gruppierung zu sehen, wie sie in Zoutar al-Gharbiyeh tätig waren – unter anderem bei der Bergung der Leichen getöteter Hisbollah-Mitglieder –, während sie von der libanesischen Armee begleitet wurden.

Es handelt sich bei der »Islamischen Gesundheitsorganisation« weder um eine unabhängige medizinische Organisation noch um eine Einrichtung des libanesischen Staates. Die Gruppierung ist dem Exekutivrat der Hisbollah unterstellt und bildet Teil des Unterstützungsnetzwerks für deren militärische Aktivitäten. Das medizinische Personal der Organisation ist vollwertiger Teilnehmer an den militärisch-terroristischen Aktivitäten der Hisbollah vor Ort. Während des Krieges wurden ihre Krankenwagen zum Transport von Kämpfern und Waffen genutzt, während ihre medizinischen Einrichtungen für militärisch-terroristische Zwecke herangezogen wurden, unter anderem als Sammelpunkte, Kommandoposten und für ähnliche Funktionen.

Einige Tage, nachdem die »Islamische Gesundheitsorganisation« in die Pilotzone zurückgekehrt war, folgte ihr der Verein »Wa Ta’awanu« (»Helft einander«), eine weitere zivile Gruppierung, die der Hisbollah angegliedert ist.

Öffentlich zugänglichen Informationen zufolge kam »Wa Ta’awanu« bereits am 29. Juli nach Zoutar al-Gharbiyeh und richtete im Dorf provisorische Einrichtungen für den Gemeinderat ein, um »die Rückkehr der Bewohner zu unterstützen«. Der Verein stellt Lebensmittel und Mahlzeiten bereit, erfasst die Bedürfnisse der Bevölkerung und beteiligt sich in Zusammenarbeit mit der libanesischen Armee und dem Zivilschutz an Wiederaufbau- und Aufräumarbeiten. Er organisierte im Dorf sogar eine religiöse Veranstaltung anlässlich von Arba’een, das den vierzigsten Tag nach Aschura markiert. Aschura wiederum ist der Tag, an dem Schiiten des »Martyriums« von Imam Husayn ibn Ali – dem Enkel des Propheten Mohammed – gedenken, der im Jahr 680 n. Chr. in der Schlacht von Karbala getötet wurde.

 Wiederaufbau der Hisbollah

Auf den ersten Blick mögen Aktivitäten wie diese wie legitime humanitäre Hilfe erscheinen, doch genau dies ist der Bereich, in dem die Hisbollah seit Jahren tätig ist. Durch Einrichtungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung, Bauwesen und Finanzen schafft die Hisbollah bei der Bevölkerung eine Abhängigkeit von den von ihr angebotenen Dienstleistungen, vertieft ihren Einfluss und baut eine zivile Unterstützungsstruktur auf, die auch ihre militärischen Aktivitäten erleichtert.

Die Aktivitäten von »Wa Ta’awanu« veranschaulichen das Problem gut. Der Verein dient auch als Plattform für die Mittelbeschaffung, unter anderem über ein Konto beim Hisbollah-Finanzinstitut »Al-Qard Al-Hassan«. Außerdem unterhält er finanzielle Verbindungen zum Iran.

Seit dem Waffenstillstand zwischen dem Libanon und Israel im November 2024 hat »Wa Ta’awanu« Dutzende mobiler Unterkünfte im gesamten Südlibanon aufgestellt, angeblich als vorübergehende Wohnlösungen. Einige dieser Einrichtungen wurden jedoch in der Praxis für militärische Aktivitäten der Hisbollah und zur Informationsbeschaffung genutzt. Sie ersetzten damit Infrastruktur, die zuvor vom vorgeblich dem Naturschutz dienenden Verein »Green Without Borders« betrieben wurde und während des Krieges beschädigt worden war. Einige der von »Wa Ta’awanu« errichteten Einrichtungen wurden im Laufe des Jahres 2025 von den israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) angegriffen.

Dies verdeutlicht das zentrale Problem des Pilotzonenmodells: Die Demontage von militärischer Infrastruktur und Waffen reicht nicht aus, wenn gleichzeitig den zivilen Strukturen der Hisbollah die Rückkehr in das Gebiet gestattet wird. Diese Strukturen sind für die Aktivitäten der Organisation nicht nebensächlich; sie bilden die soziale, wirtschaftliche und logistische Infrastruktur, auf deren Grundlage sich die Hisbollah wieder aufbauen kann.

Zoutar al-Gharbiyeh sollte zeigen, dass die libanesischen Streitkräfte in der Lage sind, die Hisbollah sowohl als souveräne Autorität als auch als Dienstleister vor Ort zu ersetzen. Doch das sich abzeichnende Bild bestätigt das Gegenteil: Die libanesische Armee ist zwar präsent, doch die Strukturen der Hisbollah agieren neben ihr und unter ihrem Schutz. Wenn die staatlichen Stellen für Medizin, Sozialwesen und Wiederaufbau das Vakuum nicht füllen, wird die Hisbollah dies an ihrer Stelle tun.

In diesem Sinne beginnt das Scheitern der Pilotzonen nicht an dem Tag, an dem bewaffnete Hisbollah-Kämpfer in die Dörfer zurückkehren. Es beginnt viel früher – an dem Tag, an dem die zivilen Strukturen der Hisbollah zurückkehren, ihren Einfluss auf die Bevölkerung wiederherstellen und den Boden für die Rückkehr ihrer militärischen Infrastruktur bereiten. Im Libanon lautet die Formel ganz einfach: Wo Schiiten leben, da macht sich auch die Hisbollah breit.

Tal Beeri ist Forschungsdirektor am Alma Research and Education Center, das sich mit den sicherheitspolitischen Herausforderungen Israels an seiner Nordfront befasst. (Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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